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Schwarzer Tod: Möglicherweise Pestmassengrab in Erfurt entdeckt

Als die Pest um 1350 in Erfurt wütete, starben Tausende Menschen. Mittelalterliche Chroniken berichten, wo sie bestattet wurden. Fachleute wollen nun eines der Massengräber entdeckt haben.
Ein menschlicher Schädel, der von der Seite beleuchtet wird, vor einem dunklen Hintergrund. Der Schädel zeigt deutliche Details der Knochenstruktur, einschließlich der Augenhöhlen und Zähne. Die Beleuchtung hebt die Textur und Form des Schädels hervor und verleiht dem Bild eine dramatische Atmosphäre.
Im 14. Jahrhundert starben in zahlreichen Regionen Europas schätzungsweise 60 Prozent der Bevölkerung an der Pest.

In Erfurt haben Fachleute möglicherweise ein Massengrab aus der Zeit der mittelalterlichen Pest aufgespürt. Wie das Team um Michael Hein von der Universität Leipzig in »PLOS One« berichtet, sei es damit erstmals gelungen, durch eine gezielte Suche ein Massengrab aus der Zeit des Schwarzen Todes zu identifizieren. Bislang sind in Europa weniger als zehn Begräbnisstätten dieser Art bekannt, die archäologisch ausgewertet wurden.

Zwischen 1347 und 1353 grassierte die Pest in Europa. In zahlreichen Regionen des Kontinents starben schätzungsweise 60 Prozent der Bevölkerung an der Krankheit, die durch das Pestbakterium Yersinia pestis ausgelöst wird. In Erfurt brach zeitgenössischen Quellen zufolge die Epidemie um 1350 aus. Angeblich habe man damals etwa 12 000 Tote in elf großen Gruben außerhalb der Stadt bestattet. Wo sich diese Gräber genau befinden, war bisher unbekannt.

Aus mittelalterlichen Quellen geht hervor, dass die Pestgruben am Ort des damaligen Dorfes Neuses, im heutigen Erfurter Stadtteil Roter Berg, gelegen haben. Bei Bauarbeiten in den Jahren 1926/27 stieß man dort auf eines der Massengräber, allerdings wurden Fundplatz und Funde nur schlecht dokumentiert. Nun haben die Fachleute offenbar in genau diesem Umfeld erneut ein Massengrab gefunden.

Pestgrube im Untergrund?

Mithilfe elektrischer Widerstandsmessungen und Sedimentbohrungen haben die Forschenden ein Bild von der damaligen Landschaft gewonnen – und im Untergrund eine Störung ausgemacht: Es könnte sich um eine etwa 10 mal 15 Meter große und 3,5 Meter tiefe Grube handeln. In den Bohrkernen fanden sich zudem Überreste von menschlichen Knochen. Radiokohlenstoffdatierungen platzierten zwei dieser Knochenstücke ins 14. Jahrhundert.

Ob die Forschungsgruppe um Hein tatsächlich auf ein Pestmassengrab gestoßen ist, können aber erst Ausgrabungen und Genanalysen bestätigen. Bislang lässt sich nicht ausschließen, dass die Grube im Untergrund keine Toten einer Pestepidemie, sondern die Opfer einer Hungersnot oder Naturkatastrophe aufgenommen hat. Derartige Ereignisse sind ebenfalls für das 14. Jahrhundert in Erfurt bezeugt.

In einem nächsten Schritt wollen die Fachleute deshalb zusammen mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Ausgrabungen durchführen und dabei auch Material für DNA-Analysen gewinnen, die dann am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erfolgen sollen.

  • Quellen
Hein, M. et al., PLOS One 10.1371/journal.pone.0337410, 2026

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