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Kommunikation: Schimpansen warnen einander nur bei Bedarf

SchimpanseLaden...

Jede Kommunikation wird effizienter, wenn dem Redner vor seiner Ansprache klar ist, was der Zuhörer ohnehin schon verstanden hat. Und das gilt auch für Schimpansen, meinen Klaus Zuberbühler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und seine Kollegen: Ihre Experimente belegen, dass die Menschenaffen einen Artgenossen nur dann über einen Sachverhalt informieren, wenn der nicht ohnehin schon Bescheid weiß.

Schimpanse warnt ahnungslosen Artgenossen
Das Schimpansenmännchen Kato erschrickt vor einer Schlangenattrappe am Wegrand. Er stößt Warnlaute aus – und steigert seine Lautstärke, als er sich in Richtung des nachfolgenden Männchens Nick umdreht, der die vermeintliche Gefahr noch nicht bemerkt hat. Nick hält daraufhin an und umgeht den gefährlichen Engpass schließlich (nicht mehr im Video) querfeldein.

Dies zeigen Videobeobachtungen einer Gruppe von 33 Schimpansen im Budongo-Wald in Uganda, denen die Wissenschaftler absichtlich einen Schreck einjagten: Sie platzierten ab und an täuschend echt aussehende Attrappen von Giftschlangen im Revier der Tiere und filmten die Reaktionen der Schimpansen. Schlangen wie die Gabunviper oder die Nashornviper lauern in freier Wildbahn gerne wochenlang an ein und derselben Stelle und gehören zu den größten Bedrohungen der Affen. Finden Schimpansen eine solche Schlange, so informieren sie ihre Artgenossen mit Warnrufen über die lauernde Gefahr.

Informierte Schimpansen müssen nicht mehr gewarnt werden
Hier stolpert das unaufmerksame Männchen Squibbs fast über eine Schlange auf seinem Pfad, erschrickt und stößt in sechs Sekunden fünf Warnrufe aus. Hinter ihm folgt – etwa 12 Sekunden später – das Weibchen Kutu und schließlich ihre Jungen Kana und Kathy. Sie hat die Attrappe selbst nicht gesehen, weiß aber nach den Warnrufen, wo die Gefahr lauert und umgeht die Stelle seitlich durch das Unterholz. Einen Warnruf an ihre Jungen unterlässt sie – weil, so die Interpretation der Forscher, sie Kana und Kathy ebenfalls schon durch die Rufe von Squibbs informiert sieht. Kana sieht die Plastikschlange offenbar, folgt ihrer Mutter aber ebenfalls ohne Warnruf.

Dabei achten sie aber ganz offensichtlich darauf, wer die Rufe hören kann und ob dieser Affe bereits über die geortete Schlange informiert ist, schließen Zuberbühler und Kollegen aus den Videoaufnahmen. Darin warnen verschiedene Affen andere Artgenossen selektiv nur dann eindringlich, wenn sie annehmen müssen, dass diese die Bedrohung noch nicht wahrgenommen haben. Demnach müssen sich die Schimpansen in gewisser Weise in ihr Gegenüber hineinversetzen können: Sie wissen, wann sie etwas wissen, was der andere noch nicht wissen kann, und reagieren entsprechend. Diese Fähigkeit – fehlende Informationen anderer Gruppenmitglieder zu erkennen und sie bei Bedarf bereitzustellen – sehen einige Wissenschaftler als wichtigen Schritt während der Evolution von Sprache.

1. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 1. KW 2012

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