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Hundebesitzer-Studie: Erkennen Sie, ob Ihr Hund Schmerzen hat?

Wenn der Vierbeiner fiept, jault und humpelt, dann ist klar: Der hat Schmerzen! Aber die subtileren Anzeichen für körperliche Beschwerden, die oft am Anfang einer chronischen Erkrankung stehen, bemerken viele Hundehalter nicht.
Ein Hund liegt auf einem Holzboden, eingewickelt in eine blaue Decke. Auf seinem Kopf befindet sich ein Eisbeutel. Der Hund wirkt entspannt und ruht sich aus.
Selbst erfahrenere Hundebesitzer brauchen vermutlich Nachhilfe, wenn sie wenig bekannte Anzeichen für Schmerzen einordnen müssen.

Natürlich wollen wir wissen, ob es der geliebten Fellnase gut geht. Nur leider sieht man einem Tier seine Schmerzen nicht immer gleich an. Oft beginnen Erkrankungen mit leichterem Unwohlsein und verschlimmern sich, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird. Hundehalter mögen glauben, dass sie auch subtile Schmerzsignale beim Vierbeiner erkennen, jedenfalls besser als Menschen, die keinen Hund besitzen. Doch das ist nicht unbedingt der Fall, wie eine Studie an der Universität Utrecht jetzt zeigte.

Ein Team um Silvia Gardeweg und Ineke van Herwijnen hatte 530 Hundebesitzern sowie 117 Personen ohne Hund Fragebögen vorgelegt, auf denen sie einschätzen sollten, wie wahrscheinlich bestimmte Auffälligkeiten mit Schmerzen und Missempfindungen beim Hund verknüpft sind. Zum Einsatz kam eine Liste mit 17 subtilen Hinweisen, die eine Gruppe um den britischen Forscher und Tierarzt Daniel Mills bereits 2024 identifiziert hatte.

17 Anzeichen für Schmerzen oder Missempfindungen beim Hund

Folgende Hinweise sollten die Studienteilnehmer einschätzen:

  1. Veränderung der Persönlichkeit
  2. zögerliches Anheben der Pfote
  3. schwankende Stimmung
  4. vermindertes Spielverhalten
  5. vermehrtes Kratzen
  6. Veränderungen des Fells
  7. verändertes Erscheinungsbild
  8. vermehrte Fellpflege
  9. Abwenden von Kopf oder Körper
  10. vermehrtes Blinzeln
  11. Lecken der Luft
  12. Erstarren
  13. Lecken von Oberflächen
  14. Lippenlecken
  15. Nasenlecken
  16. Gähnen
  17. Schnüffeln in der Luft

Hundebesitzer hielten das »Abwenden des Kopfes oder Körpers« und zeitweiliges Erstarren (»Freezing«) seltener als hundelose Menschen für wahrscheinliche Schmerzanzeichen. Möglicherweise interpretieren sie ein solches Verhalten eher als Stress- oder Angstsymptom, vermuten die Wissenschaftlerinnen. Dafür deuteten sie es öfter korrekt als Anzeichen für Unwohlsein, wenn ein Hund immer wieder Oberflächen ableckt. Tatsächlich gilt das als ein Hinweis auf Probleme im Magen-Darm-Bereich.

Im zweiten Teil der Studie schilderten die Forscherinnen den Fall eines Hundes mit schmerzhaft verrenkter Kniescheibe (Patellaluxation), was die Befragten natürlich nicht wussten. 

Das bedauernswerte Tier hob das betroffene Bein, hüpfte auf drei Beinen, vermied es, aufs Sofa zu springen, und verzog sich stattdessen in den Hundekorb. 97 Prozent der Hundebesitzer erkannten, dass das Tier Schmerzen hatte, und waren damit noch ein bisschen besser als Vergleichspersonen (92 Prozent).

Ein zweiter Hund litt dagegen an einer Knochenentzündung (Panosteitis) und zeigte nur leichtes Schmerzverhalten. Beispielsweise verhielt er sich anhänglicher als sonst, lief den Besitzern ständig hinterher und rollte sich zum Schlafen nicht wie sonst zusammen, sondern rannte nachts umher. Nur rund die Hälfte der Hundehalter hielten Schmerzen für »sehr wahrscheinlich«. Damit schnitten sie genauso schlecht ab wie Personen ohne Hund.

Subtiles Schmerzverhalten im Fallbeispiel

  1. anhänglicher als sonst
  2. folgt erwachsenen Familienmitgliedern (auf Schritt und Tritt)
  3. nächtliche Unruhe
  4. liegt nicht mehr zusammengerollt
  5. Spaziergänge fallen kürzer aus

Menschen, die bereits durch einen Unfall, eine Erkrankung oder eine medizinische Behandlung selbst anhaltende Schmerzen erlebt hatten, stuften einige mögliche Warnsignale wie Persönlichkeitsveränderungen oder häufiges Blinzeln eher als relevant ein. Damit scheint die Erfahrung »am eigenen Leib« dabei zu helfen, die subtilen Anzeichen für Unbehagen beim Hund zu erkennen. Aber auch dank spezieller Schulungen können Hundebesitzer ihren Schmerzradar rasch verbessern.

  • Quellen
Gardeweg, S.M.A. et al., PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0344512, 2026

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