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News: Safer Sex

Gäbe es bei den Taufliegen nicht ständig wechselnde Partnerschaften, müsste die Evolution nicht zu drastisch anmutenden Tricks greifen, damit sich Individuen gegen die Konkurrenz durchzusetzen vermögen. Doch das kann auch daneben gehen. Einzelne Populationen können sich nämlich gegenseitig derart ausmanövrieren, dass eine Fortpflanzung untereinander unmöglich wird. Auf diese Weise isolierte Gruppen können plötzlich zu neuen Arten werden.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, Taufliegen (Drosophila melanogaster) hätten ein erfülltes Sexleben. Zumindest verbringen sie einen wesentlichen Teil ihrer Existenz mit der Fortpflanzung. Doch gerade deshalb treibt sie die Sorge um, wie der Erfolg ihrer Begattung sicherzustellen sei. Und da hat sich die Evolution eine Reihe drastischer Tricks einfallen lassen. Am Ende könnte es sogar dazu kommen, dass auf diese Weise neue Arten entstehen.

So haben einige Männchen im Laufe der Zeit in ihrem Sperma ein Protein gebildet, das für die Samenzellen nachfolgender Nebenbuhler tödlich ist. Andere Artgenossen sind in der Lage, nach der Begattung die weibliche Bereitschaft für weitere Kopulationen zu mindern. Auch dies geschieht mit Hilfe eines Proteins im Sperma. Umgekehrt entwickeln viele Weibchen genau dagegen wiederum Resistenzen, und alles in allem kann es auf diese Weise dazu kommen, dass sich einzelne Taufliegen-Populationen untereinander nicht mehr vermehren können. Eine neue Art einsteht.

Ob dies wirklich geschieht, wollte Göran Arnqvist von der Evolutionary Ecology Research Group der Umeå University herausfinden. Dazu sammelte er mit seinen Kollegen unzählige genetische Fingerabdrücke und Daten über das Verhalten Tausender von Insekten. Ihr Ziel war es, mithilfe kladistischer Methoden jeweils zwei miteinander verwandte Gruppen mit einem gemeinsamen Vorfahren zu finden. In einer dieser Gruppen musste es zu einem Konflikt zwischen den Geschlechtern gekommen sein, wie er beispielsweise bei den Taufliegen üblich ist. In der anderen Gruppe sollte es derlei Probleme nicht geben. Die Wirkung sexueller Probleme ermittelten die Forscher einfach auf der Basis der Artenzahl innerhalb der entsprechenden Gruppe.

Das Ergebnis ist eindrucksvoll. In promiskuitiven Artengemeinschaften kann die Herausbildung neuer Arten auf das Vierfache ansteigen (Proceedings of the National Academy of Sciences vom 12. September 2000). Dabei berücksichtigten die Forscher auch andere Faktoren, die für die Bildung neuer, verwandter Arten verantwortlich sein können. Sie wird zum Beispiel auch durch eine große regionale Verbreitung begünstigt.

William Rice vom Department of Ecology, Evolution, and Marine Biology der University of California sieht aufgrund von Arnqvists Arbeit die rasante evolutionäre Entwicklung der Reproduktionsorgane als Ursache für die Bildung neuer Arten. Und wer weiß, ob sich diese nur auf Fliegen, Käfer und Schmetterlinge beschränkt. Für die Auswirkungen solcher sexuellen Konflikte bei Wirbeltieren hat sich bisher nämlich niemand so richtig interessiert.

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