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News: Schlichtheit lohnt - zumindest an der Börse

Der Philosoph Volksmund weiß es wieder mal am Besten: "Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln". Die Max-Planck-Gesellschaft kann dieses Sprichwort jetzt anhand einer neuen Studie belegen. Danach lohnt es sich nämlich nicht unbedingt, im Börsengeschäft mit viel Fachkompetenz und Wissen auf die Aktien-Charts zu blicken. Denn die Erfolg versprechendsten Papiere kennen anscheinend nicht die Insider, sondern der Laie auf der Straße.
Mit aufwendigen Analysen und komplizierten Theorien wollen Börsenbroker ihre Gewinne maximieren. Die Mühe zahlt sich nicht unbedingt aus, haben jetzt Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin herausgefunden. Sie fragten Passanten in München und Chicago nach den vielversprechendsten Titeln und mussten feststellen, dass die Laien besser lagen als die Börsenspezialisten.

"Ignoranz zahlt sich aus", so fassen die Bildungsforscher ihre erstaunlichen Ergebnisse zusammen. In den meisten Fällen übertrafen die Gewinne der Laien-Portfolios die der Profis deutlich. Dabei wählten die Befragten einfach die ihnen bekanntesten Namen, ohne sich um Performance, Kurs-Gewinn-Verhältnis und desgleichen zu scheren. "Wähle, was du kennst", lautet demnach die erste und wichtigste heuristische Regel, welche die Berliner Wissenschaftler aus der "einfachen Rekognitionsheuristik" ableiten. So bezeichnen sie das von Unwissenheit und Schlichtheit geprägte Denken.

Das Prinzip des schlichten Denkens funktioniert natürlich auch fernab des Börsenparketts. Vor die Wahl gestellt zwischen zwei Objekten, wählen die Meisten das bekanntere. Haben sie nur wenig Zeit zum Überlegen, ziehen sie ein nahe liegendes Kriterium zur Überlegung heran. Bei der Frage, welche von zwei Firmen die erfolgreichere ist, könnte beispielsweise die Mitarbeiterzahl die Entscheidung lenken. In der Regel führt auch das zu Rate ziehen eines zusätzlichen Merkmals zum Erfolg. Aber: "Minimiere die Kriterienzahl für die Entscheidung", rät das zweite Gesetz. Langwierige und umständliche Abwägungen sind ohnehin luxuriöse Randerscheinungen unserer Kultur, die das Leben nur verkomplizieren.

Unter Zeitdruck wählen wir sowieso – wie Regel Nummer drei empfiehlt –, was sich schon beim letzten Mal bewährt hat oder notfalls eine vergleichbare Variante. Und daran schließt Regel Nummer vier an: "Konzentriere dich bei der Entscheidung auf das wesentliche Merkmal".

Aus begrenzten Informationen lassen sich also vernünftige Entscheidungen ableiten, die für den Alltagsgebrauch allemal ausreichen. "Aber diese Scheuklappen-Denkweise führt nicht immer zum Erfolg", so warnen die Max-Planck-Forscher. Sie empfehlen eine gesunde Mischung aus schlichtem Denken und aufwendiger Entscheidungsfindung. Und schließlich werden unsere Entschlüsse auch noch durch weitere Faktoren beeinflusst: Unserem Gewissen, von Gefühlen und von unreflektierten Reaktionen.

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