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Besser Vorsorgen: Warum ist die Schwangerschaftsvorsorge empfohlen?

Eine Schwangerschaft wird medizinisch gut überwacht. Werdende Mütter dürfen auf Kosten der Krankenkasse zahlreiche Untersuchungen wahrnehmen. Wann steht welche an? Was wird gemacht?
Eine Schwangere hält ein Ultraschallbild eines Ungeborenen in der Hand.

Wächst im Bauch einer Frau ein Kind heran, ist es wichtig, zu wissen, ob es ihm gut geht. Die Krankenkassen zahlen im Verlauf einer Schwangerschaft alle paar Wochen einen Vorsorgecheck – zunächst alle vier Wochen, zwei Monate vor der Geburt dann alle zwei Wochen. Die insgesamt etwa zehn Untersuchungen finden bei einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin statt, den Fachärzten für Gynäkologie und Geburtshilfe. Untersuchungen, bei denen kein Ultraschall ansteht, kann auch eine Hebamme durchführen.

Wozu sind die Untersuchungen in der Schwangerschaft gut?

Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen dienen der Sicherheit von Mutter und Kind. Neben der Entwicklung des Ungeborenen steht die Gesundheit der Mutter im Fokus. Dank der engmaschigen Kontrolle fallen Abweichungen und Risiken meist früh genug auf. Die Termine dienen nicht nur der körperlichen Untersuchung, sondern auch der Beratung: zu Ernährung, Impfungen oder Medikamenten, die die Frau einnimmt. Werdende Mütter sollten bei diesen Terminen alle Fragen stellen, die sie zu ihrer Schwangerschaft haben.

Wie laufen die Untersuchungen ab?

Je nachdem, in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) sich die Frau befindet, sind verschiedene Untersuchungen und Tests üblich. Bei jedem Termin werden Blutdruck und Gewicht der Schwangereren gemessen. Außerdem untersucht der Arzt den Muttermund, die Lage der Gebärmutter und den Urin. Darüber hinaus finden folgende Tests in diesen Phasen der Schwangerschaft statt:

  • SSW 5: Bleibt die Regelblutung aus, sollte ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin untersuchen, ob eine Schwangerschaft besteht. Zu dieser Erstuntersuchung gehören eine ausführliche Anamnese und eine Blutkontrolle, bei der auch der Hämoglobinwert bestimmt wird. Außerdem haben Frauen Anspruch auf einen HIV-Test. Manchmal untersucht der Arzt den Bauch der Patientin schon per Ultraschall.
  • SSW 9 bis 12: Spätestens bei der ersten offiziellen Vorsorgeuntersuchung findet die erste Ultraschalluntersuchung statt. Mittlerweile ist nicht nur die Fruchtblase erkennbar, sogar die Herztöne des Babys lassen sich per Ultraschall sehen. Das gilt als sicherer Schwangerschaftsnachweis.
  • SSW 15 bis 16: In diesen Wochen werden die Röteln-Antikörper im Blut der Mutter bestimmt, weil die Krankheit für das Ungeborene gefährlich ist.
  • SSW 19 bis 22: Bei dieser Vorsorgeuntersuchung erfolgt der zweite Ultraschall-Check, bei dem der Arzt die Größe von Kopf und Bauch des Kindes sowie die Länge des Oberschenkelknochens überprüft.
  • SSW 24: Mehr als die Hälfte der Schwangerschaft ist vorüber. Der Arzt hört die Herztöne des Kindes ab und entnimmt bei der Mutter eine Blutprobe.
  • SSW 25 bis 28: Hier findet üblicherweise ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes statt, »oraler Glukosetoleranztest« genannt. Wieder werden die Herztöne des Babys überprüft. Seit dem Jahr 2020 zahlen die Kassen außerdem die Bestimmung des Rhesusfaktors im Blut des Kindes, wenn die Mutter rhesus-negativ ist, um zu verhindern, dass es zu einer lebensbedrohlichen Unverträglichkeit kommt.
  • SSW 29 bis 32: Nun erfolgt die dritte und letzte Ultraschalluntersuchung, bei der die Lage des Kindes und der Plazenta im Vordergrund stehen. Die übliche Untersuchung von Blut, Urin und Gewicht ist inzwischen längst Routine für die werdende Mutter.
  • SSW 34: Auch in den letzten Wochen der Schwangerschaft überprüft der Arzt Blut, Urin, Blutdruck und Gewicht der Mutter. Die Herztöne des Kindes zeigt ab jetzt der »Wehenschreiber«, in der Fachsprache »Kardiotokogramm« genannt.
  • SSW 36: Kurz vor der Geburt überprüft der Arzt mittels Tastuntersuchung, ob das Kind richtig liegt. Befindet es sich in der Steißlage, also mit dem Po statt mit dem Kopf nach unten, bespricht er mit der Mutter die Handlungsmöglichkeiten.
  • SSW 38 bis 40: Die Geburt steht nun kurz bevor. Ein letztes Mal, bevor das Kind auf die Welt kommt, werden vom Frauenarzt Gebärmutter, Blutdruck, Urin und Gewicht überprüft sowie die Herztöne des Babys abgehört.

Für alle Tast- oder Ultraschalluntersuchungen nimmt die werdende Mutter auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl oder auf einer Liege Platz.

Woran sollten Frauen in der Schwangerschaft denken?

Werdende Mütter sollten beachten, neben der Krankenversichertenkarte zu jeder Untersuchung auch ihren Mutterpass mit zum Arzt zu nehmen: Darin wird alles dokumentiert. Egal, ob gerade wieder eine Untersuchung ansteht oder nicht: Bestehen Unsicherheiten oder Schmerzen, darf natürlich immer ein Frauenarzt aufgesucht werden! Neben der normalen Vorsorge gibt es zahlreiche Zusatzuntersuchungen, die Schwangere wahrnehmen können, aber selbst bezahlen müssen. Etwa auf Toxoplasmose, eine Infektionskrankheit mit Parasiten. Welche Zusatzuntersuchungen wirklich sinnvoll sind, sollten sie mit ihrem Arzt, ihrer Ärztin oder Hebamme besprechen.

Serie: »Besser vorsorgen«

Krebsvorsorge, Früherkennung, Check-up – es gibt viele Untersuchungen, die Gesunde regelmäßig wahrnehmen sollten. Denn vorsorgen ist besser als nachsorgen. Wir erklären die gängigsten Methoden und beantworten die wesentlichen Fragen: Wozu ist die Untersuchung gut? Was macht die Ärztin, worauf achtet der Arzt? Und tut das weh?

Welche Nachteile können Schwangerschaftsvorsorge-Untersuchungen haben?

Wie bei allen Vorsorge-Checks ist es wichtig, dass die Patientinnen eine »informierte Entscheidung« treffen. Damit sie das können, ist Aufklärung wichtig. Frauenärzte und -ärztinnen sind deshalb verpflichtet, Schwangere über Inhalte, Ziele und Grenzen der Ultraschalluntersuchungen aufzuklären. Bei diesen zeigen sich manchmal Auffälligkeiten, die Folgeuntersuchungen erforderlich machen. Oder der Arzt vermutet Entwicklungsstörungen, obwohl das Kind gesund ist. Wie viele Ultraschalltests in Deutschland zum falschen Ergebnis führen, ist unklar. International muss aber jede 100. Schwangere mit einem falschen Befund rechnen. Werdende Mütter sollten die Vor- und Nachteile daher genau kennen, um selbst entscheiden zu können, welche Ultraschalluntersuchungen sie wahrnehmen wollen – sie können sie nämlich auch ablehnen. Bei jeder Untersuchung haben sie zudem »das Recht auf Nichtwissen«.

Wie geht es weiter?

Ist alles in Ordnung, sehen sich Frauenarzt und werdende Mutter erst beim nächsten Check in vier oder zwei Wochen wieder. Zeichnen sich bei einem Vorsorgetermin Probleme ab oder wirkt die Entwicklung des Kindes verzögert, erfolgen weitere Tests und Untersuchungen, die der Arzt mit der Mutter genau bespricht.

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