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Berühmter Seeelefant: Warum »Neil the Seal« in Tasmanien für Chaos sorgt

Neil, ein tonnenschwerer Seeelefant, ist durch seine Eskapaden an der Küste Tasmaniens zum Internet-Star geworden. Wie erklären Fachleute sein Verhalten?
Ein See-Elefant liegt auf grünem Gras. Das Tier hat eine dicke, faltige Haut und ist mit mehreren Narben übersät. Der Kopf ist seitlich zu sehen, mit einem großen, runden Schnauzenbereich. Die Umgebung ist eine natürliche, grasbewachsene Fläche.
Das ist nicht Neil the Seal, denn dieser Artgenosse lagert friedlich an seinem Ruheplatz auf der Insel South Georgia.

Neil the Seal ist ein fünf Jahre alter, etwa eine Tonne schwerer Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina). An der Küste Tasmaniens zieht der junge Bulle durch die Ortschaften, wirft Verkehrsschilder um, rammt Autos und schläft in Wohngebieten einfach mitten auf der Straße ein. Über 1,5 Millionen Fans verfolgen seine Eskapaden in den sozialen Medien.

Im Grunde verhalte sich Neil völlig typisch für seine Art und sein Alter, meint Cara Field, Leiterin der Abteilung für Umweltmedizin am Marine Mammal Center in Kalifornien. Nur vielleicht etwas energischer. Beispielsweise kehrt er jedes Jahr zuverlässig an denselben Ort zurück. Wie die Ökologin Roxanne Beltran von der University of California in Santa Cruz in Studien zeigen konnte, verlassen sich die Tiere auf eine Art innere Landkarte, um nach monatelanger Nahrungssuche im offenen Meer zum richtigen Zeitpunkt den Weg zurück an Land zu finden.

Neil wurde 2020 in Tasmanien geboren und ist seitdem mehrfach dorthin zurückgekehrt. Als er noch klein war, hatten ihn Wildhüter von einer Sandbank gerettet, weil er zu ertrinken drohte. Die Behörden vermuten, dass seine Mutter auf See von der einsetzenden Geburt überrascht worden war und ihn deshalb auf der Sandbank zur Welt brachte.

Inzwischen ist Neil deutlich größer – und lebhafter. Einige seiner Verhaltensweisen, etwa das Zerstören menschlicher Infrastruktur, sind für einen jungen Seeelefanten eher ungewöhnlich, sagt Beltran. Doch sie weichen nicht völlig von dem ab, was Biologen von jugendlichen Individuen dieser Spezies erwarten.

Neil wird erst mit neun oder zehn Jahren ausgewachsen sein. In einer Kolonie kämpfen junge Männchen meist spielerisch miteinander, indem sie ihre Brüste aneinander rammen oder einander anknabbern – eine Art Übungskampf vor dem Erwachsenenalter.

Auf Tasmanien ist Neil jedoch ein Einzelgänger. »Da es keine anderen Seeelefanten gibt, sucht er sich andere ’Spielpartner‘ wie Autos, Pfosten oder Verkehrskegel«, sagt Field. Es sei gut, dass er dieses Verhalten zeige, auch wenn ihm die soziale Interaktion mit Artgenossen fehle, die männliche Seeelefanten normalerweise brauchen, um später einmal ein »Harem« aus Weibchen aufzubauen. Neils Auftauchen in Tasmanien könnte zudem ein positives Signal für die Art sein, die in Australien als gefährdet gilt. Seeelefanten waren einst in Teilen Tasmaniens verbreitet, wurden aber im frühen 19. Jahrhundert von Jägern ausgerottet, erklärt der Biologe Kris Carlyon vom Department of Natural Resources and Environment Tasmania auf einer Pressekonferenz Anfang Juli 2026. Weltweit ist die Art zudem durch den steigenden Meeresspiegel, heftigere Stürme infolge des Klimawandels, Überfischung und die Vogelgrippe bedroht.

»Neil könnte einer der ersten Südlichen Seeelefanten sein, die wieder in Tasmanien geboren wurden«, so Carlyon. Seine Rückkehr sei womöglich ein Zeichen dafür, dass sich seine Art langsam wieder erholt. »Unabhängig von den Herausforderungen, die Neil mit sich bringt, freuen wir uns, ihn hier zu sehen.«

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