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Paranthropus robustus: Schädelfund zeigt Vorgeschichte unserer Cousins

Ein Verwirrspiel um zwei vormenschliche Schädel lässt sich durch »Mikroevolution« erklären: Seine typische Gestalt bekam der stabil gebaute Paranthropus erst im Lauf der Zeit.
Der Fund aus dem Drimolen Main Quarry hat die offizielle Bezeichnung DNH 155Laden...

Der Fund eines rund zwei Millionen Jahre alten Schädels erhellt die Frühgeschichte eines Cousins der Gattung Homo. Demnach entwickelte sich Paranthropus robustus nach seinem Erscheinen in Südafrika lokal weiter – vermutlich weil sich die klimatischen Bedingungen änderten.

Im Verlauf von womöglich nur 200 000 Jahren, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts »Nature Ecology & Evolution«, hätten sich die typischen Merkmale des »robusten«, auf harte Kost spezialisierten Paranthropus herausgebildet. Der Neufund, den das Team um David Strait von der University of Johannesburg nun bei Ausgrabungen im Steinbruch Drimolen Main Quarry rund 40 Kilometer von Johannesburg entfernt machte, zeigt hingegen noch eine etwas weniger spezialisierte und insgesamt grazilere Anatomie.

DNH 155 lautet die offizielle Bezeichnung für den SchädelLaden...
DNH 155 lautet die offizielle Bezeichnung für den Schädel | Sein Alter liegt laut dem Forscherteam zwischen 2,04 bis 1,95 Millionen Jahren.

Die Entdeckung könnte ein altes Rätsel um die Art lösen. Bislang hatten Wissenschaftler angenommen, dass es bei Paranthropus starke anatomische Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen gab – in etwa so wie bei heutigen Gorillas. Anlass dazu hatten zwei Fundstücke aus Südafrika gegeben: eines, das ebenfalls aus dem Drimolen-Steinbruch stammte, einem Weibchen gehörte und eher grazil gebaut war, und ein anderes, das von der Fundstelle Swartkrans stammte und den typischen robusten Körperbau von Paranthropus zeigt.

Da der neue Schädel von der Drimolen-Fundstelle nun einem erwachsenen Männchen gehört und insgesamt eher dem weiblichen Exemplar ähnelt als dem aus Swartkrans, gehen die Forscher davon aus, dass sich die Unterschiede nicht durch das Geschlecht, sondern durch Raum und Zeit erklären lassen: Die Art habe sich im Sinne einer Mikroevolution an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. »Ein trockenes Klima führte wahrscheinlich zu einer natürlichen Auslese, die die Herausbildung eines effizienteren und kräftigeren Kauapparats begünstigte«, sagt Strait in einer Pressemitteilung.

Die klimatischen Veränderungen im damaligen Südafrika kamen wohl auch einem Angehörigen der menschlichen Linie entgegen: Homo erectus tauchte ebenfalls vor rund zwei Millionen Jahren dort auf. Er blieb jedoch eine Seltenheit, schreiben die Forscher, verglichen mit Paranthropus robustus, der wohl viel häufiger vorkam. Dessen Gehirn war nur wenig größer als das eines heutigen Schimpansen, auch bewegte er sich nicht dauerhaft auf zwei Beinen fort.

46/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 46/2020

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