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Sicher helfen: Wie hilft man bei einer Lebensmittelvergiftung?

Nach dem Nudelsalat mit Mayo kommen Durchfall und Erbrechen. Was man vor allem bei Kleinkindern und Älteren beachten muss, wenn es sich um eine Lebensmittelvergiftung handelt.
Ein Junge sitzt auf seinem Bett und ihm ist übel. Seine Mutter legt ihm eine Hand auf den Rücken.
Gerade bei Kindern sollte man bei Erbrechen und Durchfall darauf achten, dass sie genügend trinken. Sie sollten alle paar Minuten eine kleine Menge Flüssigkeit über einen Löffel zu sich nehmen.

Sicher helfen

Erste Hilfe rettet Leben. Wenn jemand in eine medizinische Notsituation gerät, sind wir deshalb alle verpflichtet, zu helfen. Trotzdem zögern viele Menschen im Ernstfall, oft aus Angst vor Fehlern. Diese Unsicherheit muss aber nicht bleiben. In unserer Serie »Sicher helfen« erklären wir, was im Notfall zu tun ist: Wie erkennt man eine Vergiftung? Welche Informationen braucht der Notruf? Und wann muss man reanimieren?

Achtung: Dieser Text bietet lediglich einen Überblick über Erste-Hilfe-Maßnahmen. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Kurse bieten unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund und auch viele private Ausbildungsstellen in ganz Deutschland an.

Zur Geburtstagsfeier Ihrer Großmutter gibt es ein Büfett. Jeder Gast steuert eine Speise bei. Besonders gut schmeckt der Großmutter ein Kartoffelsalat mit selbst gemachter Mayonnaise, von dem sie eine große Portion isst. Wenig später wird ihr plötzlich übel und sie muss sich erbrechen. Auch andere Gäste klagen über Bauchschmerzen und Übelkeit.

Was ist los?

Ihre Großmutter leidet wahrscheinlich an einer Lebensmittelvergiftung, ausgelöst durch bakterielle Giftstoffe in der Mayonnaise. Dabei bilden in verunreinigten Lebensmitteln befindliche Bakterien Giftstoffe, so genannte Toxine. Sie gelangen beim Verzehr der Speisen in den Körper und führen zu Beschwerden. Haben andere Menschen das Gleiche gegessen, entwickeln sie wahrscheinlich ähnliche Symptome. Ein häufiger Erreger ist hier zu Lande das zu den Staphylokokken zählende Bakterium Staphylococcus aureus: Bereits eine bis drei Stunden nach dem Verzehr von nicht durchgängig gekühlten Milch- oder Eiprodukten wie Mayonnaise treten Magen-Darm-Beschwerden auf. Den Speisen merkt man ihre Verunreinigung nicht an, sie schmecken und riechen unauffällig. Seltener stecken Clostridien oder der Erreger Bacillus cereus hinter der Erkrankung. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr weltweit 420 000 Menschen durch lebensmittelbedingte Vergiftungen und Infektionen, ein Drittel von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

Warum ist das gefährlich?

Während man eine Lebensmittelinfektion oft erst nach einer mehrere Tage andauernden Inkubationszeit bemerkt und diese meist länger andauert, treten bei einer Lebensmittelvergiftung die ersten Symptome schon wenige Stunden nach Verzehr des betroffenen Lebensmittels auf und klingen nach Stunden bis Tagen wieder ab. Typischerweise treten rasch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe auf, zusätzlich können die betroffenen Personen Fieber, Schwindel oder Herz-Kreislauf-Beschwerden bekommen. Die Symptome variieren allerdings je nach Erreger oder Toxin. Bei Säuglingen, Kleinkindern, alten Menschen und Immungeschwächten ist die Gefahr eines schweren oder im Extremfall lebensbedrohlichen Krankheitsverlaufs gegeben. Sie verlieren bei starkem Erbrechen oder Durchfall viel Flüssigkeit und Elektrolyte, die sie mitunter nicht ausreichend ausgleichen können. Ist der Flüssigkeitsmangel sehr ausgeprägt, geraten sie in einen Kreislaufschock, der mit Bewusstseinsstörungen, einem niedrigen Blutdruck und einer hohen Herzfrequenz einhergeht. Außerdem lassen die Betroffenen kaum oder kein Wasser mehr. Ein starker Elektrolytverlust kann zudem gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Wie kann man helfen?

Erbricht sich die erkrankte Person häufig oder hat starken Durchfall, sollte man darauf achten, dass sie genug trinkt: Pro Kilogramm Körpergewicht rechnet man mit 40 Millilitern innerhalb von 24 Stunden. Am besten eignen sich Getränke wie leicht gesüßte Tees oder salzige Brühe. Bei schwerem Durchfall kann man eine spezielle Salzlösung in der Apotheke kaufen. Wer die Lösung selbst anrühren will, fügt einem Liter Wasser vier Teelöffel Zucker, einen dreiviertel Teelöffel Kochsalz und ein Glas Orangensaft zu. Viele Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden vertragen stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis oder Zwieback gut. Fettreiche Mahlzeiten, Softdrinks wie Cola, Alkohol oder Kaffee sollte man eher nicht anbieten. Medikamente gegen Durchfall wie Loperamid lindern zwar die Beschwerden, die Giftstoffe verbleiben dadurch aber länger im Darm, weil sie nicht ausgeschieden werden. Experten empfehlen eher, sie nicht einzunehmen. Halten die Symptome länger als drei Tage an, hat die Person ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf oder kommen Fieber und blutige Durchfälle dazu, sollte man mit ihr zum Hausarzt gehen.

Für Kinder gibt es in der Apotheke ebenfalls geeignete Lösungen zu kaufen, die man ihnen möglichst alle paar Minuten in kleinen Mengen mit einem Teelöffel gibt. Wie viel Flüssigkeit das Kind braucht, hängt von seinem Alter, Gewicht und der verlorenen Flüssigkeitsmenge ab. Trinkt es nicht, verschlechtert sich sein Zustand trotz ausreichender Trinkmenge oder ist man unsicher, sollte man den Kinderarzt aufsuchen.

Lebensmittelinfektionen und sonstige Vergiftungen

Verursachen die Erreger in der Nahrung selbst die Symptome, handelt es sich streng genommen um eine Lebensmittelinfektion. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dies oft als Lebensmittelvergiftung bezeichnet. Klassische bakterielle Auslöser für eine Lebensmittelinfektion in Deutschland sind unter anderem Salmonellen, Listerien, Campylobacter und Escherichia coli.

Auch Viren wie das Noro- und das Rotavirus oder Parasiten wie Toxoplasmose können über verunreinigte Lebensmittel krank machen. Häufig stecken sie in rohen Eiern, nicht ausreichend durchgegartem Fleisch oder Milchprodukten oder haften auf den Lebensmitteln.

Schimmelpilze wie Aspergillus flavus produzieren ebenfalls schädliche Stoffe, die Aflatoxine. Sie kommen vor allem auf Nüssen und Reis vor und können bereits in geringen Mengen ein akutes Leberversagen auslösen. Zudem sind sie wahrscheinlich Krebs erregend. In verdorbenem Fisch sammelt sich der Botenstoff Histamin an, der in hohen Mengen krank macht. Außerdem können Lebensmittel mit giftigen Metallen wie Quecksilber oder Blei verunreinigt sein, die bei Verzehr größerer Mengen möglicherweise zu Vergiftungserscheinungen führen.

Wie geht es weiter?

Zunächst spricht der Arzt oder die Ärztin mit der Person, untersucht sie körperlich und misst Blutdruck und Puls. Oft liefert die Krankengeschichte bereits die entscheidenden Hinweise auf eine Lebensmittelvergiftung. Treten dagegen Symptome wie blutiger Durchfall, Herzrasen, niedriger Blutdruck oder eine stark angespannte Bauchoberfläche auf, müssen andere, potenziell gefährliche Ursachen wie eine Darmischämie ausgeschlossen werden. In diesem Fall werden Blut- und Stuhlproben im Labor auf auslösende Erreger untersucht.

Die Behandlung richtet sich nach den vorliegenden Symptomen. Leichte Beschwerden werden ambulant behandelt. Wichtig ist, dass die Erkrankten dazu in der Lage sind, genug Flüssigkeit zu trinken. Zusätzlich können die Mediziner ihnen Medikamente gegen Übelkeit verschreiben. Antibiotika sind bei einer reinen Lebensmittelvergiftung nicht gerechtfertigt. Liegt eine Infektion vor, entscheiden Ärzte je nach nachgewiesenem Erreger und Schwere der Erkrankung, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist.

Menschen mit schweren Beschwerden oder moderat erkrankte Risikopatienten müssen im Krankenhaus behandelt werden. Dort gleichen die Mediziner die fehlende Flüssigkeit und Salze durch Infusionen aus. Zusätzlich überprüfen sie regelmäßig Kreislauf- und Nierenfunktion, die Elektrolyte und den Flüssigkeitshaushalt. Bei einem Kreislaufschock müssen die Betroffenen engmaschig überwacht werden und erhalten viel salzhaltige Flüssigkeit über die Venen. Dabei wird darauf geachtet, dass die Erkrankten nicht überwässern oder ihre Elektrolyte in ein lebensbedrohliches Ungleichgewicht geraten.

Botulismus

Eine seltene, aber oft lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung ist der Botulismus. Auslöser ist das Nervengift des Bakteriums Clostridium difficile, das die Weiterleitung von Nervenreizen hemmt. In der Folge kommt es zu Muskellähmungen. Die Sporen des Erregers halten sich in Konservendosen auf. Aber auch eingelegte Früchte und Gemüse aus der heimischen Küche können dem Bakterium als Nährboden dienen. Beim Aufkeimen produzieren sie Gase, wodurch sich die befallenen Dosen erkennbar aufblähen. Da Säuglingen unter zwölf Monaten noch das saure Magenmilieu Erwachsener fehlt, das den Erreger oder seine Sporen abtöten kann, haben sie ein erhöhtes Risiko für einen Säuglingsbotulismus. Daher sollten sie keinen Honig essen, der Sporen enthalten kann. Daneben können die Sporen in verunreinigten Wunden aufkeimen, so dass ein Wundbotulismus entsteht.

Wer befallene Lebensmittel konsumiert, entwickelt nach bis zu drei Tagen Symptome. In einigen Fällen bleibt es bei Magen-Darm-Beschwerden. Häufiger berichten die Betroffenen aber zunächst über Mundtrockenheit, gefolgt von Sehstörungen in Form von Doppelbildern oder Augenflimmern. Im Verlauf können sich die Lähmungserscheinungen im ganzen Körper ausbreiten. Ist die Atemmuskulatur betroffen, droht eine lebensbedrohliche Atemlähmung. Ein Nachweis des Botulinum-Toxins ist in verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Blut, Stuhl oder Erbrochenem möglich und muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Um das Gift aus dem Körper zu beseitigen, unterstützen die Ärzte die Magen-Darm-Entleerung medikamentös. Außerdem geben sie ein Gegengift und behandeln die Lähmungserscheinungen mit speziellen Medikamenten. Betroffene müssen auch bei leichten Beschwerden frühzeitig intensivmedizinisch überwacht werden, damit sie bei Atemproblemen rechtzeitig über einen Schlauch im Hals beatmet werden können.

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