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Genetik: Schnabeltier besitzt fünf Paar Geschlechtschromosomen

Das urtümliche Schnabeltier (Ornithorhynchus anatina) beschränkt sich nicht auf zwei Geschlechtschromosomen wie die meisten Säugetiere, sondern besitzt deren zehn. Auch hier zeigen Männchen einen Mix aus – jeweils fünf – X- und Y-Chromosomen, während Weibchen nur X-Chromosomen aufweisen.

Damit bei der Bildung der Keimzellen alle Geschlechtschromosomen sauber aufgeteilt werden, bilden diese offenbar eine alternierende Kette, von der sie sich einzeln ablösen und in jene Zelle wandern, in der sich ihresgleichen sammelt. Frank Grützner von der Australischen Nationalen Universität in Canberra und seine Kollegen verfolgten das Geschehen, indem sie einzelne Chromosomen mit Fluoreszenzfarbstoffen markierten.

Die X-Chromosomen zeigen noch eine weitere Besonderheit: Sie sind nicht identisch, sondern unterscheiden sich in der Länge und im Aufbau. Dabei ähnelt das größte jenem der Menschen, das kleinste jedoch erinnert eher an das Z-Chromosom der Vögel, das dort die Geschlechtsdetermination übernimmt.

Vielleicht sei die Geschlechtsbestimmung bei Vögeln und Säugetieren doch enger verwandt als bislang angenommen, spekulieren die Grützner und seine Kollegen. Denn bisher gingen Forscher davon aus, dass sich das System unabhängig voneinander entwickelt hat, indem sich die jeweiligen Geschlechtschromosomen bei Vögeln und Säugetieren aus verschiedenen Autosomen gebildet hätten.

Die Eier legenden Schnabeltiere gehören zur ursprünglichsten Gruppe der Säugetiere, den Kloakentieren oder Monotremata. Die Gruppe entstand vor etwa 210 Millionen Jahren und umfasst heute nebem den Schnabeltieren, die in Australien und Tasmanien heimisch sind, noch die Schnabeligel (Tachyglossidae).
28.10.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28.10.2004

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