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Ausbreitungsstrategien: Schnecken überleben Darmpassage

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Für eine Schnecke ist die japanische Art Tornatellides boeningi außerordentlich beweglich: Obwohl sie klein und zerbrechlich wirkt, pflanzen sich ihre Angehörigen munter und bunt über die gesamte Insel Hahajima fort: Verglichen mit anderen Schneckenarten, deren Populationen mangels Mobilität meist recht isoliert und genetisch verarmt sind, weist ihr Erbgut über eine große Fläche hinweg einen großen Variantenreichtum auf. Nun haben die Biologen um Shinichiro Wada von der Tohoku-Universität einen Ansatzpunkt gefunden, warum sich die nur 2,5 Millimeter großen Schnecken kreuz und quer über das Eiland hinweg paaren können: Sie reisen im Darm von Vögeln und werden über die Ausscheidungsprodukte weit verbreitet.

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Japan-Brillenvogel | Diese kleinen Singvögel fressen auf der Insel Hahajima bevorzugt kleine Schnecken – von denen ein erklecklicher Teil die Prozedur überlebt und sich so ausbreitet.
Mindestens 15 Prozent der bevorzugt von Japan-Brillenvögeln (Zosterops japonicus) gefressenen Schnecken überleben nach Zählungen der Biologen die Passage durch den Verdauungstrakt: Weder die Salzsäure im Drüsenmagen noch der anschließende kräftige Muskelmagen oder die Reise durch den Darm können diesen Tieren etwas anhaben. Eine der im Labor probeweise verfütterten Schnecken gebar anschließend sogar Nachwuchs – die Art legt keine Eier, sondern bringt lebende Jungtiere zur Welt.

Damit konnten die Biologen erstmals nachweisen, dass Landschnecken Flugreisen im Vogeldarm antreten und in nennenswerter Zahl überleben. Bislang war eine ähnliche Ausbreitungsstrategie nur von Wasserschnecken bekannt, die von Fischen aufgenommen werden. Ob Tornatellides boeningi allerdings spezielle Anpassungsstrategien entwickelt hat, um die Tortur im Vogelleib zu überstehen – etwa säureresistentere Gehäuse –, wollen die Wissenschaftler in der nächsten Studie klären. (dl)
28. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28. KW 2011

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