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Blauwale: Riesen überlebten unerkannt im Arabischen Meer

Ein bislang unbekannter Bestand an Blauwalen wurde im Indischen Ozean entdeckt. Ihr einzigartiger Gesang unterscheidet sie von ihren Artgenossen weltweit.
Blauwal vor Sri LankaLaden...

Industrieller Walfang vernichtete in den 1960er Jahren auch im Arabischen Meer fast alle Walbestände. Nur ein paar Tiere überlebten das Gemetzel. Nun zeigt sich: Es handelt sich dabei wohl um einen einzigartigen Bestand an Blauwalen, der womöglich sogar eine eigene Unterart bildet. Das schreiben Salvatore Cerchio vom New England Aquarium und sein Team in »Endangered Species Research«. Sie hatten Walgesänge aus drei unterschiedlichen Regionen im nordwestlichen Indischen Ozean analysiert und stießen dabei auf markante Unterschiede zu anderen Blauwalpopulationen.

Erstmals bemerkten Cerchio und Co die abweichenden Gesänge, als sie 2017 vor Madagaskar Omurawale studierten: eine der mysteriösesten Großwalarten, über die bis dahin kaum etwas bekannt war. Die Wissenschaftler konnten die Klänge schließlich auf Blauwale zurückführen und sie mit Aufnahmen vergleichen, die vor der Küste des Oman aufgezeichnet worden waren. »Es ist wirklich bemerkenswert, wenn man in seinen Daten einen Walgesang findet, der einzigartig ist, von dem zuvor nie berichtet worden war und den man dann als vom Blauwal stammend identifiziert«, sagt Cerchio. Im weiteren Verlauf konnten die Biologen nachweisen, dass die Tiere im Bereich des britischen Chagos-Archipel vorkommen.

Weltweit wie auch im Indischen Ozean gibt es verschiedene Blauwalpopulationen, die sich durch ihre Gesänge unterscheiden. Eine davon lebt weiter östlich zwischen den Malediven und Sri Lanka, doch besitzen diese einen abweichenden Walgesang. Manche Wissenschaftler vermuten sogar, dass die Blau- sowie die Buckelwale im Arabischen Meer eigene Unterarten darstellen könnten: Im Gegensatz zu ihren Artgenossen wandern sie nicht jahreszeitlich in Richtung Antarktis, sondern verbringen das ganze Jahr in den Gewässern zwischen der Arabischen Halbinsel und Madagaskar.

Diese Bestände wurden allerdings illegal in den 1960er Jahren durch sowjetische Walfänger dezimiert und fast ausgerottet. So leben heute beispielsweise nur rund 100 Buckelwale vor der omanischen Küste; die Zahl der Blauwale ist unbekannt. Dass man sie mittlerweile an drei Orten nachweisen konnte, lässt jedoch hoffen, dass sich ihre Zahl langsam wieder erhöht.

52/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 52/2020

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