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News: Satelliten-Crash: Trümmerstücke treten in die Atmosphäre ein

Geometrie der Satellitenkollision am 10. Februar 2009Laden...
Am 10. Februar waren in rund 800 Kilometer Höhe über dem nördlichen Sibirien die beiden Satelliten Iridium 33 und Kosmos 2251 zusammengestoßen, wobei beide zerstört wurden, wir berichteten. Iridium 33 war ein aktiver US-Kommunikationssatellit des Iridium-Netzes, bei Kosmos 2251 handelte es sich um einen seit 1995 inaktiven militärischen Kommunikationssatelliten Russlands.

Bei der Kollision wurden große Mengen an Trümmern frei, die sich entlang der Satellitenbahnen ausbreiteten. Die US-Weltraumüberwachung verfolgt per Radar derzeit 355 größere Fragmente von Kosmos 2251 und 159 Bruchstücke von Iridium 33. Von den 355 Bruchstücken von Kosmos 2251 werden im März die ersten drei in die Erdatmosphäre eintauchen und dabei verglühen.

Das Fragment 1993–036PX wird am 12. März verglühen, ihm folgt am 28. März das Bruchstück 1993-036KW und am 30. März 1993-036MC. Diese Katalog-Bezeichnungen der Fragmente enthalten das Startjahr 1993 und Kosmos 2251 war das 36. Objekt, das im Jahr 1993 in eine Erdumlaufbahn gelangte.

Es handelt sich dabei um leichte Fragmente mit Größen von wenigen Zentimetern, die nach Ansicht der US-Weltraumüberwachung auf jeden Fall harmlos in der Erdatmosphäre verglühen werden.

Noch rätseln die Experten darüber, warum bei der Kollision mehr als doppelt so viele Bruchstücke von Kosmos 2251 entstanden als von Iridium 33. Der russische Satellit wies nämlich etwa eine doppelt so große Masse auf wie Iridium 33 und war wesentlich kompakter aufgebaut.

Da der Satellitenkörper von Kosmos 2251 hermetisch abgeschlossen war und mit Gas unter Druck stand, könnte der Satellitenkörper bei der Kollision wegen des Innendrucks regelrecht geplatzt sein. Russische Satelliten wurden früher häufig druckdicht gebaut, weil sich so die Temperaturen im Inneren leichter regeln lassen. Der Nachteil ist allerdings die größere Masse des Satelliten wegen des schweren Druckgefäßes.

Nach der Kollision verteilten sich die Bruchstücke von Kosmos 2251 in Höhen zwischen 198 und 1689 Kilometer, dagegen halten sich die Fragmente von Iridium in Höhen zwischen 582 und 1262 Kilometern auf.

Besonders die der Erde am nächsten kommenden Bruchstücke weisen nur geringe Lebensdauern auf, da in in 200 Kilometer Höhe die Restatmosphäre schon recht dicht ist und der Orbitalbewegung einen deutlichen Widerstand bietet. Dabei werden die leichten und flächenhaften Bruchstücke am stärksten abgebremst, ihre Bahnen rücken immer dichter an die Erde heran, bis sie schließlich unterhalb von 150 Kilometern in den dichteren Schichten der Atmosphäre als künstliche Sternschnuppen verglühen.

Sollten tatsächlich einmal Satellitentrümmer oder sonstiger Weltraumschrott die Erdoberfläche erreichen, so gilt nach bisheriger Rechtssprechung das Verursacherprinzip: Derjenige, der den Satelliten gestartet hat, haftet auch für eventuelle Schäden.

Beispielsweise bezahlte die damalige Sowjetunion die Reinigungsarbeiten im nördlichen Canada, nachdem am 24. Januar 1978 Trümmerstücke ihres nuklear betriebenen Radar-Aufklärungsatelliten Kosmos 954 im Bereich des Großen Sklavensees niedergingen. Dabei fiel radioaktives Material entlang eines 600 Kilometer langen Streifens auf die Erde. Von den Trümmern von Kosmos 2251 und Iridium 33 geht am Erdboden keine Gefahr aus, beide Satelliten gewannen ihre Energie aus Solarzellen.

Tilmann Althaus

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