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Interview: Galilei-Werk war raffinierte Fälschung

Wie der Fall des Sidereus Nuncius zeigt, macht moderne Fälschungstechnik auch vor historischen Büchern nicht Halt. Ein im Jahr 2005 in New York aufgetauchtes Exemplar faszinierte durch Handzeichnungen, die Experten dem Astronomen Galileo Galilei zuschrieben. Handelte es sich hier etwa um die Druckfahne des berühmten Werkes, das Astronomiegeschichte geschrieben hatte? Heute ist klar: Dieses Exemplar ist eine raffinierte Fälschung. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp fordert nun neue Methoden der Analyse und eine internationale, fächerübergreifende Kooperation.
GalileiLaden...

Sterne und Weltraum: Herr Bredekamp, der New Yorker Antiquar Richard Lan hatte Sie im Jahr 2005 gebeten, ein von ihm angekauftes Exemplar des Sidereus Nuncius zu begutachten. Als Sie diesen Band, den SNML, erstmals sahen, was empfanden Sie dabei?

Horst Bredekamp: In den Jahren zuvor habe ich eine beträchtliche Zahl von Exemplaren des Sidereus Nuncius studiert. In diesem Fall beeindruckte mich der Umstand, dass der Einband nicht nur dieses Werk, sondern auch den berühmten "Discorso" Galileis enthielt. Der "Sternenbote" hatte also ein nicht minder berühmtes Buch von Galilei gleichsam als Bruder neben sich. Mit so etwas ist man selten konfrontiert. Es kam hinzu, dass statt der Drucke Zeichnungen des Mondes vorhanden waren, und beide Elemente haben mich fasziniert.

Wenn ein bisher unbekanntes Buch oder ein besonderes Exemplar eines bekannten Werks auf dem Markt auftaucht, sind doch sicherlich zunächst Zweifel an der Echtheit angebracht. Wie sind Sie vorgegangen, um diese Zweifel zu beseitigen?

Ich habe methodisch nicht die Echtheit bestätigen, sondern Schritt für Schritt die Zweifel an der Authentizität zu überprüfen versucht. Ich habe den Einband, das Papier, die Wasserzeichen, die Druckerschwärze, die Tinten der Signatur und der Zeichnungen gemeinsam mit Spezialisten wie Irene Brückle, Oliver Hahn und Paul Needham geprüft und die Zeichnungen stilistisch mit den mir bekannten Zeichnungen Galileis verglichen. Vor allem habe ich in monatelanger Arbeit Buchstabe für Buchstabe von insgesamt zwölf in Europa und den USA befindlichen Exemplaren miteinander verglichen, um eine Analyse der Druckfehler herzustellen. Dies ergab, dass im SNML die höchste Zahl von Druckfehlern enthalten war, was mich in dem Urteil bestärkt hat, dass es die Druckfahne darstelle.

Welche Rolle spielt dabei die Provenienz, also die Herkunftsgeschichte des Buchs?

Bevor wir mit der Arbeit begonnen haben, ist die Herkunft und der Erwerb des Buches vom Besitzer schriftlich bezeugt worden.

Wie haben Sie die Provenienz nachgeforscht?

Weitere Nachforschungen haben wir nicht angestellt, weil die Erklärung des Besitzers eindeutig war und keine Verdachtsmomente im Raum standen. Wir waren uns im Übrigen sicher, dass wir eine Fälschung zweifelsfrei als solche bestimmen könnten.

Es heißt generell, die Echtheit eines Gegenstands ließe sich nicht beweisen, nur das Vorliegen einer Fälschung könne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Gilt das auch für historische Bücher?

Bislang schien es kaum denkbar, dass historische Bücher gefälscht werden könnten. Man muss sich den hierfür erforderlichen Aufwand vorstellen: Druck von Buchstaben in fünfstelliger Zahl durch neu gegossene Bleilettern, Simulation ihrer unregelmäßigen Abstände, Herstellung von alt scheinendem Papier mitsamt seiner Wasserzeichen und seiner Beschichtung. Der Einband wäre hinzu gekommen, der ebenfalls ein komplexes Gebilde darstellt. Im Fall des SNML ist es ein Einband aus Pergament aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Es wäre rein ökonomisch nicht profitabel; ein viel zu aufwändiger Vorgang. Ich habe in bleibender Erinnerung, wie sich der Fachmann für Bleidruck, Thomas Schulze aus Leipzig, dagegen wehrte, den SNML als Fälschung anzuerkennen. Zu viele Kenntnisse seien in ihn gegangen, und zu aufwändig wäre eine Fälschung, als dass an eine solche zu denken wäre. Auch er hat den Charakter des Buches erst nach längerer Prüfung erkannt.

Gibt es etablierte Verfahren, mit denen ich die Echtheit eines historischen Buchs belegen kann? Und wenn ja, welche?

Es handelt sich um die beschriebenen Verfahren, die auch ich selbst mitsamt der Forschergruppe eingesetzt habe. Diese galten bislang als hinreichend, um die Echtheit zu bestätigen. Heute wissen wir, dass für die letzte Gewissheit Proben für mikroskopische Faseranalysen genommen werden müssen.

Wie aufwändig sind solche Analysen?

Derartige Verfahren sind nicht trivial, und deshalb werden sie nur bei wirklich wertvollen Büchern eingesetzt.

Das erste Forschungsprojekt, das Sie 2006 in Berlin starteten: War das in dieser Dimension auch schon außergewöhnlich?

Das im Kupferstichkabinett durchgeführte erste Forschungsprojekt war im Zusammenspiel von Geistes- und Naturwissenschaftlern als eine exemplarische Analyse und als ein Beispiel für den zeitgemäßen Umgang mit historischen Büchern angelegt. Wir hofften, dass unsere Publikation eine Art Handbuch werden könne; aus diesem Grund sind am Ende von "Galileo’s O" die Methoden im lexikografischem Stil zusammengefasst. So vielfältig war noch kein historisches Buch untersucht worden.

Bei sehr seltenen Büchern wie dem Sidereus Nuncius: Kann ein Fälscher darauf spekulieren, dass es allein schon deswegen schwierig ist, eine Fälschung nachzuweisen, weil es so wenige Exemplare gibt und man nicht mehrere von ihnen zu einem Vergleich nebeneinanderlegen kann?

In der Tat ist dies der Fall. Wir haben in unserer dritten Kampagne, die der Untersuchung der Fälschung gewidmet war, eine Population von Büchern zusammengebracht, wie sie unseres Wissens noch an keinem Ort zusammengestellt werden konnte. Es wäre dringend nötig, eine Datenbank aufzubauen und online zu Verfügung zu stellen, welche die materiellen Daten von Fälschungen und von Originalen präsentiert.

Wie wurden Sie auf die ersten Indizien aufmerksam, dass der SNML eine Fälschung sein könne?

Es war zunächst nur ein einziges Indiz: der winzige schwarze Fleck neben dem "P" des Priuilegio auf der Titelseite, der auch auf der Faksimile-Ausgabe des "Sternenboten" von 1964 vorhanden war.

Wie gingen Sie mit diesem Hinweis um?

Zunächst informierte ich den Vizepräsidenten für Forschung an der Humboldt-Universität, dann unterrichtete ich sämtliche Mitglieder der Gruppe, um eine Strategie zu entwickeln, wie auf den Verdacht einer Fälschung reagiert werden könne.

Welche möglichen Konsequenzen sahen Sie für Ihre bisherigen Galilei-Forschungen?

Mich hat der Umstand, einer Fälschung aufgesessen zu sein, getroffen, aber meine bisherigen Forschungen waren hiervon nicht in Frage gestellt. Das Buch ist mir erst präsentiert worden, als meine Publikation "Galilei der Künstler" bereits so gut wie fertig gestellt war. Das Kapitel zum SNML umfasst nur einen Bruchteil dieser Untersuchung. Diese basiert wesentlich auf der Rekonstruktion der Ausbildung Galileis in Praktiken, wie sie an der Kunstakademie von Florenz gelehrt wurden, auf der Analyse der Zeichnungen des Mondes im Florentiner Manuskript des "Sternenboten", auf einer Fülle von Zeichnungen, die sich in weiteren Manuskripten und Briefen von Galilei finden, sowie auf der Serie der Darstellungen von Sonnenflecken im Archiv der Barberini, das sich im Vatikan befindet. Nicht weniger wichtig war die Analyse der kunsttheoretischen Äußerungen Galileis.

Wann war eindeutig klar, dass der SNML gefälscht sein muss?

Im Oktober 2012, als die Forschergruppe im Kupferstichkabinett in Berlin erneut zusammenkam, um die Verdachtsmomente zu überprüfen.

Der SNML ist, wie Sie erwähnt haben, mit anderen Schriften zusammen in einem Sammelband gebunden. Sind denn diese anderen Schriften echt? Wurden die überhaupt untersucht?

Diese Bücher sind für unseren Begriff echt, weil sie all jene Elemente, die für uns schließlich bei dem SNML auf eine Fälschung hinwiesen, nicht enthalten. Zudem ist das Papier geleimt; dies war bei dem SNML nicht der Fall. Was für uns eine zusätzliche Bestätigung war, dass es sich um eine Druckfahne handelte, war in Wahrheit ein Indiz für eine Fälschung.

Nachdem die Fälschung feststeht: Sind damit Ihre bisherigen Deutungen über Galilei als Künstler Makulatur geworden?

Galilei hat seine Fähigkeiten in der augenblicklichen räumlichen Erfassung visueller Phänomene im Zuge einer Künstlerausbildung schulen können, und an seiner Finesse, sich auf dem Papier über die gesehenen Erkenntnisse klar zu werden, indem er sie zeichnend wiedergab, kann kein Zweifel bestehen. Diese Erkenntnis stammt ursächlich nicht von mir, sondern von Forschern wie Herbert Mann, Samuel Edgerton und Jürgen Renn; ich habe diese systematisiert und ausgebaut, aber keinesfalls originär erfasst. Galilei galt unter den Zeitgenossen als wiedergeborener Michel­angelo, weil man annahm, er sei am Tag nach dessen Tod geboren worden. Seine Affinität zur Kunst schien dies zu bestätigen.

Viele Leute werfen Ihnen vor, Sie hätten zu lange bestritten, dass der SNML falsch sei. Aus welchen Kreisen kommt diese Kritik, und warum dauerte es so lange, bis Sie öffentlich dazu Stellung nahmen?

Kein Wissenschaftler wird auf ein erstes Verdachtsmoment hin eine jahrelange Forschung über Bord werfen. Wer ein solches Verhalten verlangt, hat niemals geforscht. Wie eine Erkenntnis nach allen Seiten hin überprüft werden muss, bevor sie formuliert und veröffentlicht wird, so muss selbstverständlich auch der Verdacht, dass sie nicht zutrifft, sorgfältig geprüft werden. Den Umstand, dass der begründete Verdacht besteht, haben wir im Mai 2012 durch Paul Needham auf der Website der amerikanischen Antiquare, dem in derartigen Fällen angemessenen Ort, veröffentlicht. Wir haben dies getan, obwohl die Forschergruppe bis Anfang des Jahres 2013 uneinig war, ob das Papier eine Fälschung sei oder nicht. Erst Untersuchungen der Faserstrukturen haben schließlich auch in diesem Punkt Gewissheit gegeben. Von diesem Moment an haben wir begonnen, die Ergebnisse zusammenzufassen und in eine Struktur zu bringen, die geeignet war, als Publikation herausgebracht zu werden. Es war ein komplizierter Vorgang, der bis zur Drucklegung dann ein weiteres Jahr brauchte. Gemessen daran, dass eine Reihe von Autoren beteiligt war, ist dies eine eher kurze Zeit. Wer hier Kritik übt, ist eher an der Sensation als an der sorgfältigen Unterrichtung der Öffentlichkeit interessiert.

Welche Aussagekraft haben die beiden ersten Bände von "Galileo’s O" nun noch?

Um ein Beispiel zu geben: In einer viel beachteten Ausstellung zum Maler Adam Elsheimer, der vermutlich bereits vor Galilei den Mond mit einem Fernrohr betrachtet und diesen auch wiedergegeben hat, sind vor etwa zehn Jahren statt der Radierungen Galileis aus dem "Sternenboten" vom März 1610 die Holzschnitte des Frankfurter Aufdrucks vom Oktober 1610 abgedruckt worden, ohne diese Verwechslung zu bemerken. Ich meine das nicht als Vorwurf; es soll nur beleuchten, wie weit der seither vollzogene Fortschritt auf diesem Gebiet gediehen ist. So ist zuvor nicht bekannt gewesen, dass es sich nicht um Kupferstiche, sondern um Radierungen handelt. Über den Verleger Tommaso Baglioni war bis zu unseren Untersuchungen nicht mehr als nur der Name bekannt. Der zweite Band von "Galileo’s O" von dem Buchforscher Paul Needham aus Princeton hat den Entstehungsprozess dieses umwälzenden Buches Tag für Tag und Nacht für Nacht zwischen Mitte Januar und Anfang März rekonstruiert. Es ist die vermutlich detaillierteste Untersuchung zur Herstellung eines historischen Buches, die jemals publiziert worden ist. All dies bleibt unangetastet – ebenso wie die naturwissenschaftlichen Untersuchungen, die zwar die Fälschung nicht nachweisen konnten, gleichwohl aber wertvolle Analysen in Bezug auf das Papier und die verwendeten Materialien erbracht haben.

Ihre erneute Untersuchung des SNML mit Ihrem Forscherteam hat anderthalb Jahre gedauert. Warum so lange?

Die Untersuchung selbst hat in einer ersten Etappe vom Mai bis Oktober 2012 gedauert; diese ist im Wesentlichen von Nick Wilding und Paul Needham getragen und mit der Gruppe diskutiert worden. Mit diesen Ergebnissen hat die gesamte Gruppe unter Hinzuziehung des britischen Einbandforschers Nicholas Pickwoad im Oktober in Berlin neuere Untersuchungen angestellt. Dies war erst zu diesem Zeitpunkt möglich, weil wir Vergleichsobjekte zusammenbringen mussten, um relevante Daten zu erhalten. Es war sehr aufwändig, die in "Galileo’s O III" analysierten Bücher beziehungsweise Buchproben zusammenzubringen. Danach haben die Untersuchungen dann wie erwähnt immer noch Wochen gedauert, bis sich eine künstliche Faser aus dem Jahr 1930 zeigte. Danach kam die Produktion unserer Veröffentlichung, für die ein Jahr benötigt wurde.

Welche Fragen zum SNML konnten geklärt werden? Die Vorlagen, aus denen der SNML fabriziert wurde, die Art der Drucktechnik, die Herkunft der Signatur, die Klärung, dass der Einband alt, die Bindung aber neu ist, das Material des Papiers, die Fehler des Fälschers bei der Platzierung des Satzspiegels und zahlreiche weitere Details. Und welche Fragen sind noch offen geblieben?

Für mich bleibt ein Phänomen, wie der Maler, der die Zeichnungen gefälscht hat, bis in die Tiefe des Stils nachzuahmen vermochte. Vor allem ist unklar, warum Druckerschwärze, die auf den Hauptlinien der Zeichnungen liegt, eingesetzt wurde. Sie ist zunächst so unscheinbar, dass nicht sicher sein konnte, ob sie je entdeckt werden würde. Dasselbe gilt für das Phänomen des Schattendrucks, der immer dann auftaucht, wenn der Drucker versehentlich zwei Papierlagen statt nur einer bedruckt hat. In solchen Fällen muss die untere Seite nochmals bedruckt werden, wobei dann die bereits eingepressten Buchstaben als Druckschatten zu sehen sind. Nur wenige Spezialisten kennen überhaupt dieses Problem. Wie all diese Kenntnisse zusammengebracht werden konnten, ist eine Frage, die wahrscheinlich nur die Polizei oder ein Psychologe zu klären vermag.

Was wäre nötig, um die noch verbliebenen Fragen zu klären? Wäre es überhaupt sinnvoll, ein noch umfassenderes Forschungsprojekt durchzuführen?

Natürlich wäre es sinnvoll, die offenen Probleme zu klären, aber sie haben unseres Erachtens für die Bestimmung des Gesamtcharakters des SNML keine Bedeutung mehr. Vor allem bewegen sie sich in Richtung der schwer zu bestimmenden Psychologie des Fälschers, dem es offenbar gelungen ist, gleichsam in den aktuellen Forschungsstand hinein zu malen. Er hat ein Verfahren angewendet, das die Fälschung nicht dadurch verbergen sollte, dass sie ununterscheidbar an die Vorlagen angepasst wurden, sondern dass vielmehr behutsam Abweichungen eingebaut wurden, um der Forschung gleichsam eine innovative Nahrung zu geben.

In dem nun erschienenen dritten Band von "Galileo’s O" analysieren Sie und Ihr Team die Details, die der Fälscher "falsch" gemacht hat. Ist das nicht zugleich eine Anleitung, wie ein Fälscher künftig geschickter vorgehen könnte?

Dies ist in der Tat eine Gefahr, die aber nicht zu vermeiden ist. Auch hierin liegt eine Parallele zum Doping: die Aufklärer ziehen in der Regel reaktiv nach, und sowie sie neue Methoden aufgedeckt haben, werden diese ersetzt.

Wenn Sie sich heute noch einmal zu dem Zeitpunkt zurückversetzen könnten, als Sie den SNML erstmals in Händen hielten – was würden Sie bei der Analyse dieses Exemplars nun anders machen?

Es gibt zu unserem Verfahren meines Erachtens keine Alternative. Ich würde aber selbstverständlich alle Indikatoren, die mir mittlerweile als Indizien für Fälschungen bekannt sind, zusätzlich überprüfen.

Was empfehlen Sie jemandem, der ein historisches Buch in seinem Besitz hat oder eines erwerben will: Hat derjenige überhaupt eine Chance, ein Werk als echt oder falsch zu bewerten?

Der SNML ist bislang ein Sonderfall. Alle gefälschten Bücher, die uns als Vergleich zur Verfügung standen, sind in ihrem Papier und ihrer Drucktechnik erheblich einfacher als Fälschung zu erkennen. Hierin liegt eine gewisse Hoffnung, dass ein geübter Antiquar, der immer auch mit Spezialisten zusammenarbeiten sollte, im Gros der Fälle eine verlässliche Bestimmung vornehmen kann. Absolute Gewissheit ist aber erst dann gegeben, wenn Proben entnommen werden.

Nach Ihren jetzigen Erfahrungen: Was glauben Sie, wie hoch der Anteil gefälschter Bücher auf dem Markt ist?

Diese Frage kann im Moment niemand auch nur annäherungsweise beantworten. Wie gesagt, bis in die jüngere Vergangenheit war nicht vorzustellen, dass man historische Bücher fälschen würde. Diese Art der Beruhigung ist vorbei.

Welche Lehren lassen sich nun aus dem ganzen Fall ziehen?

Antiquare, Auktionshäuser, Buchwissenschaftler, Kunsthistoriker, Materialforscher und Restaurierungswissenschaftler sollten mit der durch diesen Fall gewonnenen Sensibilität für neue Möglichkeiten des Fälschens international zusammenarbeiten, um in einem ersten Schritt eine Datenbank über die Beschaffenheit und die Produktionsweise von originalen und gefälschten Büchern aufzubauen und online zur Verfügung zu stellen. Es müssten die Analysen gefälschter Bücher publiziert werden. Dies ist bislang nicht geschehen. Unser Buch stellt die erste Publikation dieser Art dar; dieser Umstand kann das kommende Aufgabengebiet verdeutlichen. In unserem speziellen Fall kommt eine solche Datei zu spät, aber sie wäre nicht vergeblich, wenn durch sie ein solcher umfassender Austausch angestoßen und neue Methoden der Analyse entwickelt würden.

Das Gespräch führte Uwe Reichert.

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