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News: Schonendere Wege bei Krebsbehandlung

Die Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs stellt eine gute Alternative zur risikoreichen Radikaloperation dar. Die erreichten Überlebensraten der Patienten nach der Bestrahlungstherapie sind mit Ergebnissen nach radikal-chirurgischen Eingriffen vergleichbar. Auch die Akutreaktionen während der Behandlung und die Spätfolgen zeigen, daß die Bestrahlung als verträgliche Therapieform angewendet werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Susanne Herchen in einer Untersuchung, die sie an der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln durchgeführt hat.
Von den in ihrer Arbeit berücksichtigten 230 Patienten, die in der Zeit zwischen 1980 und 1991 in der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität Köln bestrahlt wurden, lebten nach fünf Jahren noch 67 Prozent; die absolute Zehnjahresüberlebensrate betrug immerhin 46 Prozent. Zwar sind die Überlebenszeiten nach einer Operation häufig länger als nach einer Bestrahlung, doch gibt Dr. Herchen zu bedenken, daß überwiegend Patienten in gutem Allgemeinzustand und frühen Stadien der Krankheit einer radikalen Operation zugeführt werden.

Der große Vorteil der Bestrahlung gegenüber der operativen Behandlung ist aber – so die Kölner Medizinerin –, daß sie auch bei Patienten in schlechter körperlicher Verfassung angewendet werden kann. Außerdem verbindet sich mit der Bestrahlungstherapie nicht zwangsläufig ein Krankenhausaufenthalt, da sie fast immer ambulant durchgeführt werden kann.

Dabei verteilt sich die Belastung auf mehrere Wochen und ist an den einzelnen Bestrahlungstagen relativ gering, so daß sich akute Beschwerden bis auf einen geringen Anteil wieder zurückbilden und Spätfolgen nur selten auftreten. Auch bei fortgeschritteneren Tumoren stellt die Bestrahlung eine sinnvolle Behandlungstherapie dar, wenn eine radikale Operation nicht mehr durchgeführt werden kann.

Wie wichtig schonendere Untersuchungsmethoden sind, zeigt nach Auffassung Dr. Herchens die Tatsache, daß die Diagnose Prostatakrebs in den letzten Jahren zunehmend häufiger gestellt wird. Der Prostatatumor ist die zweithäufigste Todesursache nach dem Lungenkrebs. Alleine in den USA wird jährlich bei mehr als 100.000 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiziert. In Deutschland sind es 20.000, von denen immerhin die Hälfte pro Jahr an den Folgen ihrer Krankheit stirbt.

Da es sich meist um ältere Patienten im 6. bis 8. Lebensjahrzehnt handelt, die häufig auch an anderen Erkrankungen leiden, sollte die Therapie in diesen Fällen den Patienten möglichst wenig belasten, aber gleichzeitig die Tumorerkrankung effizient kontrollieren. Die Entscheidung, ein lokal begrenztes frühes Prostatakarzinom zu operieren oder zu bestrahlen, ist aber – so Dr. Herchen – stets individuell zu treffen und wird auch international different beurteilt. In Deutschland ist nach wie vor die Operation mit einer Entfernung der Prostata die favorisierte Methode der Behandlung.

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