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Alzheimerdemenz

Schimpansen entwickeln Alzheimerdemenz-Symptome

Im Gehirn von Schimpansen entdeckten Forscher verdächtige Plaques und Proteinklumpen - Hinweise auf eine Affenvariante der alzheimerschen Erkrankung?
Porträt eines männlichen Schimpansen

Im Gehirn von manchen alten Schimpansen könnten ähnliche Vorgänge wie in dem von menschlichen Alzheimerpatienten ablaufen. Dies vermuten Forscher nach einer Untersuchung der Hirne von 20 Tieren, die im Alter von 37 bis 62 Jahren gestorben waren. Die Wissenschaftler stießen dabei im Hippocampus von vier Tieren auf Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen, die ein Kennzeichen der Alzheimerdemenz beim Menschen sind. Zudem fanden sich bei allen untersuchten Tieren Vorläuferstadien typischer Veränderungen, die beim Menschen der Erkrankung vorausgehen. Bisher hatten Wissenschaftler vermutet, dass die Alzheimerdemenz mit ihren charakteristischen molekularbiologischen Veränderungen im Nervensystem ein nur beim Menschen vorkommendes Phänomen ist. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Mensch- und Schimpansen-Varianten der Vorgänge könnten vielleicht der Demenzforschung und -behandlung neue Impulse liefern.

Die Forscher weisen in ihrer Veröffentlichung im Fachblatt "Neurobiology of Aging" allerdings auch auf deutliche Unterschiede zwischen ihren Befunden und der Alzheimerdemenz des Menschen hin. So sind beim Affen zum Beispiel keine typischen Verhaltensänderungen bekannt, die einer Demenz ähneln würden; die 20 untersuchten Exemplare sind diesbezüglich nie standardisierten Tests unterzogen worden. Auch seien die Aminosäuresequenzen der Amyloid-Plaques und Tau-Proteine zwar bei Mensch und Schimpanse identisch, in den Untersuchungen hätte sich aber gezeigt, dass die Beta-Amyloid-Proteinplaques, die sich bei Alzheimerpatienten zwischen den Neuronen ansammeln, bei Schimpansen oft in die Blutgefäße wandern. Vielleicht bilden sich die Klumpen daher auch auf andere Weise.

Womöglich spielen in diesem Zusammenhang die Unterschiede der APO-E-Proteinwerkzeug-Varianten ebenfalls eine Rolle, die das Zerschneiden von Proteinplaques übernehmen: Bestimmte Formen der Proteinschere, die nur beim Menschen vorkommen, begünstigen die Krankheit. Diese Varianten fehlen dem Schimpansen, könnten sich beim Menschen aber gehalten haben, weil sie andere Vorteile bringen, beispielsweise den Schutz vor Parasiten.

In den nächsten Schritten möchten die Forscher nun im Gehirn von Schimpansen nach weiteren Auffälligkeiten suchen – etwa Entzündungsreaktionen oder dem schleichenden Verlust von Neuronen –, die beim Menschen mit Alzheimerdemenz auftreten.

31/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31/2017

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