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Sportpsychologie: Schiedsrichter bevorteilen Heimmannschaften

Vorteil HeimmannschaftLaden...
Was viele Fußballfans schon immer ahnten, wird nun von einer britischen Studie bestätigt: Schiedsrichter tendieren dazu, in kritischen Situationen eher die Heimmannschaft zu begünstigen – vor allem, wenn es sich dabei um Favoriten handelt.

Nach der Analyse von mehr als 2600 Begegnungen der britischen Premier League (sie entspricht der ersten Bundesliga in Deutschland) aus der Jahren 1996 bis 2003 mussten die Statistiker um Peter Dawson von der Universität Bath notieren, dass die vermeintlich Unparteiischen beispielsweise gelbe und rote Karten eher gegen die Auswärtsteams verhängten – unabhängig von der Wichtigkeit des Spiels oder der beiwohnenden Zuschauerzahl. Spielten zudem Durchschnitts- gegen Spitzenmannschaften, so mussten die grauen Mäuse eher Strafen hinnehmen als die Edelkicker.

Die Forscher stellten ebenso fest, dass im Verlauf der Spielzeit die Zahl der Verwarnungen vor allem zum Saisonende hin stark zunimmt, wenn es für die beteiligten Vereine noch um etwas geht. Ins Kalkül zogen sie auch, dass die Heimmannschaften vor großen Zuschaueransammlungen aggressiver spielten als in kärglich besuchten Arenen, was ihnen auch mehr Karten bescherte, doch im Schnitt immer noch weniger als den Gästen. Keinen Einfluss auf die Strafmaßnahmen oder das Verhalten der 22 Spieler hatten dagegen Fernsehübertragungen.

Die Forscher beobachteten allerdings auch einen Lerneffekt bei den Mannschaften: Nach der Einführung der stets zu verhängenden Roten Karte bei einem Angriff von hinten mit dem gestreckten Bein, der so genannten Blutgrätsche, nahm die Zahl der entsprechenden Platzverweise zuerst rapide zu, sank dann aber im Saisonverlauf, weil sie von den Fußballern zunehmend vermieden wurde. Deshalb plädieren die Statistiker für die Einführung des Videobeweises oder eines zweiten Unparteiischen auf dem Feld, da dann auch versteckte Foulspiele eher erkannt und geahndet werden. Im Endeffekt steigert dies dann die Fairness des Spiels. (dl)
01.11.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01.11.2006

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