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News: Seitensprung gegen Inzucht

Viele Vögel nehmen es mit der Treue nicht so genau. Doch selbst in normalerweise monogamen Partnerschaften kommen Seitensprünge vor - so wird das Erbgut der Sprösslinge mit fremden Genen aufgefrischt.
Inzucht kann fatale Folgen haben: Da das Erbgut von nahen Verwandten sehr ähnlich ist, erhöht sich die Gefahr, dass nachteilige Gene von beiden Elternteilen vererbt werden und damit im Nachwuchs zum Zuge kommen. Eine verringerte Fitness gehört noch zu den erträglichen Konsequenzen, in schlimmeren Fällen sind die Sprösslinge schlicht nicht lebensfähig.

Ein Problem, vor dem offenbar auch der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), Bergstrandläufer (Calidris mauri) und Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) stehen. Und um die daraus resultierenden Folgen abzumindern, haben sie sich offenbar einen Ausweg erdacht, der auf den ersten Blick verblüffend wirkt: gezielte Seitensprünge. Verblüffend deshalb, weil die Tiere ihren Partnern normalerweise treu sind.

Denn trotz der monogamen Lebensweise ziehen die Watvögel in ihren Nestern regelmäßig Junge groß, die offenbar nur von einem der beiden Nestbetreuer abstammen. Entweder sind sie Folge eines außerehelichen Abenteuers der Mutter, oder ihr Vater vergnügte sich mit einem anderen Weibchen, das ihre Eier dann in bester Kuckucksmanier in dem Nest ablegt. Die gesamte Eierzahl bleibt dabei gleich – ob sie dafür also andere Eier entfernt oder das zum Nest gehörende Weibchen dann weniger Eier legt, ist noch nicht geklärt.

Bart Kempenaers von der Forschungsstelle Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft und seine Kollegen sahen sich nun das Erbgut der Tiere und ihrer Nachkommen einmal genauer an. Und siehe da: Diejenigen Paare, die außereheliche Nachkommen großzogen, waren sich genetisch deutlich ähnlicher als ihre Artgenossen, die sich treu geblieben waren.

Der Nutzen ist klar: Die Gene eines anderen Partners frischen das eingeschränkte Erbgut auf und vermeiden so negative Folgen der Inzucht. Es bleibt allerdings die große Frage – wie erkennen die Vögel überhaupt, dass ihr Partner zu nah verwandt ist? Im Falle der Weibchen könnte ein Mechanismus greifen, der eine Befruchtung der Eier durch genetisch zu ähnliche Spermien verhindert und die erwartungsvollen Mütter in spe daher in die Untreue treibt. Doch woher wissen die Männchen, dass sie sich ein Abenteuer gestatten sollten? Die Schlüsselreize für dieses Verhalten aufzuspüren, ist die Herausforderung, die sich den Wissenschaftlern nun in zukünftigen Forschungsarbeiten stellt.

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