Direkt zum Inhalt

Gruppendynamik: Die Schaflawine

In der Herde folgen Schafe einer eigenwilligen Choreografie. Das scheinbare Durcheinander ist eine geschickte Umweltanpassung.
SchafherdeLaden...

Aus der Vogelperspektive betrachtet ist eine Schafherde meist eine gemächlich auseinanderdriftende Ansammlung von Wollknäueln. Doch in periodischen Abständen kommt es zu plötzlichen Verdichtungen der Herde.

Das Startsignal für dieses Schauspiel geht regelmäßig von Schafen in der Peripherie aus. Wie von einer plötzlichen Eingebung getrieben, stürmen sie gen Zentrum der Herde und reißen ihre Artgenossen in einer Art Lawine mit sich. Derart zusammengeballt verlagert sich die Herde auf ein benachbartes Weidestück, und das langsame Auseinanderdriften beginnt von vorne.

Die vermeintlich willkürlichen Umwälzungen folgen einer inneren Ordnung, das hat eine Gruppe von Verhaltensforschern der University of Aberdeen nun herausgefunden. Geleitet wurde die Gruppe von Francesco Ginelli, der als Experte für komplexe biologische Systeme gilt.

Seine Forschergruppe hat die Fluktuationen von Merinoschafherden systematisch beobachtet und in ein Computermodell gefasst. Ausgehend von den Reaktionen des einzelnen Tiers auf die Bewegungen seiner unmittelbaren Nachbarn lässt sich mit dessen Hilfe die ausgefeilte Choreografie aus Verteilung und Verdichtung der Herde im Computer simulieren.

© Proc Natl Acad Sci 10.1073/pnas.1503749112 (2015)
Die Schaflawine
Filmaufnahmen von einer der Versuchsweiden in Südfrankreich.

Ginelli und seine Koautoren glauben, dass die Schafe mit Hilfe der oszillierenden Verteilung zwei ihrer fundamentalen Interessen ausbalancieren: die maximale Nutzung der Weidefläche bei möglichst geringer Angriffsfläche für Raubtiere im Schutz der Herde. Ihre Ergebnisse könnten auch auf das Gruppenverhalten von Menschen angewendet werden, glauben die Forscher – zum Beispiel in brennenden Gebäuden.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnerinhalte