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News: Schnell, gefährlich - und ausgestorben

Die Dinosaurier waren alles andere als langsame, behäbige Kreaturen. Sie vereinten vielmehr das energiesparende Ruheverhalten der Kaltblüter mit dem hocheffektiven Atmungsapparat der Säugetiere. An einem besonders gut erhaltenen Fossil entdeckten Wissenschaftler unter anderem Hinweise für ein Zwerchfell. Zusammen mit weiteren Merkmalen deutet dies auf einen heftigen Sauerstoffumsatz hin, der den Echsen schnelles Jagen ermöglichte. Zugleich spricht die Anatomie des Fossils gegen die Theorie, daß die heutigen Vögel von den Dinosaueriern abstammen.
Der Scipionyx war noch ein Baby, als er vor etwa 110 Millionen Jahren im seichten Wasser einer Salzwassermarsch ertrank. Was für den kleinen Fleischfresser eine Katastrophe war, betrachten Nicholas Geist und Terry Jones von der Oregon State University als Glücksfall. Der Körper des Dinosauriers wurde durch diese Umstände so gut konserviert, daß sogar ein Großteil der Eingeweide noch erkennbar ist. "Er ist sowas wie der Stein von Rosette für Paläontologen und liefert uns mehr Informationen, als wir bisher hatten."

Als besonders wichtig sehen die Forscher die klare Trennung der Körperhöhle in zwei Teile an. Eine Hälfte beherbergt die Lunge und das Herz, die andere Leber und Darm (Science vom 22. Januar 1999). Eine derartige Aufteilung ist nur bei den heute lebenden Tierarten bekannt, die ein Zwerchfell haben und damit aktiv die Ventilation der Lunge unterstützen. Säugetiere und Krokodile nutzen zum Beispiel so ein Atmungssystem.

Wie bei den Krokodilen und Alligatoren wurde bei dem Dinosaurier die Leber durch einen großen Muskel zurückgezogen, der an einem bestimmten Beckenknochen endete. So wirkte das Organ wie ein Kolben. Das erhöhte vermutlich nochmals die Fähigkeit, große Mengen Sauerstoff auszutauschen. Die damit verbundene hohe Aktivität machte den Scipionyx zu einem überlegenen Rivalen der damaligen Säugetiere. Allerdings fanden die Forscher keine für Warmblüter typische Nasenmuschel.

Die Analyse enthüllte das Bild eines Tieres mit den besten Eigenschaften aus zwei Welten, sagt Geist. Wie andere kaltblütige Organismen hatten diese Dinosaurier einen niedrigen metabolischen Ruheumsatz – eine ausgezeichnete Strategie zum Energiesparen. Aber die verbesserte Ventilationskapazität ihrer Lungen gab ihnen die Möglichkeit zu ausgedehnten, aggressiven Aktivitäten.

"Diese Art von Physiologie würde einige Stoffwechselvorteile mit sich bringen, wie sie kein heute lebendes Tier hat", sagt Jones. "Aber aus verschiedenen Gründen funktioniert das nur in warmen Klimaten, wie sie zu Zeiten der Dinosaurier fast auf der ganzen Welt vorherrschten. Sobald das Klima kühler wurde und sich stärkere saisonale Unterschiede entwickelten, wurde aus dem einstigen Vorteil der Dinosaurier ein Problem."

Sowohl die Lungen als auch weitere Strukturen des Dinosaurierfossils haben nur wenig Ähnlichkeit mit den Organen moderner Vögel. Darum sind die beiden Forscher der Ansicht, es sei unwahrscheinlich, daß die Vögel sich aus irgendeiner Gruppe von Dinosauriern entwickelt haben.

Unter den rezenten Tieren haben einzig Krokodile eine ähnlich aufgebaute Lunge. Doch diese Übereinstimmung könnte ein Überbleibsel sein, das eigentlich einem anderen Zweck gedient hatte. Prähistorische Krokodile waren nämlich leichter gebaut als ihre heutigen Vettern und konnten sich zum Laufen an Land aufrichten.

Das Bild vom trägen Dino muß also ersetzt werden durch die Vorstellung eines schnellen, gefährlichen Jägers. Geist drückt seine Vision so aus: "Wenn Sie in der Zeit zurückreisen und einen von denen sehen könnten, wäre dies vermutlich das letzte, was Sie jemals sehen."

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