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News: Schizophrene Beziehungen

Schizophrenien sind anscheinend die Folgen eines Fehlers bei der Gehirnentwicklung - nicht, wie früher angenommen, die Folge einer schwierigen Kindheit. Tatsächlich könnten sie eine Entwicklungskrankheit sein, die schon bei Kindern präsent ist, obwohl sich die Symptome erst im Erwachsenenalter manifestieren.

Schizophrenie wird normalerweise bei Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren diagnostiziert, obwohl sie mitunter auch bei Kindern unter 12 Jahren auftritt. Die Form der Krankheit, die schon im Kindesalter beginnt, ähnelt der "erwachsenen" Form in vielerlei Hinsicht, verläuft aber wesentlich schwerer. Schizophrene Erwachsene und Kinder haben die gleichen kognitiven, motorischen und Verhaltensstörungen. Untersuchungen mit Hilfe der Kernspinresonanztomographie (MRI) weisen bei beiden Formen auf Abnormalitäten in bestimmten Regionen des Gehirns hin. Diese Entdeckungen lassen darauf schließen, daß der Schizophrenie eine Entwicklungsstörung zugrundeliegen könnte, bei der schon zur Zeit der Geburt Gehirnanomalien vorliegen. Im allgemeinen sind die Symptome der Krankheit allerdings in der Kindheit nicht schwer genug, um als solche erkannt zu werden.

Peg Nopoulus von der University of Iowa und ihre Kollegen untersuchten diese Hypothese mit Hilfe der MRI an den Gehirnen von 24 Patienten mit der frühen Kindheitsform der Schizophrenie (American Journal of Psychiatry vom August 1998). Die Wissenschaftler konzentrierten ihre Studien auf das Cavum Septi Pellucidi (CSP) im Gehirn. Ein vergrößertes CSP wird mit bestimmten Formen geistiger Retardierung in Zusammenhang gebracht und findet sich bei zwölf Prozent der Schizophrenien im Erwachsenenalter. Die biologische Wichtigkeit liegt darin, daß ein vergrößertes CSP als Marker für Anomalien der Gehirnentwicklung dienen kann.

Das CSP ist ein kleiner, flüssigkeitsgefüllter Hohlraum in dem Gewebe, das die lateralen Ventrikel trennt, zwei Flüssigkeitskörper im Gehirn. In der frühen Embryonalentwicklung beginnt es als einlagiges Gewebe, spaltet sich aber bald in zwei Lagen. Kurz vor der Geburt fusionieren diese wieder. Bei einigen Schizophrenie-Patienten verbinden sie sich allerdings nicht vollständig, das CSP dieser Personen ist größer als normal.

Schizophrene haben immer kognitive Defizite, wie Probleme beim Lernen, mit dem Gedächtnis, dem Organisationsvermögen und anderen intellektuellen Fähigkeiten, erklärt Nopoulus. Die CSP-Entwicklung könnte mit diesen kognitiven Defiziten in Zusammenhang stehen: Patienten, bei denen das CSP vergrößert ist, haben stärkere kognitive Störungen als Schizophrene mit normal entwickeltem CSP, erläutert die Wissenschaftlerin weiter.

Nopoulus fand heraus, daß bei zwölf Prozent der Patienten mit kindlicher Schizophrenie das CSP vergrößert war – ungefähr der gleiche Prozentsatz wie bei den Kranken, bei denen die Störung erst im Erwachsenenalter auftritt. Allerdings waren die CSPs bei der frühen Form größer als bei der späten, was auf eine schwerere Anomalität hindeutet. Das Ergebnis läßt darauf schließen, daß beide Formen der Schizophrenie verschieden schwere Ausprägungen der gleichen Krankheit sind.

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