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Sozialverhalten: Schnöder Mammon

Ein hoher gesellschaftlicher Status verführt zu unmoralischem Handeln.
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"Geld verdirbt den Charakter", lautet ein bekanntes Sprichwort. Forscher um Paul Piff von der University of Toronto haben nun herausgefunden, dass dieser Ausspruch durchaus einen wahren Kern enthalten könnte: Menschen von höherem gesellschaftlich Rang neigen tatsächlich eher zu unethischem Verhalten.

Zunächst wollten die Wissenschaftler wissen, welche Autofahrer häufiger zu kleinen Vergehen im Straßenverkehr bereit sind. Dazu beobachteten Piff und seine Kollegen, wie viele Fahrer an einer Kreuzung anderen die Vorfahrt nahmen oder an Fußgängerüberwegen nicht anhielten, wenn ein Passant die Straße überqueren wollte. Den sozialen Status des Fahrers ermittelten die Forscher über Automarke, Alter und Zustand des Fahrzeugs. Tatsächlich ignorierten Fahrer von teuren Autos am häufigsten die Verkehrsregeln.

Im Labor stellten die Wissenschaftler ihre Probanden anschließend vor die Wahl, sich an leckeren Süßigkeiten zu bedienen, die eigentlich für Kinder einer anderen Versuchsreihe vorgesehen waren. Auch hier griffen diejenigen Teilnehmer am meisten zu, die sich zuvor selbst eher als reich und wohlhabend eingeschätzt hatten. Ebenso neigten die sozial höhergestellten Probanden häufiger dazu, potenziellen Jobbewerbern zu verschweigen, dass ihre Arbeitsstelle bald abgebaut wird, oder beim Würfelspiel zu betrügen.

Ausschlaggebend für dieses Verhalten könnte nach Ansicht der Forscher vor allem eine stärker ausgeprägte Habgier von reichen Menschen sein. In anderen Experimenten konnten Piff und sein Team etwa feststellen, dass Menschen von niedrigem gesellschaftlichen Rang ebenfalls zu mehr unethischem Verhalten neigten, wenn sie sich vorher die positiven Seiten der Gier vergegenwärtigten.

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  • Quellen
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 10.1073/pnas.1118373109, 2012

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