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Paläontologie: Schnell trotz Gigantismus

Heutige Knochenfische sind meist eher klein. Doch das war nicht immer so, wie ein busgroßer Urzeitriese belegt. Und er war im Wasser durchaus agil.
Leedsichthys problematicus

An Leedsichthys problematicus schieden sich lange die Geister – was auch der Name problematicus ausdrückt. Paläontologen stritten darüber, wie lange diese Fische aus der Jurazeit werden konnten. Die Schätzungen reichten von kurzen 9 bis zu knapp 30 Metern; erst neuere Funde legten den Streit bei. Heute schätzen die Wissenschaftler, dass die Tiere ausgewachsen mehr als 16 Meter lang und 45 Tonnen schwer werden konnten. Das macht sie zu den längsten Fischen der Erdgeschichte, die man bislang kennt. Heute halten die Walhaie – ein Knorpelfisch – mit knapp 14 Metern den Rekord, bei den Knochenfischen liegen die Riemenfische mit 11 Metern vorne, doch sind beide deutlich leichter.

Rätselhaft ist auch, warum die heutigen Knochenfische allesamt kleiner und leichter sind. Eine These dafür lautet, dass ihre Stoffwechselrate wachstumshemmend sein könnte. Größere Tiere müssen dabei mit weniger Sauerstoff pro Gramm Körpergewebe auskommen können als kleinere. Und da Knochenfische einen schnelleren Stoffwechsel haben als Haie, sollte dies ihr Größenwachstum einschränken. Doch wie passt das auf Leedsichthys problematicus, der 20-mal schwerer war als Mondfische, die in der Gegenwart die Schwergewichte der Knochenfische stellen? Humberto Ferrón von der Universität Valencia und sein Team haben deshalb den Stoffwechselbedarf des Urzeitriesen neu berechnet und in »Palaeontology« vorgestellt. Als Grundlage nutzten sie Daten zum Energieumsatz moderner Fische.

Das Ergebnis hat die Forscher erstaunt. Denn Leedsichthys problematicus wäre nicht einfach nur so durch die Weltmeere gedümpelt, sondern er konnte einigermaßen schnell schwimmen. Selbst bei einem durchschnittlichen Tempo von knapp 18 Kilometern pro Stunde wäre sein Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgt worden. Die schnellsten Arten heute – Fächer- und Tunfische sowie Barrakudas – bringen es auch nur auf rund 30 Kilometer pro Stunde beim ausdauernden Schwimmen. Warum heute aber nichts mehr Vergleichbares wie Leedsichthys problematicus existiert, können Ferrón und Co damit nicht beantworten. Womöglich war alles nur ein dummer Zufall der Natur.

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