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News: Salz mit Waschkraft

Die Gischt der Ozeane ist eine natürliche Waschanlage für verschmutzte Luft: Das darin enthaltene Salz lässt die Wolken wieder regnen.
Immer wieder liegt Asien unter einer dichten Dunstglocke begraben. Rauch, Abgase und Wüstenstaub verdunkeln den Blick zur Sonne und bedrohen durch lokale klimatische Veränderungen nicht nur die Natur, sondern auch das Wirtschaftswachstum in manchen Regionen – von den schweren, sogar tödlich endenden Gesundheitsproblemen für die Bevölkerung ganz zu schweigen.

Und die verschmutzten Luftmassen haben noch eine weitere verheerende Wirkung: Die zahlreichen winzigen Partikel beziehungsweise Aerosole dienen als Keime, an denen sich Wassertröpfchen anlagern. Allerdings sind ihrer so viele, dass die Tröpfchen nicht zusammenfinden und einen ausreichend großen Durchmesser erreichen – so entstehen zwar Wolken, aber aus ihnen fällt kein Regen.

Der Regen fällt erst später. Dann jedoch hängt die Smogschicht schon lange nicht mehr über dem Land, sondern über dem Indischen Ozean. Und das, obwohl sich die Verschmutzung der Luft bis dahin nicht im geringsten verbessert hat, wie Daniel Rosenfeld und seine Kollegen von der Hebrew University herausgefunden haben. Wie aber kamen nun die großen Tropfen zustande?

Die Forscher werteten Satellitenaufnahmen der Tropical Rainfall Measuring Mission (TRMM) aus und ermittelten den effektiven Radius der Tröpfchen: Je weiter die Wolken sich vom Land entfernten, desto dicker wurde ihre wässrige Fracht. Und während die landnahen Dunstmassen in den Radarbildern keinen Niederschlag zeigten, regnete aus den seewärts verdrifteten verschmutzten Wolken, als wären sie nie dreckhaltig gewesen.

Dahinter steckt offenbar das Salz der Gischt. Denn die Kristalle, die deutlich größer sind als die Aerosole, dienen ebenfalls als Keim zur Tropfenbildung. Nur entstehen dabei von Anfang größere Exemplare, die sich dann die kleineren Nachbarn einverleiben. Der Regen schließlich spült die verschmutzenden Stoffe ins Meer und wäscht so die Wolken letztendlich sogar sauber.

Das ist von entscheidender Bedeutung für Klimasimulationen, in denen die Rolle von Wolken bisher noch ein schwieriges Kapitel ist. Denn Wasserdampf wirkt als Treibhausgas, indem er einfallende Sonnenstrahlung durchlässt, die vom Boden kommende Wärmestrahlung aber zurückhält. Dunstglocken voller Aerosole hingegen reflektieren die Sonnenstrahlung – und inwieweit die beiden Prozesse sich gegenseitig aufheben oder beeinflussen, liegt noch weitgehend im Nebel. Bisher haben Forscher für solche Modellierungen die Wolkendecke über dem Indischen Ozean als Dunstglocke berechnet. Nach dem nun aufgeklärten Waschgang müssen sie wohl andere Daten einspeisen.

Die asiatische Bevölkerung allerdings hat nichts von den durch die Waschkraft des Salzes gesäuberten Wolken: Sie leiden auch weiterhin unter der dicken Dunstglocke.

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