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News: Schnell wie ein Vogel

Dinosaurier galten lange nur als große Reptilien, doch es mehren sich die Hinweise, welche die "schrecklichen Echsen" in einem anderen Licht zeigen. Jetzt analysierten unabhängig voneinander zwei Arbeitsgruppen das Wachstum der Urzeit-Giganten. Beide kommen zum selben Ergebnis: Dinosaurier erreichten ihre Körpergröße wesentlich schneller als heutige Reptilien. Ihr Wachstum entspricht vielmehr dem der Vögel und Säuger.
Als Richard Owen 1842 den Namen "Dinosaurier" ("schreckliche Echsen") für ein paar rätselhafte Knochenfunde verschlug, war das Wissen über diese Tiere noch sehr begrenzt. Nach und nach offenbarten immer mehr Fossilfunde eine erstaunliche Artenfülle, die Herrscher des Erdmittelalters behielten jedoch lange ihren Ruf als träge, schwerfällige Reptilien. Inzwischen sehen die Wissenschaftler die Dinosaurier etwas differenzierter. Anzeichen für Brutpflege und kompliziertes Sozialverhalten zeigen sie in einem deutlich anderen Licht. Viele von ihnen waren wahrscheinlich äußerst rege und schnell, und etliche Paläontologen sind fest davon überzeugt, dass die Dinosaurier – im Gegensatz zu Reptilien – bereits ihre Körpertemperatur, wie Vögel und Säuger, über den Stoffwechsel regulieren konnten.

Auch wenn der Name "Dinosaurier" von Taxonomen heute nicht mehr verwendet wird, da die Tiere keine natürliche systematische Einheit bilden, bleibt ihre Zugehörigkeit zur Klasse der Reptilien unbestritten. Dabei ergibt sich jedoch ein Problem: Dinosaurier waren die größten Landtiere, die je auf der Erde lebten, Reptilien zeichnen sich jedoch durch ein äußerst langsames Wachstum aus. So hätte Apatosaurus – früher unter den Namen Brontosaurus bekannt – mehr als einhundert Jahre gebraucht, um seine Körperlänge von über 20 Metern und sein Gewicht von 30 Tonnen zu erreichen. Das dürfte auch für einen Dinosaurier eine ziemlich lange Zeit sein.

Zwei Arbeitsgruppen haben jetzt versucht, dem Körperwachstum der Dinosaurier näher auf den Grund zu gehen. Dabei interessierten sich Kevin Padian, Armand de Ricqlès und John Horner für die Geschwindigkeit des Längenwachstums [1], während Gregory Erickson, Kristina Curry Rogers und Scott Yerby den Massenzuwachs analysierten [2]. Die Dicke der Knochen lieferte die Information über das Körpergewicht der Dinosaurier, über die jährlichen Zuwachsringe konnten die Forscher das Alter der Tiere abschätzen.

Beide Arbeitsgruppen kommen zum selben Ergebnis: Manche Dinosaurier erreichten ihre Körpergröße wesentlich schneller, als das heutige Reptilien tun. So wuchs Maiasaura innerhalb weniger Jahre auf eine Körperlänge von sieben bis acht Metern an. Deinosuchus, ein Verwandter des Krokodils aus der Kreidezeit, brauchte dagegen für die gleiche Körperlänge 50 Jahre. Und Apatosaurus benötigte nicht einhundert, sondern nur 12 bis 20 Jahre, um seine gigantische Körpermasse zu erreichen. Diese Wachstumsgeschwindigkeit schafft heute nur der Blauwal, das bisher größte und am schnellsten wachsende Tier überhaupt. Auch die Dauer des Wachstums unterschied sich von der heutiger Reptilien: Während diese ihr ganzes Leben weiter wachsen, stellten die Dinosaurier ihren raschen Körperzuwachs nach Beendigung der Jugendphase ein.

Das Wachstum der Dinosaurier ähnelt damit dem der Säuger und erreicht fast das schnelle Wachstum der Vögel. Bei Vögeln und Säugern liegt jedoch die Wachstumsgeschwindigkeit der verschiedenen Arten in einer vergleichbaren Größenordnung. Bei den Dinosauriern gab es dagegen auch Arten, die sich etwas mehr Zeit nahmen. Und dies waren besonders die kleinen, wie zum Beispiel der nur wenige Gramm wiegende Shuvuuia deserti. Er schaffte nur die doppelte Wachstumsgeschwindigkeit von Reptilien vergleichbarer Größe.

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  • Quellen
[1] Nature 412: 405–408 (2001)
[2] Nature 412: 429–433 (2001)

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