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News: Schützen Infekte vor Schwarzem Hautkrebs?

Zwischen dem Immunsystem und einer Krebserkrankung bestehen enge Verbindungen: Krebs entsteht immer dann, wenn das Immunsystem des Körpers bösartig veränderte Zellen nicht mehr abtöten kann. Andersherum gesagt, trägt ein starkes Immunsystem dazu bei, den Körper vor Krebs zu schützen. Eine europäische Arbeitsgruppe stellte nun fest: Das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, sinkt, wenn ein Mensch häufiger fieberhafte Infekte durchgemacht hat.
Welche Faktoren schützen vor Krebs? Diese Frage beschäftigt die Krebsforscher unter der Leitung von Klaus Kölmel von der Universitäts-Hautklinik Göttingen zunehmend, denn neben der Behandlung von bösartigen Tumoren rückt der Versuch, Krebserkrankungen vorzubeugen, immer mehr in den Vordergrund. Es ist bekannt, daß Änderungen des Lebensstils sich positiv auf die Gesundheit auswirken – wer nicht raucht, sich gesund ernährt, auf sein Gewicht achtet und Sport treibt, hat ein deutlich verringertes Krebsrisiko. Doch wie steht es mit anderen Faktoren, die einen direkten Einfluß auf das menschliche Immunsystem haben?

Während einer Infektionskrankheit arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren. Die Funktion von Antikörpern und Killerzellen wird unterstützt durch Fieber: Bei höherer Temperatur sterben Viren und Bakterien schneller ab. Es ist also zu vermuten, daß ein Organismus, der sich öfter gegen Infektionen wehren mußte, ein gut trainiertes Immunsystem hat. Dieser Theorie ging die EORTC-Melanomgruppe (European Organization for Research and Treatment of Cancer), die aus Forschern mehrerer europäischer Staaten einschließlich Israel besteht, nach.

In Zusammenarbeit mit Olaf Gefeller von der Abteilung Medizinische Statistik an der Universität Göttingen untersuchten die Krebsforscher 603 Melanom-Patienten und verglichen diese mit 627 Gesunden. Dabei stellten sie folgendes fest: Das Melanomrisiko war statistisch signifikant niedriger, wenn die befragten Personen eine Tuberkulose, eine schwere Staphylokokken-Infektion (beispielsweise Abszesse, Entzündungen der Brustdrüse oder des Knochenmarks) eine Blutvergiftung oder eine Lungenentzündung durchgemacht hatten. Außerdem sank das Melanomrisiko, wenn die Befragten in den letzten fünf Jahren eine leichtere Infektion, wie etwa Influenza, Bronchitis, Herpes, Sommer-Diarrhöe, mit Fieber über 38,5 Grad Celsius überstanden hatten.

Je mehr Infektionskrankheiten die Untersuchten hinter sich gebracht hatten, desto geringer war ihr Risiko, an einem Melanom zu erkranken. Die genauen Gründe für die erniedrigte Melanom-Wahrscheinlichkeit sind noch nicht erforscht. Doch die Mediziner um Kölmel vermuten, daß bestimmte Abwehrzellen oder Cytokine (Botenstoffe der Zellen, beispielsweise Interleukin) durch die Infektionen stark aktiviert werden. Auf diese Weise können bösartig veränderte Zellen der Haut erkannt und inaktiviert werden.

Die Ergebnisse dieser Studie werden im Herbst in einer britischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Als nächstes ist geplant, die Auswirkungen von Impfungen auf die Melanomhäufigkeit zu publizieren. Hier zeichnet sich ab, daß insbesondere die Pocken- und die Tuberkulose-Impfung einen schützenden Effekt vor Schwarzem Hautkrebs zeigen. "Die finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe hat es uns ermöglicht, einen wichtigen Schritt im Hinblick auf die Erforschung der körpereigenen Schutzfaktoren vor Krebs zu machen", betonte Kölmel.

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