Direkt zum Inhalt

Ozeanografie: Saurer Regen bedroht Meer in Küstennähe

Stickstoff und Schwefel senken in Form von saurem Regen die pH-Werte küstennaher Meeresbereiche und gefährden dort Korallenriffe und Plankton. Im globalen Rahmen treten sie allerdings deutlich hinter den Einfluss von gelöstem Kohlendioxid zurück.

Nach Angaben der Wissenschaftler um Scott Doney von der Woods Hole Oceanographic Institution werden jährlich sechs Teramol (1012 Mol) reaktiver Stickstoff und zwei Teramol Schwefel durch menschliche Aktivität der Atmosphäre zusätzlich zugeführt, während es rund 700 Teramol Kohlendioxid sind. Im weltweiten Durchschnitt verblasst daher die versauernde Wirkung der beiden Stoffe gegenüber dem CO2. Regional schlagen sich aber zwischen 10 und 50 Prozent ihres Ausstoßes im Meer nieder und können so zu den bereits beobachteten Absenkungen der pH-Werte beitragen, berechneten die Forscher.

Gefährdet sind vor allem Regionen in relativer Nähe zu großen Industriezentren und Ballungsräumen, da Schwefel- und Stickstoffverbindungen rasch vom Regen wieder aus der Atmosphäre ausgewaschen werden. In ihrem Modell berücksichtigen Doney und seine Kollegen unter anderem auch, dass eingetragene Stickoxide das Algenwachstum anregen, was dem Wasser gelösten Kohlenstoff entzieht und damit wiederum den pH-Wert anhebt. Dennoch überwiegt die versauernde Wirkung.

Der zunehmende CO2-Gehalt in der Atmosphäre und damit auch in den Ozeanen könnte bis zum Ende des Jahrhunderts den pH-Wert der Meere von derzeit 8,2 auf 7,8 im Mittel senken. Für viele Tierarten, die ihre Gehäuse aus Kalk aufbauen, dürfte dies bestandsgefährdend sein, da das zunehmend saure Wasser zum einen den Baustoff aus ihrem Körper löst und zum anderen seine Gewinnung aus dem Meerwasser erschwert. (dl)

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte