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Anatomie: Selbst tote Flamingos können auf einem Bein stehen

Auf beiden Beinen zu stehen, kostet Flamingos offenbar mehr Energie als der einbeinige Stand. Ihre wundersame Anatomie hält sie aufrecht, sogar noch nach dem Tod.
Flamingos im WasserLaden...

Für Menschen ist der einbeinige Stand immer eine Wackelpartie, vor allem bei geschlossenen Augen. Um nicht umzukippen, müssen die Muskeln permanent die leichten Schwankungen ausgleichen. Nicht so bei Flamingos: Sie kostet es weniger Kraft, auf einem Bein zu stehen als auf zweien. Deswegen können sie auch beruhigt auf einem Bein ein Schläfchen machen, ohne dabei umzukippen. Das zeigt jetzt eine Untersuchung von Young-Hui Chang und Lena Ting. Die Wissenschaftler haben dazu Messungen mit Flamingoküken angestellt und zwei tote Exemplare aus einem Zoo seziert.

Kleiner Flamingo bei der MessungLaden...
Kleiner Flamingo bei der Messung | Das Messgerät, auf dem der Vogel steht, zeigt, dass die Tiere umso weniger schwanken, je weniger aktiv sie sind. Offenbar ist die kraftsparendste Methode der Stand auf einem Bein.

Wie sie in ihrem Artikel in "Biology Letters" schreiben, waren sie verblüfft davon, dass die toten Tiere immer noch auf einem Bein aufrecht standen, sofern man sie oberhalb des Knöchels, also am oberen Ende des Beins, festhielt. Keines der im Körper verborgenen Beingelenke knickte dabei ein; selbst wenn sie den Körper weit aus der Senkrechten drehten, wippte er immer wieder in die Ausgangslage zurück (Originalvideo). Das Gewicht der Vögel genügte, um den Körper zu balancieren. Stellten sie die Kadaver hingegen auf zwei Füße, sackte der Körper weg. Für die beiden Forscher, Chang vom Georgia Institute of Technology und Ting von der Emory University, beides in Atlanta, gab dies den Hinweis darauf, dass die Vögel für den beidfüßigen Stand mehr Muskelkontrolle aufbringen müssen als für den Einbeinstand.

An jungen Flamingos überprüften sie diesen Zusammenhang. Sie stellten die Tiere auf ein Messinstrument, das die Kraftverteilung auf der Unterlage erfasst. Es zeigte sich, dass die Tiere durchaus beim Einbeinstand schwankten, allerdings vor allem dann, wenn sie wach und aufmerksam waren. Je ruhiger und schläfriger ein junger Flamingo wurde, desto stabiler stand er auf der Unterlage.

Nach Meinung der Forscher muss es ein passives System geben, das die Flamingos in der Senkrechten hält und es ihnen erlaubt, es sich auf einem Bein gemütlich zu machen. Hüft- und Kniegelenk scheinen über einen noch nicht näher identifizierten Mechanismus so ineinanderzugreifen, dass sie sich nicht gegeneinander verschieben lassen. Ähnliches kennt man auch von anderen Vögeln. Viele können ihre Gelenke mechanisch so arretieren, dass sie beim Schlafen nicht vom Ast fallen.

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