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News: Schalter im Hirn

Eines der am schwierigsten zu verstehenden Organe ist unser Gehirn. Erkrankt es, verschreiben Ärzte oft Chemotherapeutika. Über deren Wirkung wissen sie jedoch in der Regel fast nichts. Amerikanische Wissenschaftler fanden jetzt Hinweise, warum Antidepressiva bei manchen Patienten helfen, bei anderen jedoch nicht.
Klinische Depression hat mit Niedergeschlagenheit oder Unlustgefühlen, die wohl jeder kennt, nichts zu tun. Es handelt sich um eine schwere, durch Selbstmordgedanken mitunter sogar lebensbedrohliche Krankheit. Als wirksames Medikament hat sich das Antidepressivum Fluoxetin, das unter den Handelsnamen Prozac vertrieben wird, bewährt. Manche Patienten sprechen jedoch auf das Mittel nicht an.

Wissenschaftler des Health Science Centre der University of Texas in San Antonio haben jetzt die Wirkung von Prozac näher erforscht (Biological Psychiatry vom 15. Oktober 2000). Zehn Patienten mit schweren Depressionen erhielten das Medikament, während fünf nur mit einem Scheinmedikament, einem Placebo, behandelt wurden. Bei vier der zehn Patienten sprach das Medikament nach sechs Wochen an.

Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie suchten die Wissenschaftler nach Unterschieden im Gehirn ihrer Versuchspersonen. Diese Methode erlaubt, Stoffwechselaktivitäten des Gehirnes genau zu lokalisieren. Beide Patientengruppen – also auch die, die kein Prozac erhalten hatten – zeigten erhöhte Stoffwechselraten sowohl im limbischen System des Gehirns – dem die Kontrolle über die Gefühle zugeordnet wird –, als auch in corticalen Regionen, die den Verstand steuern. Die Patienten, bei denen das Medikament half, zeigten jedoch anschließend einen Rückgang der Stoffwechselaktivitäten in zwei Hirnregionen des limbischen Systems – im Gyrus cinguli und im Hippocampus. Offensichtlich verursacht Prozac ein Abschalten dieser Hirnregionen. Das Medikament wirkt damit als "Schalter", der das Gehirn wieder in sein gesundes Gleichgewicht zurück führt. Versagt der "Schalter", dann bleiben die Depressionen erhalten.

Helen Mayberg, die Leiterin der Arbeitsgruppe, sieht in ihren Ergebnissen eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen: "Nachdem wir jetzt eine klare Ereigniskette im Gehirn von Patienten, die auf bestimmte Antidepressiva ansprechen, gefunden haben, können wir sowohl andere Medikamente als auch andere Therapien daraufhin untersuchen. Mit diesem Wissen haben wir eine Grundlage für die Erforschung neuer Strategien – einschließlich aggressiverer Behandlungsmethoden – die diese Kette für alle Patienten früher in Gang setzt."

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