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Erderwärmung: Seevögel: Größere Verbreitung durch Klimawandel

Balearen-Sturmtaucher
Die steigenden Temperaturen in Teilen des Atlantiks und der Nordsee verbessern womöglich die Lebensbedingungen für den Balearen-Sturmtaucher (Puffinus mauretanicus), der gegenwärtig vom Aussterben bedroht ist: Die außerhalb der Brutzeit weit umher streifenden Seevögel zeigen sich immer häufiger vor der Küste Englands, Schottlands und Norwegens, wo sie bis vor wenigen Jahren noch sehr selten waren.

Balearen-Sturmtaucher | Die Erwärmung des Atlantiks treibt die Balearen-Sturmtaucher weiter nach Norden, sodass sie nun zunehmend vor der englischen Küste auftauchen.
Nach Angaben von Wissenschaftlern um Russell Wynn vom britischen Zentrum für Ozeanografie steht dies in engem Zusammenhang mit der Erwärmung der Meere. Sie sorgt dafür, dass sich die wichtigsten Beutetiere der Sturmtaucher – Sardellen und Sardinen – im Nordatlantik zunehmend wohlfühlen. Bestätigt wird dies durch Fischereidaten, die einen rasche regionale Zunahme beider Fischarten belegen, dagegen schwanden die Bestände drastisch im Bereich der französischen Biskaya, wo sich die Sturmtaucher bis Anfang der 1990er Jahre nach dem Brüten bevorzugt aufhielten.

Stattdessen folgten die Seevögel ab diesem Zeitpunkt ihrer Beute nach Nordwesten, sodass sich ihre Sichtungen an den Küsten Großbritanniens und der Niederlande zunehmend häuften und 2001 innerhalb einer 25-jährigen Beobachtungsreihe ein vorläufiger Höchststand gemeldet wurde: Waren es zwischen 1980 und 1990 jährlich nur 500 Vögel, steigerte sich dies bis zum Anfang des neuen Jahrtausends auf 3500 Tiere.

Rarer Seevogel | Der Balearen-Sturmtaucher gehört zu den seltensten Vögeln Europas: Weniger als 2000 Paare brüten auf den balearischen Inseln.
Seitdem scheint sich die Aktivität der Sturmtaucher parallel zur fortgesetzten Meereserwärmung noch weiter nordwärts zu verlagern: Den leicht sinkenden Beobachtungszahlen im südlichen England und vor den Niederlanden stehen nun steigende Werte vor Schottland und Norwegen gegenüber. Die Ausweitung der Nahrungsgründe hat allerdings nicht dafür gesorgt, dass die Art sich auch neue Brutgebiete sucht – zumindest sind keine neuen Kolonien bekannt: Sie konzentrieren sich weiterhin auf die beiden Balearen-Inseln Formentera und Mallorca, wo die Zahl der Brutpaare jedoch zurückgeht. Ähnliche Expansionstendenzen haben Wissenschaftler auch bei weiteren wandernden Seevögeln wie dem Kapverdensturmvogel (Pterodroma feae) beobachtet. (dl)

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