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Sanxingdui: Gaben für Götter aus Gold und Bronze

Im Südwesten Chinas haben Menschen vor rund 3200 Jahren massenhaft Kunstwerke in großen Erdgruben vergraben. Warum und wieso gerade dort, stellt Archäologen vor ein Rätsel.
Spitze Augen, große Ohren, kantige Gesichtszüge – der Kopf aus Bronze zeigt die für die Sanxingdui-Kultur typischen Stilformen. Das Gesicht ist mit einer dünnen Goldfolie belegt. Die Skulptur kam in einer von acht großen Opfergruben ans Licht.

Zum Schluss schleppten die Menschen aus Sanxingdui noch etwas Besonderes zum Opferplatz: dutzende Stoßzähne männlicher Elefanten. In meterhohen Feuern sengten sie jeden davon an. Dann legten sie die Stoßzähne in die Erdgrube, in der sie bereits dutzende kunstvolle Gefäße, Skulpturen und Geräte aufeinandergeschichtet hatten. Zunächst kleinere Objekte, bis diese den gesamten Boden der rechteckigen Vertiefung bedeckten. Als Nächstes holten sie schwere Bronzeköpfe von hölzernen Stelen, die unweit der Grube standen. Die überlebensgroßen Bildnisse gelangten ebenfalls in die Erde – und schließlich die wuchtigen Stoßzähne. »Das alles waren Gaben für eine höhere Macht«, sagt Jay Xu, Direktor des Asian Art Museum in San Francisco und Experte für die Opfergruben von Sanxingdui (sprich »Sanschingdui«), einem Ort in der Provinz Sichuan im heutigen Südwesten Chinas.

»Sanxingdui war vor mehr als 3000 Jahren eine der größten Städte Ostasiens«, erklärt Xu. »Dort hat sich die politische Macht in der Tiefebene von Sichuan konzentriert.« Für Archäologen ist inzwischen klar, dass Sanxingdui nicht nur eines der großen überregionalen Zentren der frühen Bronzezeit in Ostasien war. Die Stadt beheimatete offenbar eine eigenständige Kultur, die sich völlig von der in den Siedlungen Zentralchinas unterschied – dort, wo Forschende lange Zeit die Wiege der chinesischen Kultur wähnten. Doch die Funde aus Sanxingdui lassen nun an dieser Idee zweifeln.

Riesige Köpfe aus Bronze, dünne Masken aus Gold

1929 hatte ein Bauer die ersten Stücke entdeckt, als er einen Brunnen grub und dabei Jadegefäße aus der Erde holte. Das Meiste verkaufte er an private Händler. Chinesische Archäologen suchten daraufhin die rund 40 Kilometer nördlich der Millionenstadt Chengdu gelegene Region immer wieder ab, stießen aber auf keine weiteren Hinweise für die Kultur von Sanxingdui. Erst 1986 fanden Arbeiter zufällig bei Bauarbeiten die beiden ersten rechteckigen Vertiefungen voller Opfergaben.

Jetzt berichten die Ausgräber im »National Science Review«, einem unter der Schirmherrschaft der Chinesischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Magazin, von sechs weiteren Gruben. Und womöglich schlummern in der Erde von Sanxingdui noch mehr derartige Anlagen.

Der Boden der kleinsten Grube mit der Grabungsnummer 5 misst 5 Quadratmeter in der Fläche; der Grund der größten Grube, Nummer 8, umfasst 20 Quadratmeter. Die Vertiefungen reichen einen halben bis zwei Meter hinab. Von den bisher acht identifizierten Anlagen, von denen zwei bereits 1986 ausgegraben wurden, haben die Archäologen bis zum März 2021 vier weitere frei gelegt. Alle waren randvoll mit hunderten Artefakten aus Gold, Bronze, Jade und Ton; es handelt sich um Gefäße, Skulpturen, Masken, Geräte und die Stoßzähne.

Grabung | Um den Befund nicht zu verunreinigen, gehen die Archäologen in Schutzanzügen zu Werk. Über die Gruben ließen sie zudem einen großen Schutzbau errichten. So können sie die Objekte bei gleichbleibender Feuchtigkeit und Temperatur frei legen.

Es sind spektakuläre Funde – darunter etwa die Bronzefigur eines knienden Mannes mit aufgestellten Haaren und übergroßen Händen, ein mehrteiliger Bronzealtar und eine Maske mit gelängten Ohren aus dünnem Goldblech. Und dabei handelt es sich längst nicht um die außergewöhnlichsten Stücke. Die Archäologen legten gegossene Bronzeköpfe frei, anderthalb Meter groß mit kantigen Gesichtszügen, stabartigen Augen und abstehenden Ohren. Bei den ersten Grabungen im Jahr 1986 holten die Forscher auch eine Bronzestatue aus der Erde – 2,62 Meter groß. In den Händen der Figur war wohl einst ein großer Elefantenstoßzahn eingelassen. Das größte Fundstück dürfte eine fast vier Meter hohe Baumskulptur aus Bronze sein. Sie ist verziert mit Blumen, Ornamenten und in der alten chinesischen Kultur seltenen Mischwesen, halb Mensch, halb Vogel. Kurzum: Die Objekte aus den sechs Opfergruben stammen von einer Kultur, die während der chinesischen Bronzezeit Meisterwerke hervorgebracht hat.

Eine bislang unbekannte Zivilisation im Südwesten Chinas

Schon als Arbeiter die ersten beiden Gruben entdeckt hatten, waren die Archäologen angesichts der Fülle an Funden einer bis dahin völlig unbekannten Kultur erstaunt. Stil und Art der meisten Kunstwerke unterschieden sich von den Stücken anderer Regionen. Offenbar hatte es neben den Zivilisationen am Mittellauf des Gelben Flusses, wo später die erste chinesische Kaiserzeit ihren Anfang nahm, im Südwesten des Landes ebenfalls eine weitere fortgeschrittene Kultur gegeben, so das Fazit der Forscher. Dort, im fruchtbaren Sichuan-Becken, hatten schon vor mehr als 3200 Jahren Menschen in größeren Siedlungen gelebt. »Eine hoch entwickelte Kultur«, sagt Jay Xu, der viele Objekte aus den ersten beiden Gruben untersucht hat.

Kniender | Die Bronzefigur eines Mannes mit aufragendem Haar lag in Opfergrube Nummer 4. Zwischen den Händen war einst ein weiteres Objekt befestigt.

Die neuen Anlagen belegen nun, dass die Opferrituale wohl keine einmalige Aktion waren, sondern dass Zeremonien dieser Art häufiger stattfanden. »Es waren offenbar Aktivitäten, die in regelmäßigen Abständen abgehalten wurden«, sagt Anke Hein, Professorin für Chinesische Archäologie an der University of Oxford. Auch wenn sich nicht im Detail rekonstruieren lässt, was rund um die Opfergruben vor mehr als 3000 Jahren geschah, so sind sich Experten weltweit inzwischen einig, dass sie für die damalige Gesellschaft von enormer Bedeutung gewesen sein müssen. »Es waren zentrale rituelle Handlungen«, sagt Hein.

Vermutlich erstreckt sich der Ursprung der Fundstücke nicht über mehrere Jahrhunderte. Die Ausgräber haben aus Grube 4 dutzende organische Proben genommen und diese per Radiokarbonmethode datiert. Das Ergebnis: Die Objekte stammen aus einer Zeit zwischen 1000 und 1200 v. Chr. Zudem ähneln sich die Gefäße und Figuren aus allen geöffneten Gruben in Machart und Material. Zeitlich können sie demnach nicht in allzu großem Abstand voneinander entstanden sein.

Gaben an die Götter mussten unbrauchbar gemacht werden

Bemerkenswert ist eine Sache, die alle Gruben gemeinsam haben: Die Objekte waren verbrannt oder bewusst zerstört worden, ehe man sie schichtweise ins Erdreich legte. Die Stoßzähne waren angeschmort, die Bronzefiguren verbogen oder durch die Hitze deformiert. »Durch Verbrennen wird etwas Menschliches in etwas Überirdisches verwandelt«, sagt Xu. Auch aus anderen Kulturen kennen Archäologen dieses Phänomen: Um Gegenstände unwiderruflich an eine Gottheit zu übergeben, mussten sie untauglich gemacht werden. Und dass hier übernatürliche Mächte beschworen werden sollten, darauf deuten die Goldmasken und Bronzeköpfe hin, deren übersteigerte Gesichter mit ihren großen Augen und Ohren wohl keine naturalistischen Menschenbilder meinten. »Wen die Bildnisse zeigen sollen, weiß man noch nicht genau – vielleicht Ahnen, Gottheiten oder einen Stammvater«, erklärt der Archäologe und Chinaexperte Patrick Wertmann von der Universität Zürich.

In jedem Fall opferten die Leute von Sanxingdui ihren wertvollsten Besitz. »Es waren Gegenstände, die zuvor in der Gemeinschaft sehr wichtig waren«, sagt Xu. »Keine Alltagsgegenstände, sondern vermutlich Kultobjekte«, fügt Wertmann hinzu.

Stielaugen | An dem überlebensgroßen Kopf aus Bronze stehen die Ohren ab, der Mund ist breit gezogen, und die Pupillen treten weit hervor. Welches Wesen dargestellt sein soll, ist unbekannt.

Die vielen Neufunde begeistern auch internationale Experten wie den US-Archäologen Rowan Flad von der Harvard University. »Wir haben durch die sechs neuen Gruben so viel Material, das wir vergleichen können, um mehr über die tatsächlichen Rituale und ihre Bedeutung zu erfahren«, sagt Flad. Ihn interessiert, warum verschiedene Dinge schichtweise niedergelegt wurden und was es mit der obersten Lage auf sich hat: den Elefantenstoßzähnen. In einer Grube fanden die Ausgräber 80 Stück davon – ein enorm wertvolles Gut. Denn nur männliche Elefanten haben solche meterlangen Hauer aus Elfenbein. Sie zu jagen und dann eine derart große Menge in eine Opfergrube zu legen, sei ein Beleg für die Macht der damaligen Menschen, so Flad. So eine Jagd habe ein hohes Maß an Organisation erfordert, und sie dürfte sich über weite Gebiete erstreckt haben.

Überhaupt müssen Elefanten eine wichtige Rolle gespielt haben. Davon ist auch Patrick Wertmann überzeugt. Der Archäologe betont, dass damals in der Provinz Sichuan Elefanten heimisch waren und umherstreiften. »Etwas weiter südwestlich gibt es sie heute noch.« In den Gruben sind die Tiere allgegenwärtig. Die Menschen von Sanxingdui verehrten sie vermutlich, überlegt Wertmann. Er verweist auf die große Statue, in deren Handöffnungen vielleicht einst ein Stoßzahn lag. Auf dem Sockel der Figur sind Elefantenschädel abgebildet. Stellte sie eine Art Elefantengott dar? »Denkbar, aber das lässt sich bislang noch nicht beantworten«, erklärt Wertmann.

Chinas Begeisterung für die eigene Geschichte

Reichtum, kunstvolle Objekte, die Fähigkeit, Metalle wie Gold oder Legierungen wie Bronze zu verarbeiten, ein großes Maß an Organisation – all das sind Hinweise auf eine hoch entwickelte Kultur. Die Verzierungen und die Art der Gegenstände waren einzigartig für China, anders gestaltet als viele bekannte Funde aus den zentralchinesischen Regionen um den Gelben Fluss. Und so ist die Begeisterung in China derzeit groß. »Das öffentliche Interesse ist enorm«, sagt Lothar von Falkenhausen, Professor für Chinesische Archäologie an der University of California in Los Angeles, ein Experte für die chinesische Bronzezeit. »Die Menschen wollen das miterleben.« Neue Museen etwa im Stadtviertel Jinsha der Provinzhauptstadt Chengdu sind entstanden. Zudem berichtete im März 2021 das Staatsfernsehen tagelang live von den Grabungen in Sanxingdui, wie Patrick Wertmann weiß.

Die neuen Funde von Sanxingdui werden in China als eine der wichtigsten Entdeckungen des Landes eingestuft, wichtiger sogar als die Terrakotta-Armee im Grab des ersten Kaisers. Die Regierung habe den Ort auf Grund der aktuellen Ausgrabungen als vorrangig eingestuft, Archäologen aus dem ganzen Land sind dorthin beordert worden, erzählt Anke Hein, die engen Kontakt zu chinesischen Forschern hat. Mehr als 120 Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Ausgrabungsstätte.

Auch sonst werden Grabungen und Denkmalschutz in China von höchster Stelle vorangetrieben: In den vergangenen zwei Jahren ließ Staatspräsident Xi Jinping immer wieder verlautbaren, die Archäologie solle nicht nur die Kulturgeschichte erforschen, sondern sei auch politisch und gesellschaftlich bedeutsam. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur »Xinhuanet« sagte Xi, dass die Grabungsfunde den Ursprung und die Entwicklung der chinesischen Kultur, deren ruhmreiche Errungenschaften sowie großartige Beiträge zur Kultur dieser Welt offenbaren würden. Dafür brauche es eine Archäologie chinesischer Machart und Überzeugung. »Wie diese genau aussieht, daran wird derzeit noch gearbeitet«, sagt Patrick Wertmann. »Aber sicher ist: In China wird die Archäologie extrem gefördert.«

Es gab sicher keine Außerirdischen in Sanxingdui

In internationalen Fachzeitschriften und offiziellen Grabungsberichten ist aus Sanxingdui bislang praktisch nichts publiziert. Lediglich ein paar chinesische Websites und Diskussionsforen zeigen Bilder der neuen Funde. Dort tauschen sich Experten und interessierte Laien vor allem über die Gold- und Bronzeobjekte sowie deren Entstehung aus – mit bisweilen nicht ganz ernst gemeinten Annahmen: Die Masken mit ihren schrägen Augen und großen Ohren etwa wären Beweis für den Besuch von Außerirdischen.

Lebensbaum | In einer Opfergrube lag eine Baumskulptur vergraben. Sie wurde restauriert und im Museum von Sanxingdui ausgestellt.

Internationale Experten wie Rowan Flad oder Lothar von Falkenhausen haben zumindest in Onlinekonferenzen von neuen Erkenntnissen erfahren. So berichtet Flad, dass die Archäologen jenseits der acht Opfergruben langsam ein klareres Bild von der gesamten Siedlung und ihrer Bedeutung für die Region gewinnen. Forschenden wie Flad geht es um mehr als um Gold und Bronze. Sie wollen die Lebensbedingungen und Denkweisen vergangener Kulturen rekonstruieren. Sie wollen verstehen, ob es Eliten in Sanxingdui gab, eine Hierarchie in der Gesellschaft und welche Beziehungen die Menschen zu ihren Nachbarn hatten, mit wem sie Handel trieben.

In der Tat bekommen die Archäologen eine bessere Vorstellung von der mysteriösen Kultur. Mittlerweile ist klar, dass die Bewohner von Sanxingdui in engem Austausch mit anderen Kulturen standen. Die Technik, mit der sie Gefäße und Skulpturen aus Bronze gegossen haben, stammt aus dem mittleren Jangtse-Becken, aus den heutigen Provinzen Hubei und Hunan. Oft gelangten die Behälter von dort nach Sanxingdui, wo sie umgestaltet wurden. Auch die Jadegefäße und Töpferwaren lassen auf Handelsbeziehungen schließen, diesmal eher mit nördlich gelegenen Regionen. Immer wieder, so scheint es, haben die Menschen aus Sanxingdui Gegenstände importiert und sie entsprechend ihren Bedürfnissen anders genutzt.

Seide aus Sanxingdui, mehr als 3000 Jahre alt

Vor Ort suchen die Archäologen weiter nach Spuren und Besonderheiten dieser Kultur. Etwa nach herausgehobenen Gebäuden, Palästen, Friedhöfen. Nahe dem Fluss habe man die aufwändig gebauten Fundamente größerer Bauwerke entdeckt. Das Fundament wurde dort stark verfestigt, stärker als bei einer einfachen Wohnhütte. Bis zu 65 Meter lang waren die Gebäude, sagt Flad. Über die Höhe weiß man nichts, aber aus anderen Orten der Region kenne man ebenfalls mehrgeschossige Bauten. Zudem stießen die Ausgräber auf Hinweise für Werkstätten, wo Handwerker Bronze oder Gold verarbeiteten. Die Gesellschaft dürfte also eine Arbeitsteilung gekannt haben.

Bei den jüngsten Grabungen kamen auch erstmals Reste von Seide ans Licht, mehr als 3000 Jahre alt. Eine kleine Sensation, denn das feine Gewebe zerfällt meist innerhalb von Jahrzehnten in der Erde. »Das ist eine großartige Entdeckung«, sagt Patrick Wertmann. »Bisher gab es weder Belege für Seide in Sanxingdui noch zeitgleiche Funde aus dieser Region Chinas – dabei gilt heute im Land gerade die Provinz Sichuan als einer der Ursprungsorte der Seidenproduktion.«

Elefantengott? | Die mehr als zweieinhalb Meter hohe Männerfigur hielt womöglich einst einen Stoßzahn in Händen. Auf dem Sockel sind Elefantenschädel dargestellt. Handelt es sich um das Bildnis eines Elefantengotts?

Inzwischen haben die Archäologen die Überreste einer fast sieben Kilometer langen Stadtmauer ausgegraben. Die mächtige Lehmfeste, deren Fundamente noch an einigen Stellen erhalten sind, liefert eine grobe Vorstellung davon, wie groß die Stadt war: Mindestens drei Quadratkilometer dürfte das umwallte Gebiet umfasst haben, eine enorme Fläche für eine Stadt in der Bronzezeit.

Außerhalb der Anlage haben die Forscher überdies Hinweise auf dicht bewohnte Quartiere entdeckt. Die gesamte Siedlung nahm also noch deutlich größere Ausmaße an. Chinesische Experten sprechen von zwölf Quadratkilometern. So gehen auch die Schätzungen für die Einwohnerzahl auseinander. Manche Forscher rechnen mit 30 000 Menschen, die in Sanxingdui lebten, Rowan Flad setzt die Zahl konservativer an: Er geht von rund 10 000 Einwohnern aus.

Keine Stadtmauer, sondern eine Flutbarriere?

Die Mauer selbst ist imposant und in ihrer Form bemerkenswert. Sie war 6 Meter hoch und am Fuß 40 Meter breit, entsprach aber in ihrer Form keiner typischen Wehranlage. »Die Innenseite der Mauer steigt sehr steil an«, erzählt Flad. »Und außen ist sie flacher geneigt.« Für eine Verteidigung sei das nicht gerade ideal. An der Außenseite sei die Befestigung zudem sehr weich beschaffen gewesen. Laut Flad wirke es so, als ob die beiden Flüsse, die einst durch Sanxingdui flossen, immer wieder Sedimente herangespült hätten. »Möglicherweise diente die Wehranlage als gigantische Flutmauer – als Barrieren gegen die nach dem Monsunregen anschwellenden Flüsse.«

Diese Vermutung würde vielleicht auch das Schicksal der Stadt erklären. Womöglich beschädigten immer wieder Überschwemmungen die Siedlung. Jedenfalls war sie im 11. Jahrhundert v. Chr. wohl relativ schnell verlassen worden, in Richtung Jinsha, wo heute ein Wohnviertel der Millionenstadt Chengdu liegt. Möglicherweise, sagt Jay Xu, der Sanxingdui-Experte aus San Francisco, war genau diese ständige existenzielle Bedrohung durch die Monsunfluten der Grund, den höheren Mächten zu opfern. Mit aufwändigen Ritualen und riesigen Gruben, die die Menschen von Sanxingdui mit ihren wertvollsten Gütern füllten, um die Götter gnädig zu stimmen.

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