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Neuropsychologie: Schlafentzug stört den Erinnerungsvorgang

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Schlafentzug lässt nicht etwa falsche Erinnerungen im Gehirn entstehen, sondern stört nur den Erinnerungsabruf. Zu dieser Erklärung für ein durch Schlafmangel verfälschtes Gedächtnis kommen Susanne Diekelmann und ihre Kollegen an der Universität Lübeck.

In ihrem Versuch zeigte sich, dass Testpersonen, die eine Nacht lang nicht geschlafen hatten, mehr falsche Erinnerungen produzierten als die ungestörte Vergleichsgruppe. Eine Liste von Worten, die sich beide Gruppen am Abend hatten einprägen müssen, wurde von Teilnehmern aus der schlafenden Gruppe am nächsten Morgen deutlich zuverlässiger rekonstruiert. Die müden Probanden vermeinten häufiger, sich an Worte zu erinnern, die gar nicht auf der abendlichen Liste gestanden hatten. Ließ man die müden Teilnehmer jedoch in der folgenden Nacht schlafen und befragte sie erst danach, so konnten sie sich ebenso exakt erinnern wie die Vergleichsgruppe, die gleich geschlafen hatte.

Diekelmann und Kollegen ziehen daraus den Schluss, dass durch den Schlafmangel nicht etwa veränderte Hirnstrukturen, also falsche Erinnerungen, entstanden sind, sondern allein der Abruf im müden Gehirn gestört ist. Holt man den versäumten Schlaf nach, so funktioniert das Erinnerungsvermögen wie bei Vergleichspersonen ohne Schlafmangel.

Es zeigte sich ferner, dass Kaffee die Gedächtnisleistung im müden Gehirn immerhin um zehn Prozent verbessern kann. Das Team erklärt das damit, dass Koffein den präfrontalen Kortex beeinflusst, einen Bereich, der auf Schlafentzug reagiert und bei falschen Erinnerungen eine entscheidende Rolle spielt.
16.07.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16.07.2008

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  • Quellen
Diekelmann, S. et al.: Sleep deprivation produces false memories. Federation of European Neuroscience Societies Forum, Genf (12.-16.7. 2008).

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