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News: Schön symmetrisch?

Ausgeprägt männliches oder weibliches Aussehen und symmetrische Gesichtszüge gelten gleichermaßen als Anzeiger für besondere partnerschaftliche Qualitäten - hängen sie daher zusammen? Bisherige Studien sind sich uneins.
Was ist schön? Die Frage beschäftigt sicherlich jeden irgendwann einmal, sei es beim Blick in den Spiegel – vielleicht nicht unbedingt morgens –, sei es in der Diskussion über Hollywoodstars und -sternchen oder beim Begutachten der neuen Miss World in einem der sonst nie beachteten Boulevardmagazine, während man im Wartezimmer des Zahnarztes zittert.

Die Frage beschäftigt aber auch eine ganze Riege von Wissenschaftlern – schließlich dürften biologische Gründe zu finden sein, warum Mann oder Frau dieses oder jenes anziehend findet. Dahinter steckt, so zumindest die weit verbreitete Annahme, immer das Abschätzen, welche partnerschaftlichen Qualitäten das Gegenüber aufweisen kann: Aussehen also als Signal für Fortpflanzungseignung. Ganz einfach.

Alles andere als einfach aber ist die Erforschung, welche Merkmale denn nun "Schönheit" oder "Attraktivität" ausmachen, und warum gerade sie und nicht andere eine so entscheidende Rolle spielen. Wie drückt sich beispielsweise ein "männliches" Aussehen aus, das auf viele Frauen bekanntermaßen anziehend wirkt? Wie lässt sich der männliche bewundernde Blick auf eine weibliche Schönheit in forschungsverdauliche Zahlen packen?

Messen, lautet die Antwort: Augengröße, die Höhe der unteren Gesichtshälfte, das Hervorstehen der Wangenknochen, die Gesichtsbreite und die Höhe der Augenbrauen beispielsweise sind die Grundlage für einen "Maskulinitätsindex", den manche Forscher anwenden. Andere verwenden die Kinnlänge, Kieferbreite, Lippenbreite, Augenhöhe und Augenabstand dafür – mit dem Erfolg, das letztendlich die meisten Ergebnisse nicht zu vergleichen sind.

Auch Nicole Koehler von der University of Western Australia in Crawley und ihre Kollegen beschäftigten sich mit diesen Fragen, wobei sie sich auf einen Aspekt konzentrierten: Ausgeprägte männliche oder weibliche Gesichtsmerkmale zum einen und Symmetrie zum anderen werden häufig als attraktiv eingestuft. Hängen diese Merkmale also zusammen – oder anders formuliert: Informieren sie beide über dasselbe Qualitätsmerkmal, um welches auch immer es sich dabei handelt?

Wie in anderen Studien, vermaßen die Wissenschaftler anhand möglichst standardisiert aufgenommener Gesichter zig einzelne feine Merkmale der Bilder. So konnten sie zunächst einmal feststellen, was eigentlich ein männliches am deutlichsten von einem weiblichen Gesicht unterscheidet. Sie stießen auf eine Kombination von fünf Einzelmerkmalen, und zwar Gesichtsfläche und Kinn, die bei Männern im Durchschnitt allesamt deutlich größer waren, breitere Wangenknochen und Kiefer und dazu noch niedriger angeordnete Augenbrauen als bei Frauen – alles Faktoren, die für die Beurteilung typischen "maskulinen Aussehens" häufig herangezogen werden.

Allerdings zeigte dieses Merkmalspaket keinerlei Zusammenhang zu den ebenfalls vermessenen Werten für Asymmetrie der jeweiligen Gesichter: Besonders symmetrische Gesichter zeigten nicht unbedingt ausgeprägt männliche beziehungsweise weibliche Züge und umgekehrt. Maskulinität und Symmetrie – beziehungsweise eben Feminität bei Frauengesichtern und Ebenmäßigkeit – mögen daher zwar jeweils als Anzeichen für Partnerschaftsqualitäten dienen, aber offensichtlich für verschiedene.

Ob nun ein und dieselbe Partnerqualität oder verschiedene, für menschliche Testbegutachter fielen die Gesichter jedenfalls wie zu erwarten attraktiv aus, wenn sie entweder statistisch ausgeprägt männliche oder weibliche Eigenschaften zeigten oder sehr symmetrische Züge hatten. Was schön ist, scheint damit klar – und kümmert es uns, ob wir damit verschiedene Qualitäten beurteilen?

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