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Schutz vor Covid-19: Die Corona-Impfung macht nicht unfruchtbar

Es hält sich die Behauptung, man könne wegen einer Corona-Impfung ungewollt kinderlos bleiben. Doch die Aussage ist falsch. Es gibt keine Hinweise auf geminderte Fruchtbarkeit.
Bereits im Darm von Babys tragen viele Bakterien Gene in sich, die helfen, Antibiotika abzuwehren.

Jede einzelne Impfung zählt auf dem Weg, die Corona-Pandemie zu beenden. Aktuell kann sich in Deutschland jeder und jede ab 18 Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen. Doch eine Behauptung bereitet manchen Menschen Sorgen: Die Corona-Impfung macht unfruchtbar, heißt es fälschlicherweise.

Fakt ist: Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich die Impfung auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Weil sich das Gerücht so hartnäckig hält, geht unter anderem das Robert Koch-Institut (RKI) in einem Frage-und-Antwort-Stück darauf ein. Im Bereich »Impfung bei Schwangeren, Stillenden und bei Kinderwunsch« heißt es zu der vor allem im Internet verbreiteten Behauptung: »Diese Aussage ist falsch« und liefert zahlreiche Punkte, die sie widerlegen.

So hat es beispielsweise in den nicht klinischen Studien vor Zulassung der Impfstoffe keine Hinweise auf das Auftreten von Unfruchtbarkeit nach der Impfung gegeben. In der Zulassungsstudie des Herstellers Biontech seien zwölf Frauen unter den Geimpften und elf Frauen in der Gruppe mit Placebogabe innerhalb des Nachbeobachtungszeitraums von zwei Monaten schwanger geworden.

Corona-Impfung hat keinen Einfluss auf das Hormonlevel

Das RKI nennt zudem eine Studie aus Israel vom Mai 2021. Ausgewertet wurden Daten von 36 Paaren, die sich in einer Behandlung für eine künstliche Befruchtung befanden und in der Zeit impfen ließen. Bei Anzahl und Qualität der gewonnenen Eizellen sowie der untersuchten Spermienparameter habe es vor und nach der Impfung keinen Unterschied gegeben, teilt das Institut mit.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unseren FAQ. Ausführliche Antworten zur Delta-Variante lesen Sie hier. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Wie das Coronavirus die Welt verändert«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Um die weibliche Fruchtbarkeit im Zusammenhang mit der Corona-Impfung ging es auch in einer israelischen Studie vom Dezember 2021. Am Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv wurde bei 129 vollständig mit Biontech geimpften Frauen der Spiegel des Anti-Müller-Hormons überwacht. Dieses gibt Aufschluss darüber, wie viele Eizellen eine geschlechtsreife Frau produziert. Ergebnis war, dass die Impfung keinen Einfluss auf das Hormonlevel hatte.

Laut einer Studie der University of Miami müssen sich auch Männer impfbedingt keine Sorgen um ihre Zeugungsfähigkeit machen: Vor und nach Gabe von zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs waren die Spermien der untersuchten 45 Männer zwischen 18 und 50 Jahren gleich fit.

mRNA-Impfstoffe richten sich nicht gegen die Plazenta

Wie konnte die Falschinformation, die Impfung mache Frauen unfruchtbar, überhaupt entstehen? Eine mögliche Antwort darauf geben Forscher der Universität Jena: Sie widerlegen eine im Internet verbreitete Behauptung, die nach der mRNA-Impfung vom Immunsystem gebildeten Antikörper richteten sich gegen Bestandteile der Plazenta. »Weder aus den bisherigen Erfahrungen mit Schwangeren, die an Covid-19 erkrankt sind, noch aus Sicht der Plazentaforschung lässt sich die Behauptung belegen«, sagt Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin.

Durch die mRNA-Impfung wird eine Art Spike-Protein des Coronavirus gebildet. Das Virusprotein weist in einem winzigen Teil eine Ähnlichkeit mit dem Protein Syncytin-1 auf. Dieses ist während einer Schwangerschaft an der Bildung der Plazenta beteiligt. Die Ähnlichkeit beschränke sich jedoch lediglich auf eine Sequenz von 5 von 1273 Aminosäuren im Spike-Protein beziehungsweise 538 Aminosäuren im Syncytin-1-Protein. Die Sequenzen seien noch nicht einmal identisch, da sie sich in der mittleren Aminosäure unterscheiden.

»Hier dürfte also der Mythos seinen Ursprung haben«, schreibt die Universität Jena. Seit Jahren würden in der Therapie bestimmter Autoimmunkrankheiten jedoch Antikörper gegen ein Protein genutzt, das dem Syncytin-1-Protein sehr viel ähnlicher sei. Zahlreiche Experimente hätten gezeigt, dass dies keinerlei Einfluss auf die Plazentaentwicklung habe.

Zudem: Wenn schon die Impfung unfruchtbar machen würde, dann müsste es eine Corona-Infektion erst recht tun, betont die Universität Jena. Denn bei einer Infektion sei die potenzielle Antikörperbildung deutlich höher und auch weniger kalkulierbar als bei einer Impfung.

Es gebe keine besondere Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein von Sars-CoV-2 und dem für die Bildung der Plazenta wichtigen Protein Syncytin-1, erklärt auch Virologe Lars Dölken von der Universität Würzburg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Und das RKI ergänzt: »Nach dieser Logik müsste auch die Infektion mit Covid-19 unfruchtbar machen. Auch dies wurde jedoch weltweit nicht beobachtet.«

Bislang wurden in Deutschland mehr als sieben Millionen labordiagnostisch bestätigte Covid-19-Fälle an das RKI übermittelt. Die Werte für die 7-Tage-Inzidenz in den Bundesländern lagen laut dem aktuellen Situationsbericht von Montag, 3. Januar 2022, zwischen 468,6 pro 100 000 Einwohnern in Bremen und 161,3 pro 100 000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz. (asw)

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