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Infektionskrankheiten: Schwächelnde Schwindsucht

Sonnenlicht hilft bei einer selteneren Form der Tuberkulose, der Hauttuberkulose - das ist seit mehr als hundert Jahren bekannt. Jetzt erst fand ein internationales Forscherteam heraus, wie UV-Licht das Immunsystem auf dem Umweg über Vitamin D auf Trab bringt.
Sie ist ein Killer: Jedes Jahr rafft die Tuberkulose weltweit zwei Millionen Menschen dahin – und das, obwohl die Krankheit eigentlich heilbar ist: Verschiedene Antibiotika bringen Mycobacterium tuberculosis, den Erreger der Tuberkulose, zur Strecke – sofern die Patienten die Medikamente regelmäßig und über einen ausreichend langen Zeitraum einnehmen.

Doch genau hier liegt das Problem: In vielen Ländern ist das Gesundheitssystem unzureichend, die Patienten haben keinen Zugang zu Therapeutika oder brechen die Behandlung zu früh ab. Die Folge: Die Schwindsucht breitet sich seit Ende des letzten Jahrhunderts wieder aus, und es entstehen Bakterienstämme, denen die Antibiotika nichts mehr anhaben können.

Um diesen resistenten Keimen nicht hilflos ausgeliefert zu sein, müssen neue, wirksame Medikamente entwickelt werden. Deswegen versuchen Wissenschaftler das Wechselspiel zwischen Bakterium und Mensch zu verstehen, um neue Therapiestrategien entwerfen zu können.

Eine multinationale Arbeitsgruppe um Robert Modlin von der Universität von Kalifornien in Los Angeles klärte nun die Rolle von Vitamin D beim Kampf des Immunsystems gegen Tuberkulose auf. Das Team untersuchte Makrophagen, die Immunzellen, in denen sich die Tuberkulose-Erreger vor Angriffen des Körpers zu verstecken versuchen. Die Forscher richteten ihr Augenmerk zunächst auf ein bestimmtes Protein, den "Toll-like-Rezeptor", das einen Angriff des Immunsystems gegen Mikroorganismen in Gang setzt.

Als die Wissenschaftler diesen Rezeptor aktivierten, starben die Tuberkulose-Bakterien in den Makrophagen ab. Um herauszufinden, woran das lag, analysierten die Forscher, welche Gene durch die Aktivierung der Toll-like-Rezeptoren angeschaltet wurden. Dabei zeigte sich, dass die angeregten Zellen verstärkt Rezeptoren für Vitamin D sowie eine Vorstufe des D-Vitamins bilden. Auf diese Prozesse hin wiederum wird das Peptid Cathelicidin produziert, das seinerseits den in den Makrophagen versteckten Tuberkulose-Erregern den Garaus macht. Vitamin D scheint demnach beim Kampf gegen Tuberkulose eine Rolle zu spielen.

Nun wandten sich die Wissenschaftler einem anderen, in diesem Zusammenhang interessanten Phänomen zu: Dunkelhäutige Menschen erkranken häufiger an Schwindsucht als hellhäutige, und bei ihnen verläuft die Krankheit oft schwerer. Sollte daran womöglich Vitamin D schuld sein? Denn die Vitamin-D-Produktion ist bei Dunkelhäutigen auf Grund der intensiven Pigmentierung der Haut geringer, da der Körper Sonnenlicht braucht, um dieses Vitamin herzustellen.

Als das Forscherteam das Blut von dunkel- und hellhäutigen Amerikanern untersuchte, fand es bei Farbigen deutlich weniger Vitamin D und auch eine geringere Produktion des antimikrobiellen Peptids Cathelicidin als bei Weißen. Fügten die Wissenschaftler dem Blutserum der Dunkelhäutigen jedoch etwas Provitamin D zu, wurde auch entsprechend mehr Cathelicidin synthetisiert. Offenbar trägt Vitamin D tatsächlich dazu bei, die Schwindsucht schwächeln zu lassen.

Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass die einfache und dazu noch kostengünstige Versorgung mit Vitamin D die natürliche Immunantwort gegen Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose insbesondere bei dunkelhäutigen Menschen unterstützen könnte.

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