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Einvernehmlicher Sex: Junge Männer setzen auf nonverbale Signale

Männer wissen heute: Sex braucht klare Zustimmung. Doch in der Praxis fragen sie selten explizit nach einem »Ja«.
Ein künstlerisches Foto von zwei Personen, die sich küssen. Die Szene ist in warmes, goldenes Licht getaucht, das die Konturen der Gesichter betont und eine romantische Atmosphäre schafft. Die Beleuchtung erzeugt weiche, fließende Linien um die Silhouetten der Personen.
Willst du das wirklich? Bei der Anbahnung von Intimität herrscht teils Unsicherheit. (Symbolbild mit Fotomodellen)

Männer wissen heute ziemlich genau, dass Sex nur mit klarer Zustimmung stattfinden darf. Doch in der Praxis verlassen sich die meisten auf Blicke und Gesten, statt explizit das »Ja« des Gegenübers einzuholen. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Journal of Sex & Marital Therapy« erschienen ist.

Ein Forscherteam um Jossy Forrest von der University of Melbourne hat 35 mehrheitlich heterosexuelle Männer zwischen 18 und 32 Jahren in ausführlichen Einzelinterviews befragt. Die Forschenden wollten wissen: Was verstehen junge Männer heute unter Einvernehmlichkeit beim Sex – und wie stellen sie konkret sicher, dass beide wirklich wollen?

Zunächst deutet vieles auf einen Erfolg der Aufklärungskampagnen der letzten Jahre hin. Fast alle gaben an, die Entscheidung für oder gegen körperliche Intimität müsse stets freiwillig sowie informiert sein und dürfe nicht durch Alkohol oder andere Substanzen maßgeblich beeinträchtigt sein. Doch bei der Frage, wie sie das in der Praxis umsetzen, gaben viele der Befragten Unsicherheit zu. Direkt zu fragen »Willst du das?« empfanden etliche als unromantisch, störend oder sogar als Stimmungskiller. Manche berichteten, ihr Gegenüber hätte irritiert reagiert, wenn sie wiederholt nachgehakt hätten.

Blicke und Nähe

Stattdessen schilderten sie ein Vorgehen, das die Autorinnen als »Multi-Faktor-Authentifizierung« bezeichnen – angelehnt an Sicherheitsabfragen im Netz. Demnach gilt Sex für die befragten Männer dann als einvernehmlich, wenn mehrere Hinweise zusammenkommen: sich steigernde, wechselseitige Signale wie intensiver Blickkontakt, Berührungen und körperliches Entgegenkommen.

Verbale Rückfragen dienten den Männern eher als Absicherung, wenn etwas unklar schien. Was dagegen nur einer der 35 als »grünes Licht« wertete, war freizügige Kleidung. Mit betrunkenen Personen gingen sie im Mittel zudem nach eigenen Angaben eher zurückhaltender um.

Die Studie zeigt trotzdem eine deutliche Lücke zwischen Theorie und Wirklichkeit. Das Prinzip »Sex braucht Einvernehmen« ist bei vielen angekommen. Statt sich aber an formalen Regeln zu orientieren, prüfen sie Zustimmung im Zusammenspiel aus Situation, Beziehung und Bauchgefühl.

Aufklärungsprogramme könnten davon lernen – und passender vermitteln, wie respektvolle Verständigung beim Sex aussehen kann. Zu bedenken bleibt, dass sich die Studie rein auf die Aussagen der Männer stützt, die womöglich dazu neigten, sozial erwünschte Antworten zu geben.

  • Quellen
Forrest, J., Ford, J., Journal of Sex & Marital Therapy 10.1080/0092623X.2026.2618492, 2026

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