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Schlafhormon: Melatonin scheint gegen Schmerzen zu wirken

Melatonin ist auch als Schlafhormon bekannt. Manche Menschen mit Schlafproblemen schwören deshalb auf Melatoninpräparate. Eine neue Analyse zeigt: Die Einnahme könnte zudem leichte Schmerzen lindern.
Eine Person sitzt auf einem Bett und hält sich den unteren Rücken, als ob sie Schmerzen hat. Im Hintergrund sind Pflanzen und ein grüner Wandbereich zu sehen. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Unbehagen und möglicherweise Rückenschmerzen.
Melatonin ist ein Hormon, das den Schlaf-wach-Zyklus reguliert. In Form von Kapseln, Tabletten oder Pflaster soll es als sanfte Einschlafhilfe für Menschen mit Schlafproblemen dienen. Könnte der Wirkstoff womöglich auch bei Schmerzen helfen?

Melatonin könnte Menschen nicht nur bei Schlafproblemen helfen, sondern auch Schmerzen lindern. Eine Übersichtsstudie zeigt: Das sogenannte Schlafhormon kann bei chronischen Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Arthrose die Schmerzwerte messbar senken. Die Effekte sind allerdings begrenzt. Dennoch könnte Melatonin gängige Schmerzmittel ergänzen – vor allem bei Menschen mit Schlafstörungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsgruppe um Kangchao Wu von der University of Sydney.

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon aus der Zirbeldrüse, das als Signalgeber für den Tag‑Nacht‑Rhythmus dient. Um herauszufinden, ob es darüber hinaus Schmerzen lindern kann, haben die Forscher 23 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2028 Teilnehmenden ausgewertet. Darunter waren Menschen mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen wie Arthrose, Rückenschmerzen und Fibromyalgie, aber auch Patienten mit Schmerzen nach orthopädischen Operationen. Meist nahmen die Probanden Melatonin als Tablette ein, in einer Studie kam ein Pflaster zum Einsatz. Die Dosierung lag bei ein bis zehn Milligramm Melatonin pro Tag, über Zeiträume von wenigen Tagen bis zu drei Monaten.

Bei den chronischen Beschwerden zeigte sich ein messbarer Effekt: Die Schmerzwerte sanken im Durchschnitt um etwa neun Punkte auf einer Skala von 0 bis 100, wenn man alle Vergleichsgruppen zusammen betrachtet. Im direkten Vergleich mit einem Placebo war der Unterschied zunächst jedoch nicht statistisch signifikant. Wurden nur methodisch besonders zuverlässige Studien berücksichtigt, ergab sich aber ein signifikanter Vorteil von rund zehn Punkten gegenüber Placebo. Allerdings liegt auch dieser Effekt nur knapp an der Schwelle, ab der Betroffene üblicherweise eine spürbare Besserung wahrnehmen. Für Schmerzen nach Operationen fiel der Effekt deutlich schwächer aus. Zwar zeigten sich verglichen mit einem Placebo kleine, statistisch signifikante Unterschiede, die jedoch klinisch vermutlich wenig relevant sind.

Parallel verbesserte sich der Schlaf bei den Studienteilnehmern. Die Schlafqualität stieg im Schnitt um rund elf Punkte auf einer Skala von 0 bis 100. Das passt zu einem bekannten Zusammenhang: Schlechter Schlaf verstärkt Schmerzen – und umgekehrt. Es traten zwar Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel auf, aber sie waren meist mild und vorübergehend. 

Laut den Autoren entsprechen die Effekte in etwa der Wirkung mancher Schmerzmittel. Trotzdem blieben sie häufig unter der Schwelle, ab der Betroffene eine deutliche Besserung spüren. Zudem ist die Studienlage von niedriger bis mittelmäßiger Qualität. Offen bleibt vor allem, welche Patientengruppen womöglich besonders profitieren und wie stark der verbesserte Schlaf zur Schmerzlinderung beiträgt.

  • Quellen

Wu, K. et al., Pain 10.1097/j.pain.0000000000004045

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