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News: Schillernde Partnersuche

Das wechselhafte Licht und die bunten Farben des tropischen Regenwaldes machen es einem Schmetterling gar nicht leicht, den richtigen Partner zu finden. Eine Art hat deshalb offenbar ein spezielles optisches Erkennungsmerkmal entwickelt.
Heliconius cydno
Menschen, die schon einmal in geringer Höhe über die Baumwipfel eines tropischen Regenwaldes geflogen sind, berichten häufig über blaue Lichtblitze, die sich deutlich vom Blattwerk der Vegetation abheben. Schmetterlinge sind für dieses Lichterspiel verantwortlich. Denn an den Schuppen ihrer Flügel wird das Sonnenlicht gestreut und in schillernden Farben zurückgeworfen.

Dabei sorgen die bis zu zwanzig Lagen transparenter Schuppen nicht nur für brillante Farbschattierungen, manche Art streut das Licht sogar polarisiert zurück, das heißt, das elektrische und magnetische Feld der Lichtwellen schwingt nur in einer ganz bestimmten Ebene. Unser Auge kann die Polarisation von Licht nicht erkennen, wohl aber das von Heliconius cydno.

Und die Männchen der Schmetterlingsart scheinen geradezu Ausschau nach den verräterischen Blitzen zu halten, verheißen sie doch eine potenzielle Partnerin. Das zumindest fanden nun Alison Sweeney und Sönke Johnsen von der Duke University im amerikanischen Durham zusammen mit ihrem Kollegen Christopher Jiggins von der University of Edinburgh heraus.

Dazu befestigten die Wissenschaftler je ein Flügelpaar eines Weibchens von H. cydno chineus und je eines von H. melpomene melleti unter zwei verschiedenartigen Filtern. Der eine Filter sorgte dafür, dass die Polarisation des gestreuten Lichts verschwand, beließ die Farbe der Flügel aber naturgetreu. Der zweite Filter – unter anderem farbloses Glas – diente der Kontrolle und veränderte weder Polarisation noch Farbe.

Die Forscher beobachteten nun, welches Interesse vorbeifliegende Männchen den künstlich bewegten Flügeln entgegenbrachten. Wie sich zeigte, ließ sich H. melpomene melleti, dessen Weibchen keine polarisierenden Flügel trägt, nicht durch irgendwelche Filter beeindrucken. Polarisiert oder nicht – das war dem Schmetterling völlig einerlei. Ganz anders bei H. cydno chineus. Er startete deutlich häufiger Annäherungsversuche, wenn die freie Sicht auf sein Weibchen nicht durch einen depolarisierenden Filter verstellt war.

Die Forscher spekulieren, dass die Ausschau nach polarisiertem Licht Heliconius cydno in seinem Habitat einen entscheidenden Vorteil bringt. Denn schließlich verfälscht das schummrige Licht in den tiefen Winkeln des Tropenwaldes das schillernde Blau der Flügel. Die Polarisationsmuster auf den Flügeln lassen sich jedoch auch unter schwierigen Bedingungen erkennen und bringen den Schmetterling sicher zu seinem Weibchen.

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