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Seevögel: Mausbekämpfung rettet Vogelküken

Hungrige Mäuse fraßen auf Gough Island millionenfach Seevögel und ihre Küken. Dank intensiver Bekämpfung überlebt der Nachwuchs wieder. Doch die Nager könnten wiederkehren.
MacGillivray-Entensturmvogel
Dank intensiver Mäusekämpfung überleben die Küken des MacGillivray-Entensturmvogels wieder.

Am Ende waren selbst ausgewachsene Albatrosse nicht mehr sicher auf Gough Island: Hungrige Mäuse fraßen sie bei lebendigem Leib, wenn die Seevögel zum Brüten auf die kleine, britische Atlantikinsel kamen. Zudem fielen Millionen Küken den Nagern zum Opfer, die verglichen mit ihren festländischen Artgenossen deutlich größer wurden. Die Verluste waren so dramatisch, dass Ökologen dringend die Ausrottung der Mäuse empfahlen, was 2021 tatsächlich angegangen wurde und den Seevögeln im Jahr 2022 zumindest eine Atempause verschafft hat. Das berichtet die verantwortliche britische Vogelschutzorganisation RSPB in ihrem Blog.

Die abgelaufene Brutsaison war demnach die erfolgreichste für verschiedene Arten seit mindestens zehn Jahren. Bei dem vom Aussterben bedrohten MacGillivray-Entensturmvogel (Pachyptila macgillivrayi) etwa wurden 82 Prozent der Küken flügge, während der Durchschnitt der Vorjahre bei sechs Prozent lag. In manchen Jahren überlebte sogar kein einziges Jungtier die Mausattacken. Bei den noch stärker bedrohten Tristan-Albatrossen (Diomedea dabbenena) nahm die Erfolgsquote von 32 auf 76 Prozent zu und beim Grausturmvogel (Procellaria cinerea) von 30 auf 75 Prozent. »Alles in allem hatten die Seevögel auf Gough dieses Jahr eine phänomenale Brutsaison, und es gab keine Anzeichen für Mäusefraß«, schreibt der RSPB.

Ungetrübt ist die Freude dennoch nicht. Schon Ende 2021 hatte das Beobachtungsteam auf Gough eine überlebende Maus entdeckt. Und nach dem Südsommer 2022 bemerkten die vor Ort befindlichen Ökologen sogar eine rasche Zunahme der Mäusenachweise. Die Ausrottungskampagne war also nicht vollständig geglückt. Immerhin sorgte der umfassend reduzierte Mäusebestand dafür, dass die noch verbliebenen Nager ausreichend alternatives Futter vorfanden und keine Seevögel attackierten.

Wie lange dies aber anhält, können die Wissenschaftler momentan noch nicht absehen: Die Mäuse vermehren sich ohne natürliche Fressfeinde rasch und können sich unter günstigen Bedingungen bald wieder zu Hunderttausenden über die Insel verteilen. Bei Nahrungsmangel im Winter drohen dann erneut Angriffe auf nistende Seevögel, ihre Eier und Küken.

Im Gegensatz zu Ratten sind Mäuse schwerer zu bekämpfen und ihre komplette Ausrottung auf Inseln gelingt daher seltener als bei ihren Verwandten. Dennoch will der RSPB einen erneuten Anlauf nehmen und Gough von der eingeschleppten Art befreien. Nur dann können die See- und Landvögel der Insel sowie andere endemische Pflanzen und Tiere des Eilands dauerhaft überleben.

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