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IgNobel-Preise: Schwerter zu Diamanten

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Vielleicht ist dies eine der sinnvollsten Methoden, um Waffen in friedliche Gegenstände umzuwidmen. Igor Petrov von der russischen Dirma SKN und seine Kollegen wandelten alte Munition des russischen Militärs einfach in Diamanten um – selten war Abrüstung wohl glanzvoller. Zu Recht erhielten die beteiligten Ingenieure daher den in der Nacht von Donnerstag auf Freitag an der Harvard University verliehenen IgNobel-Preis für Frieden, obwohl das Verfahren einen kleinen Haken hat: Aus dem verwendeten Sprengstoff entstehen leider nur winzig kleine Nano-Diamanten, die man sich nicht als neues Friedenssymbol um den Hals hängen kann.

Solche Kleinigkeiten stören beim vom Magazin "Annals of Improbable Research" initiierten IgNobel-Preis aber nicht einmal am Rande. Denn die alljährlich im Vorfeld der Nobelpreis-Verleihungen stattfindende Veranstaltung würdigt Forschung, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregt". Ein Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltung (die nun zum 22. Mal stattfand) war daher die Ehrung von Craig Bennett von der University of California in Santa Barbara, der tatsächlich einen toten Atlantischen Lachs in einen Magnetresonanztomografen (MRT) gepackt hat – und völlig überraschend Hirnsignale erfasste.

Eigentlich wollte er mit seinem Team nur Erkenntnisse über den Hirnaufbau des Fisches gewinnen, doch münzte er die vermeintlichen Lebenszeichen nun zum Warnhinweis um: Neurowissenschaftler sollten aufpassen, dass sie nicht zufällig etwas erfassen, wenn sie einen Hirnscan zig Mal durchführen und darüber statistische Korrekturen vergessen. Bennett spricht dabei aus Erfahrung: Zuvor hatte er bereits Kürbisse und Schlachthühnchen in den Scanner gepackt. Und der Forscher ist sicher, dass seine Arbeit nachhaltigen Erfolg zeitigte: "Im Jahr vor unserer Veröffentlichung wiesen ein Drittel aller MRT-Studien keine saubere statistische Korrektur auf. Jetzt liegt der Wert bei unter zehn Prozent. Wir denken, dass unsere Lachsarbeit eine kleine, aber bedeutende Rolle dabei gespielt hat."

http://www.youtube.com/watch?v=WnprpYZYiC8
Die IgNobel-Preisverleihung in voller Länge

Gute Kandidaten für Laureaten finden sich auch immer wieder unter den Psychologen: Dieses Jahr geehrt wurden Anita Eerland und Tulio Guadalupe von der Offenen Universität der Niederlande, die wissen wollten, wie sich die Wahrnehmung ändert, wenn man sich zu einer Seite neigt. Getestet wurden Besucher des Eiffelturms, die auf einer Plattform stehend die Höhe des Pariser Wahrzeichens schätzen sollten. Das Ergebnis: Wurden Testpersonen zusammen mit ihrem Untergrund nach links gekippt, erschien ihnen das Stahlgerüst kleiner als den Kollegen, die ihn nach rechts geneigt betrachten durften. Irgendwo sei das aber auch logisch, meinen Fachkollegen: In einer normalen Zahlenabfolge folgten schließlich von links nach rechts immer größere Zahlen, und so denken wir unterbewusst, dass es rechts einfach größer sein müsse.

Unabhängig, ob wir mit dem rechten oder dem linken Fuß den ersten Schritt machen, bleibt die Schwappfrequenz von Heißgetränken in Trinkbehältern, wenn wir mit ihnen in der Hand gehen. Dahinter steckt jedoch ein einigermaßen kompliziertes und teilweise zufälliges Zusammenspiel zwischen den Trinkmengenvorlieben von Kaffeekonsumenten, den sich daraus ableitenden Tassengröße und den Laufprozessen der Konsumenten. Sie bedingen, dass sich die Schwankungsfrequenzen des Flüssigkeitsspiegels in der Tasse an die Schrittfrequenz des Tassenträgers anpasst. Da wir aber einigermaßen unrund laufen, schaukeln sich die Kaffeespiegelschwankungen durch Überlagerungen immer weiter auf – bis das Heißgetränk überschwappt. Diese Erkenntnis brachte Rouslan Krechetnikov von der University of California in Santa Barbara die Auszeichnung für Fluiddynamik ein!

Nicht unerwähnt bleiben dürfen zudem die Honorierung von Kazutaka Kurihara und Koji Tsukada aus Japan im Bereich Akustik und Emmanuel Ben-Soussan sowie Michel Antonietti aus Frankreich für Medizin, deren Ergebnisse sicherlich auch für den Alltag bestimmt sind. Die beiden japanischen Forscher hatten einen so genannten SpeechJammer entwickelt: eine Vorrichtung, die Menschen zum Schweigen bringt, indem sie ihnen das eigene gesprochene Wort mit geringer Verzögerung vorspielt – und was sich sicherlich bald auf Konferenzen großer Beliebtheit erfreuen wird. Welche ernste Vorgeschichte Ben-Soussans und Antoniettis Studie hatte, möchte man dagegen wohl nicht so genau wissen: Sie haben eine Anleitung für Ärzte entwickelt, die sichere Darmspiegelungen gewährleisten soll – ohne dass es dabei zu lebensgefährdenden Darmgaseruptionen kommt, weil die Mediziner mit Elektrogeräten im explosiven Umfeld hantieren.

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