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Fettleibigkeit: Schon leichtes Abnehmen bessert die Gewebegesundheit

Bei Menschen mit krankhaftem Übergewicht ist das Fettgewebe entzündlich verändert. Bereits wenige Prozent Gewichtsverlust bringen einen gesundheitlichen Nutzen.
Nahaufnahme eines anatomischen Diagramms von tierischem Fettgewebe. Die Abbildung zeigt eine Ansammlung von gelblichen Fettzellen, die von einem Netzwerk aus feinen, durchsichtigen Fasern umgeben sind. Die Struktur der Zellen ist kugelförmig und dicht gepackt, was die Speicherung von Lipiden veranschaulicht. Die Darstellung hebt die Textur und Anordnung der Zellen hervor, um die Funktion und Struktur des Fettgewebes zu verdeutlichen.
Das Fettgewebe im menschlichen Körper (Illustration) ist nicht einfach nur ein passiver Energiespeicher. Es produziert zahlreiche Signalmoleküle, die den gesamten Organismus beeinflussen, etwa Leptin und Adiponektin. Bei krankhaftem Übergewicht mehren sich Entzündungsprozesse im Fettgewebe, was etliche Krankheiten begünstigt.

Menschen, die unter krankhaftem Übergewicht leiden, profitieren gesundheitlich bereits von wenigen Prozent Gewichtsabbau. Das berichtet eine Forschungsgruppe um Anne Loft von der Universität von Süddänemark in Odense. Die Fachleute haben untersucht, was während einer Gewichtsabnahme im Fettgewebe geschieht.

Krankhaftes Übergewicht, auch Adipositas genannt, zeichnet sich durch einen Body-Mass-Index oberhalb von 30 aus. Es geht mit einem erhöhten Krankheits- und Sterberisiko einher. Das Fettgewebe ist bei dem Krankheitsbild entzündlich verändert und funktionell gestört, was unter anderem Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Komplikationen begünstigt.

Eine Gewichtsabnahme verringert das Risiko für diese Krankheiten bekanntlich. Was dabei genau passiert, haben Loft und ihr Team nun analysiert. Mithilfe von Einzelzelluntersuchungen beobachteten sie die zellulären und molekularen Veränderungen im Fettgewebe adipöser Personen, die sich einer Magenbypass-Operation unterzogen. Dabei betrachteten die Fachleute unter anderem die RNA-Moleküle in den Zellen, was einen Hinweis darauf gab, welche Gene jeweils aktiv waren. Insgesamt 31 Personen nahmen an der Studie teil, davon 21 Frauen und die Übrigen Männer.

Die Auswertung zeigte: Zwei Jahre nach dem operativen Eingriff, wenn die Patientinnen und Patienten zwischen 20 und 45 Prozent ihres Körpergewichts abgebaut hatten, war ihr Fettgewebe deutlich verändert. Die Zahl der Immunzellen darin war stark reduziert und oftmals auf ein Niveau gesunken, das sonst bei schlanken Personen zu beobachten ist. »Dies ist eine der wichtigsten Verbesserungen nach einer Gewichtsabnahme, denn Immunzellen tragen zu entzündlichen Vorgängen und einer verminderten Insulinempfindlichkeit im Fettgewebe bei«, betont Loft in einer Pressemitteilung. Eine herabgesetzte Insulinempfindlichkeit erhöhe unter anderem das Diabetesrisiko – wenn also die Entzündungswerte und die Immunzellpräsenz im Fettgewebe zurückgingen, sei das ein klarer gesundheitlicher Vorteil.

Zudem beobachteten die Fachleute eine verbesserte Blutversorgung des Fettgewebes, offenbar weil sich infolge der Normalisierung des Körpergewichts neue Blutgefäße gebildet hatten. Das dürfte dazu beitragen, das Gewebe effizienter mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Gesundheitliche Vorteile zeigten sich aber nicht erst zwei Jahre nach der Magenbypass-OP. Bereits vor dem Eingriff hatten die Patientinnen und Patienten durch Lebensstiländerungen zwischen fünf und zehn Prozent ihres Gewichts verloren. Ihr Körper reagierte darauf mit einer vermehrten Bildung von Fettgewebe-Vorläuferzellen. Das deutet nach Ansicht des Forschungsteams auf eine Erneuerung des Fettgewebes hin, bei der sich die Gewebefunktion normalisiert. Schon aus früheren Studien ist bekannt, dass bei adipösen Personen eine fünfprozentige Gewichtsabnahme die Insulinempfindlichkeit des Organismus verbessern kann.

  • Quellen
Loft, A. et al., Nature Metabolism 10.1038/s42255–025–01433–4, 2026

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