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News: Schwarze Aussichten

Dass die USA und Europa gegen die Luftverunreinigung durch Ruß vorgehen, hat vor allem mit der Lebensqualität zu tun. Doch Ruß könnte weitaus schwerwiegendere Folgen haben und die Erdatmosphäre ähnlich aufheizen wie das Treibhausgas Kohlendioxid.
Flut in ChinaLaden...
Die Erde erwärmt sich, da gibt es kein Wenn und Aber. Auch glaubt kaum noch jemand, dass die ansteigenden Temperaturen eine reine Laune der Natur sind. Nein, schuld ist der Mensch, und zwar auf vielerlei Art und Weise. Kohlendioxid, Methan oder Stickoxide: Die Vielfalt der Treibhausgase ist groß.

Doch während diese Substanzen die Erdatmosphäre erwärmen, indem sie die von der Erdoberfläche reflektierte Wärmestrahlung absorbieren, wird eine andere Ursache für ansteigende Temperaturen offensichtlich unterschätzt. Rußpartikel, so vermutet eine Arbeitsgruppe um Surabi Menon vom Goddard Institute for Space Studies in New York, könnten einen ähnlich bedeutsamen Beitrag zur globalen Erwärmung liefern wie Kohlendioxid, das wichtigste aller Treibhausgase.

Die Wirkung der rußigen Aerosole ist indes eine gänzlich andere. Aufgrund der dunklen Farbe der Kohlenstoffpartikel absorbieren sie direkt das einfallende Sonnenlicht und heizen so ihre Umgebung auf. Auf diese Weise können in Smog-reichen Regionen wie Indien und China ganze Wetterlagen durcheinander geraten.

So kommen die Forscher auf der Basis eines globalen Zirkulationsmodells zu dem Schluss, dass der Smog im fernen Osten die atmosphärischen Zirkulationen des Sommermonsuns 2002 derart veränderte, dass der Nordosten Chinas in jüngster Zeit unter Dürrekatastrophen litt, während der Südosten des Landes von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wurde.

Somit hat der Ruß wohl endgültig seinen Platz in der Riege der klimarelevanten Luftschadstoffe gefunden - und signalisiert Handlungsbedarf. Immerhin ist dem Rußausstoß durch Filteranlagen viel leichter beizukommen als den Emissionen von Treibhausgasen, deren Verweilzeit in der Atmosphäre zudem hunderte von Jahren betragen kann. Ruß verschwindet hingegen schon nach Wochen und Monaten. Wer die Ursachen für die Rußfreisetzung in den Griff bekommt, kann sich des Problems also rasch entledigen.

Das zeigt sich schließlich auch in der globalen Verteilung rußiger Aerosole. Obwohl nirgends aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe so viel Kohlendioxid freigesetzt wird wie in den USA und Europa, ist der Rußausstoß in diesen Ländern aufgrund moderner Heizungsanlagen, Dieselmotoren und Filter vergleichsweise gering. Die mit Ruß belasteten Aerosole stammen vielmehr überwiegend aus Entwicklungsländern wie Indien oder auch China.

Angesichts der katastrophalen Folgen für das Klima gehört Ruß deshalb nach Meinung von William Chameides und Michael Bergin vom Georgia Institute of Technology rasch auf die Agenda des internationalen Klimaschutzes - wenngleich dies ungleich schwieriger ist als im Fall der Treibhausgase. Denn Rußpartikel ist nicht gleich Rußpartikel. Solche Aerosole können über Los Angeles von gänzlich anderer Wirkung sein als über Bangladesch. Außerdem ist die Messung und Überwachung von Aerosolen technisch schwierig und aufwändig.

Nach dem enttäuschenden Kompromiss um das Klimaprotokoll von Kyoto ist zudem zu befürchten, dass die Industrieländer, die ja selbst kaum gewillt sind, ihren eigenen Beitrag zu Minderung der Kohlendioxidemissionen zu leisten, die Verantwortung für das Rußproblem "guten Gewissens" auf die Hauptverursacher, also die Entwicklungsländer, abschieben.

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