Selbstvertrauen: Gute Zweifel, schlechte Zweifel

Selbstvertrauen gilt als Schlüssel zur persönlichen Entwicklung. Es zu stärken, ist das erklärte Ziel vieler Selbsthilferatgeber. Und das bedeutet, mit etwaigen Selbstzweifeln aufzuräumen. Kein Zögern, keine Ausflüchte: die Unsicherheiten beiseiteschieben und geradewegs zum Erfolg! Aber sind Zweifel tatsächlich immer ein Hemmnis? Oder könnten sie sich wider Erwarten auch als nützlich erweisen?
Eine Studie aus dem Jahr 2025 weist in diese Richtung. Der Psychologe Patrick Carroll von der Ohio State University widmet sich darin jenen Momenten im Leben, in denen man sich wie gelähmt, von Zweifeln überwältigt und handlungsunfähig fühlt. Diese »Handlungskrisen«, wie er sie nennt, entstehen aus einer kritischen Neubewertung langfristiger Ziele: Werde ich es schaffen, diesen Job zu bekommen, diesen Abschluss zu machen, das Team zum Erfolg zu führen? Soll ich weitermachen oder doch lieber die Richtung wechseln? Solche Fragen kommen oft dann auf, wenn sich Hindernisse in den Weg stellen. Und sie gehen mit tiefen Zweifeln einher, die die Motivation untergraben.
Wenn Sie daran zweifeln, dass der Weg vor Ihnen der richtige ist – sind Sie sicher, dass dieser Zweifel begründet ist?
Carroll konzentrierte sich jedoch nicht auf die Zweifel selbst, sondern auf das, was Psychologen »Metazweifel« nennen: die Zweifel an den eigenen Zweifeln. Ein Beispiel: Wenn Sie daran zweifeln, dass der Weg vor Ihnen der richtige ist – ist dieser Zweifel auch begründet? In einer ersten Studie bat der Psychologe seine 267 Versuchspersonen, in einem Fragebogen über eigene Lebenskrisen zu berichten – Phasen, in denen sie zweifelten, ob sie ihre Ziele würden erreichen können. Im zweiten Schritt sollte die Hälfte von ihnen eine Situation schildern, in der sie ihren eigenen Überlegungen vertraut hatten, während die andere Hälfte eine Situation beschrieb, in der sie die eigenen Gedanken hinterfragt hatten.
Das Ergebnis: Diejenigen, die über eine Episode des Selbstvertrauens berichten sollten, äußerten sich anschließend im Mittel weniger motiviert und entschlossen, ihre persönlichen Ziele zu verfolgen. Die Schreibübung hatte sie in ihren Zweifeln bestärkt und somit ihre Selbstverpflichtung (»Commitment«) geschwächt. Im Gegensatz dazu bekundeten diejenigen, die sich an eine Episode der Unsicherheit zurückerinnern sollten, anschließend mehr Commitment. Dank dieser Übung in Selbstreflexion vertrauten sie ihren Zweifeln weniger – was offenbar ihr Selbstvertrauen stärkte.
In einer älteren Versuchsreihe wurde der Metazweifel auf andere Weise hervorgerufen. In einem Experiment beispielsweise sollten Studierende entweder drei persönliche Stärken oder drei Schwächen aufschreiben – allerdings mit ihrer nicht-dominanten Hand (also der linken, sofern sie Rechtshänder waren). Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass das Schreiben mit der nichtdominanten Hand Zweifel an den verfassten Inhalten hervorruft, so als äußere sich deren Qualität in der unsicheren Handschrift. Unter diesen Umständen neutralisiert das Aufschreiben mit der schwächeren Hand das fehlende Selbstvertrauen, während das Schreiben mit der dominanten Hand den Inhalt bekräftigt. Einen ähnlichen Effekt beobachteten die Forscher auch bei Kopfbewegungen: Wer den Kopf auf Anweisung nach rechts und links dreht (in unserer Kultur ein Zeichen der Ablehnung), zweifelt mehr an dem, was er dabei äußert – obwohl das Kopfschütteln auf Anweisung und nicht aus eigenem Antrieb erfolgt.
Auf diese Weise können Zweifel dafür sorgen, dass wir uns nicht weniger, sondern mehr engagieren. Wer nicht sicher ist, sein Ziel zu erreichen, sollte seine Zweifel also hinterfragen. Außerdem könnte es helfen, Selbstzweifel mit der nichtdominanten Hand aufzuschreiben. Man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen und bei der Lektüre von Selbsthilfebüchern stets daran denken, hin und wieder den Kopf zu schütteln.
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