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News: Sauer macht gesund

Nimmt ein Kranker seine Medizin mit Grapefruitsaft ein, so kann dadurch manchmal die Wirkung verstärkt werden. Dieser Effekt ist schon seit einiger Zeit bekannt. Nun ist es gelungen, zwei Substanzen im Grapefruit-Saft zu isolieren, welche zu einer besseren Absorption bestimmter Medikamente im menschlichen Körper führen.
Frühere Studien haben ergeben, daß bei manchen Medikamente die Wirkung dadurch verbessert werden konnte, daß die Patienten sie zusammen mit Grapefruitsaft einnahmen. Der Schlüssel zur Frage, wie Grapefruit-Saft die Absorption von Arzneien erhöht, liegt in der Wechselwirkung zwischen dem Saft und einem im Dünndarm befindlichen Enzym.

Nunmehr haben der Direktor des General Clinical Research Center an der University of Michigan, Dr. med. Paul B. Watkins, und seine Kollegen zwei Substanzen im Grapefruit-Saft isoliert (Furanocoumarine), die für den sog. „Grapefruit-Effekt” verantwortlich sind. Die neuen Erkenntnisse sind in der Novemberausgabe der Zeitschrift Drug Metabolism und Disposition veröffentlicht.

Laut Watkins binden die zwei Bestandteile des Fruchtsaftes an ein Dünndarm-Enzym, bekannt als CYP3A4, und zerstören so dessen Fähigkeit, die Absorption von Medikamenten zu beeinträchtigen. Das Enzym agiert normalerweise als eine Art Pförtner gegenüber bestimmten Medikamenten, z.B. solchen, die bei hohem Blutdruck, Herzleiden, Allergien, AIDS und Organtransplantationen verschrieben werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arzneien, werden diese Medikamente im Darm nicht effektiv absorbiert, da das in den Darmwänden vorkommende CYP3A4 sie größtenteils zersetzt. Watkins zufolge, haben Menschen typischerweise variierende Mengen des Enzyms in ihren Därmen. Dies scheint zu erklären, warum einige Personen mehr einer verabreichten Medizin absorbieren als andere.

Außerdem erklärt Watkins, daß die zwei Furanocoumarine über verschiedene Eigenschaften verfügen. Die hauptsächlich aktive Substanz im Grapefruit-Saft wird als 6',7'-Dihydroxybergamottin (DHB) bezeichnet, während die Forscher den anderen Bestandteil FC726 nannten. Ihr Unterschied besteht darin, daß DHB offenbar mehrere Wirkungen hat, während FC726 anscheinend spezifisch beim CYP3A4-Enzym wirkt.

Diese Erkenntnisse, so Watkins, könnten bedeutende Konsequenzen für die zukünftige Herstellung von Arzneien haben. Die Forscher glauben, daß die Zugabe eines der im Grapefruit-Saft enthaltenen Furanocoumarine zu bestimmten oral verabreichten Medikamenten deren Zuverlässigkeit und Sicherheit merklich verbessern kann. „Die Entdeckung gestattet die Entwicklung verbesserter, oral einzunehmender Medikamente, und zwar nicht nur bestehender, sondern auch – was noch wichtiger ist – solcher Arzneien, die bisher nicht effektiv oral einzunehmen wären”, sagt Watkins. „Indem wir DHB oder FC726 direkt in eine Pille geben, wird das Medikament verläßlich absorbiert.”

Weiterhin ergab die Studie, daß sich die Konzentration der aktiven Bestandteile bei den verschiedenen Grapefruitsäften sehr unterscheidet – selbst bei gleicher Produktlinie. Dies beruht höchstwahrscheinlich auf den Anbaubedingungen in den verschiedenen Regionen und auf der Tatsache, daß die Hersteller ihre Grapefruits meist aus verschiedenen Gebieten beziehen. „Aus diesem Grund”, so Watkins, „sollte man den aktiven Bestandteil lieber der Pille direkt zugeben, anstatt einfach das Medikament zusammen mit Grapefruit-Produkten einzunehmen.”

Watkins glaubt, daß es wahrscheinlich noch weitere Substanzen in der Grapefruit gibt, die die Arzneiabsorption beeinflussen. „Wir suchen nun weiter, um genau den Stoff zu finden, der das tut, was wir wollen – ohne in andere Prozesse einzugreifen. Wir denken, daß Grapefruit über alle möglichen Bestandteile verfügt, die nützlich bei der Herstellung verschiedener Arten von Medikamenten sein können.”

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