Direkt zum Inhalt
Neuentdeckung

Zwerggalaxien beleuchten Galaxienentwicklung

Ihre Existenz war lange vermutet worden, jetzt hat man sie endlich dingfest gemacht: isolierte Gruppen aus Zwerggalaxien. Sie geben wichtige Hinweise auf die Galaxienentstehung.
Die Kaulquappen-Galaxie LEDA 36252 in einer Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble

Schon seit Langem suchen die Astronomen nach kleinen, isolierten Gruppen aus Zwerggalaxien, aus denen infolge von Verschmelzungen untereinander größere Welteninseln mittlerer Masse entstehen können. Nun meldet eine Forschergruppe um Sabrina Stierwalt vom National Radio Astronomy Observatory im US-Bundesstaat Virgina den Nachweis von bis zu sieben isolierten Anhäufungen aus Zwerggalaxien.

Eine isolierte Gruppe aus Zwerggalaxien (Aufnahme mit dem Magellan-Teleskop)
Eine isolierte Gruppe aus Zwerggalaxien | Mit dem 6,5-Meter-Magellan-Teleskop in Chile gelang diese Aufnahme einer isolierten Gruppe aus Zwerggalaxien im sichtbaren Licht. Die rötlichen Knoten in den Zwerggalaxien weisen auf derzeit ablaufende intensive Sternentstehung hin. Die unregelmäßigen Formen dürften auf gravitative Wechselwirkungen untereinander zurückzuführen sein.

Bei den meisten Galaxien gehen die Astrophysiker davon aus, dass sie aus der Kollision und Verschmelzung von Zwerggalaxien hervorgingen; dies wird als hierarchisches Modell bezeichnet. Die meisten bekannten Zwerggalaxien sind Begleiter von großen Welteninseln, isolierte Ansammlungen dieser Objekte machten sich bislang sehr rar. Die nun entdeckten Gruppen bestehen aus drei bis fünf Mitgliedern und sind zwischen 210 und 660 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Bei der Suche nach ihnen in den Daten der Himmelsdurchmusterung Sloan Digital Sky Survey (SDSS) achteten die Forscher um Stierwalt darauf, dass sie rund fünf Millionen Lichtjahre von der nächsten größeren und massereichen Galaxie entfernt sind. Somit konnten sie ausschließen, dass es sich um Satellitengalaxien handelt.

Die sieben nun entdeckten Zwerggalaxiengruppen enthalten zwischen einem Zehntel und einem Tausendstel der Masse unseres Milchstraßensystems an gewöhnlicher, baryonischer Materie. Sie sind damit aber viel zu massearm, um über längere Zeit zusammenhalten zu können. Somit müssen diese Gruppen große Mengen der nach wie vor rätselhaften Dunklen Materie enthalten. Die Forscher berechneten, dass die Masse der Dunklen Materie bei den Gruppen zwischen dem 12- und dem 70-Fachen der gewöhnlichen, baryonischen Materie beträgt. Dies wäre in Übereinstimmung mit den bei einzelnen Zwerggalaxien ermittelten Massenverhältnissen von 1 : 10 bis 1 : 100. Somit enthalten die Zwerggalaxiengruppen keinen ungewöhnlich hohen Anteil an Dunkler Materie. Die Astronomen um Stierwalt gehen davon aus, dass diese Zwerggalaxiengruppen innerhalb von einer Milliarde Jahren zu isolierten Einzelgalaxien mit maximal etwa einem Zehntel der Masse unseres Milchstraßensystems verschmelzen.

04/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 04/2017

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

  • Quellen
Originalarbeit: Stierwalt, S. et al., Nature Astronomy 1, doi:10.1038/s41550–0025, 2017

SciViews