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Evolution: Schlange tötet mit zweierlei Gift

Eine schwefelgelbe Baumnatter aus Amazonien ist hübsch anzusehen. Doch ihre Zähne bargen ein tödliches Geheimnis: unterschiedliche Gifte für unterschiedliche Beute.
Spilotes sulphurous

Die südamerikanische Baumnatter Spilotes sulphurous jagt hoch im Geäst des Amazonasregenwaldes nach Säugetieren, Vögeln und kleinen Reptilien – was kein leichtes Unterfangen ist: Die Beute kann nach einem Biss jederzeit abstürzen. Viele Schlangenarten aus dem Kronenraum setzen daher auf ein hoch potentes Gift, das Opfer sehr schnell tötet, so dass sie nicht mehr (weit) fliehen können. Oder aber sie erwürgen die Beute. Spilotes sulphurous fehlt es jedoch an ausreichender Muskelkraft, um ihre Nahrung zu töten; zudem galt sie bislang als ungiftig. Stattdessen packte die Schlange ihre Beute mit den Fängen und presste sie anschließend gegen einen Ast, um sie dadurch zu ersticken. Tatsächlich setzt die Art jedoch Gift ein – und zwar je nach Beutetyp ein unterschiedliches, wie Stephen Mackessy und sein Team in den »Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences« schreiben.

Die Biologen hatten drei der bis zu drei Metern langen Tiere gefangen und sie dann »gemolken«, um an das Gift zu kommen. Die Analyse erbrachte dann zu ihrer Überraschung nicht nur eine Substanz, sondern gleich zwei, die sie an Mäusen und Geckos im Labor testeten. Das Sulditoxin erwies sich als tödlich für Vögel und Reptilien, aber harmlos für Säuger: Selbst wenn den Mäusen eine 22-mal höhere Dosis verabreicht wurde, als die Schlange injizieren könnte, überlebten die Tiere. Dagegen verstarben sie schnell, als ihnen die Wissenschaftler das alternative Gift Sulmotoxin 1 verabreichten – während Vögel und Echsen dann ungeschoren davonkamen. Viele Schlangen produzieren spezifische Gifte für ihre Beute, doch Spilotes sulphurous ist der erste bekannte Fall, bei dem eine Art gleich zwei unterschiedliche Wirkstoffe herstellt.

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