Direkt zum Inhalt

Naturschutz: Satelliten erfassen die vulkanische Heimat bedrohter Gorillas

Gorillababy
Mitarbeiter von Umweltschutzorganisationen stehen nun aus aus Satellitendaten erstellte kartografische Produkte zur Verfügung, die einen entlegenen Lebensraum der bedrohten afrikanischen Berggorillas zeigen. Nie zuvor wurde dieses Gebiet in derartigem Detail dargestellt. Produktionsversionen dieser Kartenprototypen sollen die Maßnahmen zum Schutz der weniger als 700 noch lebenden Tiere dieser Art unterstützen.

Kartengebiet | Endlich gutes Kartenmaterial: Aus Satellitendaten erstellten Forscher eine Basiskarte im Maßstab 1:50 000, eine Landbedeckungskarte und ein digitales Höhenmodell des Gebiets um den Volcanoes National Park in Ruanda. Zusammen mit den vier weiteren Nationalparks bieten sie den bedrohten Berggorillas Rückzugsgebiete und Lebensraum.
Bei dem erfassten Bereich handele es sich um ein oft schlecht zugängliches Vulkanmassiv. Die davon verfügbaren Landkarten seien mehr als 30 Jahre alt und häufig ungenau, und für einige Gebiete liegen überhaupt keine Karten vor, erläutert Maryke Gray von der regionalen Überwachung des Internationalen Gorilla-Schutzprogramms IGCP. Dennis Babasa, Koordinator der ökologischen Überwachung am Institute of Tropical Forest Conversation von Uganda (ITFC) ergänzt, dass bisher einfach die nötigen Hilfsmittel fehlten, um solche Karten zu erstellen. Die Fernerkundung sei eine wichtige Ressource für ihre Arbeit.

Virunga-Berge | Die Virunga-Berge in der Grenzregion von Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo sind die Heimat der etwa nur noch 600 Berggorillas.
Berggorillas siedeln in den hoch gelegenen Wäldern in dem Gebiet um die Grenzen zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Dieses Gebiet umfasst fünf Nationalparks, von welchen drei zum Weltnaturerbe der UNESCO ernannt wurden und die beiden anderen für denselben Status nominiert sind. Aufgrund der politischen Unruhen in der Region sind die Bereiche um die Parks herum jedoch zum Ziel starker Flüchtlingsbewegungen geworden. Waldrodung zum Zweck des Ackerbaus oder zur Gewinnung von Brennmaterial sowie Wilderei aus Nahrungsmangel haben die Parks beschädigt und den Lebensraum der Gorillas weiter eingeschränkt.

Die Länge der Parkgrenzen, die sich durch äußerst unzugängliches und kartografisch kaum erfasstes Gelände ziehen, erschwert die Anstrengungen zum Schutz der Parks. Das von der Europäischen Weltraumbehörde ESA geleitete Projekt BEGo – Build Environment for Gorilla – nutzt Erdbeobachtungsressourcen zur Erfassung der Region, um die vor Ort tätigen Umweltgruppen und Behörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Zu den nun erstellten Produkten gehören eine Basiskarte im Maßstab 1:50 000, eine Landbedeckungskarte und ein digitales Höhenmodell (DEM) des Gebiets um den Volcanoes National Park in Ruanda. Außerdem wurde durch Überlagerung des digitalen Höhenmodells mit der Basis- und der Landbedeckungskarte eine räumliche Darstellung der Landschaft erzeugt. Ein simulierter Flug über das Gebiet im Virtual Reality Theatre von ESRIN sollte den BEGo-Partnern helfen, sich mit den Produkten vertraut zu machen.

In der nächsten Phase soll dann auch der Rest des Habitats der Berggorillas erfasst werden: der Kahuzi-Biega National Park und der Virunga National Park in der Demokratischen Republik Kongo, der Bwindi National Park in Uganda (alle drei Weltnaturerbe-Standorte) sowie der Mgahinga National Park in Uganda. Zusätzlich sollen Karten über die Veränderung der Landbedeckung seit 1990 bereitgestellt werden.

Der Druck durch die Bevölkerung an den Parkgrenzen sei nach wie vor groß. Material über die Veränderung der Landbedeckung werde dabei helfen, gefährdete Bereiche zu identifizieren, erklärt Mario Hernandez von der UNESCO. Künftig werde es natürlich auch möglich sein, die Techniken BEGos auf andere bedrohte Weltnaturerbe-Standorte auszudehnen. Allein in der Demokratischen Republik Kongo sollen drei weitere solcher Gebiete auf ähnliche Weise kartografiert werden.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte