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Sicher helfen: Wie hilft man bei Unterkühlung?

Sind Menschen länger draußen in der Kälte oder im Wasser, können sie unterkühlen. Schnelles Handeln ist gefragt. Vorsicht: Werden Betroffene stark bewegt, droht Lebensgefahr.
Zwei Sanitäter transportieren eine Person auf einer Trage an einem zugefrorenen See.
Bei einem längeren Aufenthalt in kaltem Wasser droht eine Unterkühlung. Helfende können mit Decken und Jacken erste Hilfe leisten, sollten jedoch nicht zögern, den Notruf zu wählen.

Achtung: Dieser Text bietet lediglich einen Überblick über Erste-Hilfe-Maßnahmen. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Kursangebote bieten unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter und der Arbeiter-Samariter-Bund.

An einem kalten Morgen gehen Sie mit Ihrem Hund im Park spazieren. Während Ihrer Runde sehen Sie einen Mann starr auf einer Bank liegen und nähern sich ihm. Nachdem Sie ihn mehrmals angesprochen haben, öffnet er langsam die Augen. Die Lippen sind blau.

Was ist los?

Der Mann ist unterkühlt. Seine Körpertemperatur ist auf unter 35 Grad Celsius gefallen. Fachleute sprechen auch von einer Hypothermie. Ausgelöst wird sie meist durch äußere Umstände, wie lange Aufenthalte draußen. Unfälle im Schnee können ebenfalls eine Unterkühlung verursachen oder, wenn jemand in kaltes Wasser fällt. Zu den Risikogruppen zählen Ältere und Kinder; Menschen in Notlagen und Obdachlose sind ebenfalls gefährdet. Von 100 000 Menschen sind pro Jahr bis zu sechs Personen betroffen, genaue Daten gibt es aber wenige. Manche Menschen unterkühlen, weil ihr Körper seine Temperatur krankheits- oder verletzungsbedingt nicht mehr ausreichend anpassen kann. Auch nach Einnahme von Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten neigen Menschen zur Unterkühlung. Manchmal führen Ärztinnen und Ärzte absichtlich eine milde Hypothermie herbei, um zum Beispiel nach einer Wiederbelebung Hirnschäden zu minimieren.

Die Unterkühlung wird in mehrere Schweregrade beziehungsweise Stadien unterteilt. Bei einer Körperkerntemperatur von 32 bis 35 Grad Celsius besteht eine milde Unterkühlung. In diesem ersten Stadium zittern die Betroffenen vor Kälte, atmen schneller und haben einen erhöhten Herzschlag, sind aber bei Bewusstsein. Ihre Haut ist bläulich blass verfärbt. Eine mäßige Hypothermie besteht bei Personen, deren Temperatur auf 28 bis 32 Grad sinkt. Sie werden schläfrig, atmen flacher und unregelmäßiger und ihr Herzschlag verlangsamt sich. Statt zu zittern, werden ihre Muskeln nun starr. Zusätzlich können sie paradoxerweise ein Wärmegefühl empfinden und sich entkleiden. Im dritten Stadium, bei einer Körperkerntemperatur von 24 bis 28 Grad, spricht man von einer schweren Unterkühlung. Die Betroffenen verlieren das Bewusstsein, ihr Herz schlägt nun deutlich zu langsam, der Blutdruck fällt ab, und es besteht die Gefahr von gefährlichen Herzrhythmusstörungen. Sinkt die Temperatur auf unter 24 Grad, sind keine oder nur minimale Lebenszeichen vorhanden. Atmung und Kreislauf stehen still. Die Verunglückten können tot erscheinen, aber möglicherweise wiederbelebt werden. Es gilt der Grundsatz: Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist. Kühlt jemand unter 15 Grad ab, ist die Hypothermie jedoch unumkehrbar und die Person stirbt.

Warum ist das gefährlich?

Eine Körpertemperatur unter 32 Grad ist ein medizinischer Notfall: Lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen können auftreten; ab Temperaturen unter 30 Grad besteht die Gefahr eines Kreislaufstillstands. Gefährlich wird es, wenn Unterkühlte stärker bewegt werden oder an Armen und Beinen zuerst wieder erwärmt werden: Durch die kalten Temperaturen sind die Gefäße an den Extremitäten sehr eng, so dass das Blut in geringerem Maß durch sie zirkuliert und weniger Körperwärme verloren geht. Die Organe in der Körpermitte werden geschützt. Werden Arme und Beine jedoch als Erstes aufgeheizt, weiten sich ihre Gefäße und das kältere Blut strömt zurück zur Körpermitte, was zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen bis hin zum Bergungstod führen kann.

Wie kann man helfen?

Helferinnen und Helfer sollten sofort den Notruf 112 wählen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Schweregrad ab: Sind die Betroffenen leicht unterkühlt, sollten Helfende ihnen gegebenenfalls die nasse Kleidung ausziehen, sie in Decken oder Rettungsdecken wickeln und den Kopf mit einer Mütze bedecken. Außerdem bringen sie die Betroffenen möglichst an einen warmen, windstillen Ort. Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist und schlucken kann, helfen gut gezuckerte Getränke wie Tees. Alkoholische Getränke sind dagegen zu vermeiden. Außenstehende sollten nicht versuchen, betroffene Personen mit Wärmflaschen, einem heißen Bad oder Massagen schnell aufzuwärmen, weil dadurch gefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden könnten. Bis die Rettungskräfte eintreffen, sollten Helfende bei der unterkühlten Person bleiben, sie beruhigen und Bewusstsein und Atmung beobachten.

Wenn die Betroffenen nicht mehr zittern oder zunehmend bewusstlos werden, dürfen Helfende nicht mehr versuchen, sie aufzuwärmen, und sollten sie möglichst nicht bewegen. Außerdem sollten sie sie nicht mehr entkleiden. Ist die Person bewusstlos, atmet aber noch normal, bringen Helfende sie vorsichtig in die stabile Seitenlage und decken sie zu. Bis die Einsatzkräfte kommen, müssen sie regelmäßig Atmung und Bewusstsein kontrollieren. Ist die Person bewusstlos und atmet nicht normal, müssen sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen und diese bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte fortsetzen.

Wie geht es weiter?

Die eintreffenden Rettungskräfte überwachen kontinuierlich Atmung und Kreislauf der betroffenen Person und beginnen bei einem Kreislaufstillstand mit der Reanimation. Sie decken den oder die Betroffene zu und transportieren ihn oder sie zügig, aber vorsichtig in ein geeignetes Krankenhaus. Um die unterkühlte Person wieder aufzuwärmen, verabreichen die Mediziner warme Infusionslösungen etwa über die Vene oder legen Wärmepackungen auf die Körpermitte. Bei schweren Unterkühlungen müssen die Betroffenen künstlich beatmet werden. Zudem schließen die Ärzte und Ärztinnen den Blutkreislauf an eine Maschine an, die das Blut erwärmt.

Was macht man bei Erfrierungen?

Erfrierungen sind kältebedingte Gewebeschädigungen, die auf einzelne Körperstellen begrenzt sind. Besonders gefährdet sind Finger, Zehen, Nase und Ohren. Häufig treten Erfrierungen zusammen mit einer Unterkühlung auf. Die Beschwerden sind abhängig vom Schweregrad: Bei eher oberflächlichen Erfrierungen wird die Haut blass und taub und verfärbt sich beim Aufwärmen bläulich rot. Sind tiefere Gewebeschichten betroffen, bilden sich Hautblasen und Schwellungen. Ist die Erfrierung tief, sterben Teile des Gewebes ab. Dann fühlen sich die weißgrau verfärbte Haut und das darunterliegende Gewebe hart und gefühllos an. Im schlimmsten Fall kann sich der abgestorbene Körperteil auch schwarz verfärben und eine Amputation notwendig sein. Das ganze Ausmaß der Erfrierungen wird allerdings erst nach zwei bis vier Wochen deutlich.

Helfende sollten den Notruf wählen und sich bei einer zusätzlich bestehenden Unterkühlung zuerst um diese kümmern. Bei Erfrierungen hilft es, eng anliegende Kleidung und Schuhe zu lockern und die Person zu bitten, die betroffene Körperregion wenn möglich zu bewegen. Dabei sollten Helfende die Glieder jedoch nicht selbst anfassen und bewegen. Zusätzlich können sie versuchen, die Körperteile mit ihrer Körperwärme aufwärmen – zum Beispiel, indem sie betroffene Finger oder Zehen in ihre eigene Achselhöhle stecken. Sie sollten die Körperteile allerdings nicht massieren und abreiben oder sie mit Heizdecke oder Feuer aufwärmen. Außerdem sollten die erfrorenen Gliedmaßen nur aufgewärmt werden, wenn sie danach nicht wieder einfrieren. Sonst entstehen mehr Schäden. Falls vorhanden, können verletzte Stellen mit einem sterilen Verband locker und ohne Druck abgedeckt und anschließend hochgelagert werden. Dabei tragen sie Schutzhandschuhe. Hautblasen dürfen nicht geöffnet werden.

Spezialisierte Fachleute wärmen die betroffene Körperstelle mit einem warmen Wasserbad auf. Danach trocknen sie die Wunde vorsichtig ab und versorgen sie mit einem sterilen Verband. Zudem geben sie Flüssigkeit und Schmerzmittel, da das Auftauen schmerzhaft ist. Falls die Tetanusimpfung nicht erfolgt oder schon lange her ist, impfen sie gegen Tetanus. Wenn nötig, muss das abgestorbene Gewebe im weiteren Verlauf amputiert werden.

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