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Höher, schneller, weiter: Schon seit einem Monat Rekordhitze im Ozean

Seit 2023 erreichen die Meerestemperaturen fast jährlich neue Rekorde, die vor wenigen Jahren noch unrealistisch klangen. Auch im Juni wurde eine Höchstmarke übertroffen – und nicht nur einmal, sondern durchgehend über vier Wochen.
Luftaufnahme von Montanita, einem berühmten Touristenziel an der Küste Ecuadors
Von der südamerikanischen Küste zieht sich eine gigantische Zunge heißen Wassers Tausende Kilometer weit in den Pazifik. Sie führt nicht nur zu rekordwarmen Meeren, sondern heizt auch die Atmosphäre auf.

Als 2023 und 2024 das gesamte Weltmeer an der Oberfläche plötzlich ein halbes Grad heißer war als jemals zuvor, fragten sich Fachleute vor allem: Ist das ein Ausreißer – oder bleibt das jetzt so? Inzwischen zeichnet sich die Antwort ab: Es bleibt so. Es wird sogar noch wärmer, wie die aktuelle Höchstmarke zeigt. Laut Messungen der Nationalen Meeres- und Atmosphärenbehörde (NOAA) der USA lag seit dem 2. Juni 2026 die weltweite Meerestemperatur durchgehend über den – einst als erschreckend geltenden – Höchstmarken des Jahres 2024. Absolut am wärmsten ist der Weltozean im März, wenn in der weitgehend von Meer bedeckten südlichen Hemisphäre Spätsommer herrscht. Deswegen ist der aktuelle Wert von 20,98 Grad Celsius noch nicht die höchste jemals gemessene Meerestemperatur. Am 1. März 2024 lag jene bei 21,17 Grad. Diese Marke könnte 2027 fallen.

Treiber der hohen Temperaturen ist diesmal der ungewöhnlich warme tropische Pazifik. Dort ist die Meeresoberfläche derzeit rund ein halbes Grad wärmer als zum bisherigen Rekord zu dieser Jahreszeit, wie der Copernicus Climate Change Service der EU auf Basis von Satellitenmessungen berichtet. Das ist ein sehr hoher Wert, dessen Bedeutung weit über einen bloßen Temperaturrekord hinausreicht. Ein halbes Grad klingt erst einmal nicht nach besonders viel, verglichen mit den Temperaturschwankungen unseres Alltags, aber die höhere Temperatur betrifft ein Meeresgebiet von knapp 60 Millionen Quadratkilometern – etwa das Anderthalbfache der Oberfläche des Mondes. Außerdem braucht man weitaus mehr Energie, um Wasser zu erwärmen als Luft. Entsprechend wird sich die zusätzliche Energie, die in der wärmeren Meeresoberfläche steckt, deutlich stärker auf die Atmosphäre darüber auswirken. Zusätzliche Wärme in der Atmosphäre treibt zum Beispiel heftigere Stürme und Starkregenfälle an.

Der Fingerabdruck von El Niño |

Hohe Temperaturen im Zentralpazifik waren der wichtigste Faktor für die Höchsttemperaturen im Juni. Doch die Bedeutung dieser Meeresregion geht weit über solche Rekorde hinaus.

Eine entscheidende Folge des extrem warmen Zentralpazifiks ist der sich nun entwickelnde sehr starke El-Niño-Zustand, der in den nächsten Monaten das globale Wetter dominieren wird. Dieser basiert auf hohen Temperaturen im Zentralpazifik und beeinflusst weltweit das Wetter; so schwächt er etwa den indischen Monsun, während er in Ostafrika höhere Regenfälle verursacht. Außerdem wird die Erde insgesamt durch den warmen Zentralpazifik deutlich aufgeheizt. Im Jahr nach einem El Niño fallen daher meist globale Hitzerekorde. Fachleute rechnen deswegen für 2027 mit einem beispiellos heißen Jahr. Unklar ist nach wie vor, welche Faktoren die extremen Meerestemperaturen der letzten paar Jahre antreiben und ob derart große Sprünge in den Höchsttemperaturen in Zukunft regelmäßig auftreten. Nicht zuletzt wird seit einiger Zeit heftig diskutiert, ob sich die Atmosphäre derzeit schneller erwärmt als in den Jahrzehnten zuvor. Die ungewöhnlichen Muster in den Daten, die hinter solchen Fragestellungen stehen, könnten darauf hindeuten, dass das Erdsystem eine Art Schwelle überschritten hat und sich nun anders verhält als noch im frühen 21. Jahrhundert.

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