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Ökologie: Sardellen-Fischerei bedroht Magellanpinguine

Magellanpinguin
Die erst kürzlich ausgedehnte Sardellen-Fischerei vor der Küste Argentiniens könnte auf Dauer die Meerestiere Patagoniens ernsthaft gefährden, warnen Wissenschaftler aus den USA und aus Argentinien. Ein Zusammenbruch des Ökosystems hätte letztendlich auch erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus – eine Haupteinnahmequelle der abgelegenen Region.

2003 hatte der argentinische Bundesfischereirat den Antrag der Provinz Chubut bewilligt, eine eingeschränkte Sardellenfischerei in den Küstengewässern südlich des 41. Breitengrads versuchsweise zuzulassen. Damit sollte eine Alternative für die bereits durch Überfischung zusammengebrochenen Seehechtbestände gefunden werden. In den folgenden zwei Jahren haben argentinische Fischer zum ersten Mal seit dreißig Jahren über 30 000 Tonnen Sardellen gefangen.

Brütende Magellanpinguine | Punta Tombo in der argentinischen Provinz Chubut beherbergt weltweit die größte Brutkolonie von Magellanpinguinen (Spheniscus magellanicus). Die Vögel brüten hier jeweils zwei Eier in den von ihnen gebauten Erdhöhlen.
Elizabeth Skewgar von der Universität von Washington in Seattle und ihre Kollegen kritisieren, dass die Auswirkungen der Fischerei auf die Meeresfauna nicht berücksichtigt worden ist. Das Gebiet liegt in der Nähe der Halbinsel Valdés, die auf Grund der ansässigen Meeressäuger – wie Seeelefanten, Seelöwen oder Glattwale – von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt worden ist. Nicht weit entfernt ist auch Punta Tombo mit der weltweit größten Kolonie von Magellanpinguinen.

Die jetzt befischte Argentinische Sardelle (Engraulis anchoita), die zu Fischmehl für Aquakultur verarbeitet wird, stellt nach Ansicht der Wissenschaftler ein wichtiges Bindeglied im marinen Ökosystem dar: Sie reguliert das Plankton und dient wiederum als Beute für zahlreiche Meerestiere. So leben Magellanpinguine (Spheniscus magellanicus) hauptsächlich von ihr, ernähren sich aber auch vom Patagonischen Seehecht (Merluccius hubbsi), der wiederum Sardellen frisst und dessen Bestände inzwischen stark zurückgegangen sind. Wie die einzelnen Teile des Nahrungsnetzes miteinander verknüpft sind, sei jedoch noch längst nicht richtig verstanden, mahnen die Forscher.

Magellanpinguine am Strand | Magellanpinguine ernähren sich hauptsächlich von Sardellen. Eine Überfischung der Sardellenbestände hätte daher erhebliche Auswirkung auf die Überlebensfähigkeit der Vögel. Auch andere Meerestiere wären davon bedroht.
Die Wissenschaftler fordern, dass die ökologischen und ökonomischen Folgen der Sardellenfischerei genau untersucht werden müssen. So nahm die Provinz Chubut 2005 über den Ökotourismus, der großteils auf der Artenvielfalt der Küste beruht, direkt 125 Millionen und indirekt 230 Millionen Euro ein – eine Einnahmequelle, die beim Zusammenbruch der Sardellenbestände akut bedroht sei.

Wenn sich die Fischerei jedoch bereits etabliert habe, wäre eine Rücknahme der Fangquoten politisch schwer durchsetzbar, argumentieren Skewgar und Co weiter. So musste die argentinische Regierung 1999 mit starken Widerständen kämpfen, als sie versuchte, die Fangquoten für den überfischten Seehecht zu senken. (aj)

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